Bezirksausschuss lässt Gewerbegebiet Rappenweg auf Wohnnutzung prüfen

Wohnen auf der reinen Giftmüllkippe?

Wohnen statt Gewerbe am Rappenweg – das sollte die Stadt nach Willen des Truderinger Bezirksausschusses überprüfen. Nun hat die Stadt geschrieben, dass wegen der vielen Altlasten und des heterogenen Untergrunds die ehemalige, verfüllte Kiesgrube für eine Wohnnutzung wenig geeignet ist. 

Ob er diese Antwort akzeptiert, will der BA im Unterausschuss beraten.

„Ich verstehe nicht, wie man da Leute ansiedeln kann. Ich bin dagegen, denn auch wenn Bereiche saniert würden, bleibt daneben alles so, wie es ist“, erklärte Gertraud Ziegltrum (SPD) auf der jüngsten Sitzung des Truderinger Bezirksausschusses. Es ging um das Gewerbegebiet am Rappenweg, dessen Tauglichkeit für Wohnbebauung der Bezirksausschuss auf Antrag von Magdalena Miehle (CSU) und Stephanie Hentschel (FW) bei der Stadt hinterfragt hatte. 

Die Antwort des zuständigen Planungsreferats ist deutlich: Es liegen eine Menge unschöner Hinterlassenschaften unter der Oberfläche des illegalen Gewerbegebiets und ohne aufwändige Sanierung des Bereichs ist an eine mehrstöckige Wohnbebauung nicht zu denken. Zum einen müsste der heterogene Untergrund verdichtet und anderweitig verfestigt werden, damit darauf überhaupt mehr als ebenerdig gebaut werden kann, zum anderen möchte wohl niemand seine Kinder auf den gesundheitsschädlichen Altlasten herumtollen lassen. Bis maximal knapp 19 Meter wurde die zwischen 1946 und 1975 ausgebeutete Kiesgrube, auf der sich heute ein wildes Gewerbegebiet breit gemacht hat, mit Schluff, Sand, Kies und stark wechselnden Anteilen humoser Böden, Asche, Schlacke, Hausmüll und Bauschutt verfüllt. Was dort im Untergrund liegt, ist zum Teil erheblich mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Schwermetallen und Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) verunreinigt, in der Bodenluft wurden bereichsweise leichtflüchtige aromatische (BTX) und leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) festgestellt. Dazu könnte die Sache im wahrsten Sinne des Wortes auch noch explosiv werden: An manchen Stellen haben die Experten in der Bodenluft Methangehalte über der Explosionsgrenze nachgewiesen. Das Gemisch ist somit zwar zu „fett“ um zu explodieren, was sich bei entsprechender Verdünnung mit Luft aber ändern kann.

Oben Bodenaustausch

Für eine Wohnnutzung mit Gärten und Spielflächen müssten die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlasten-Verordnung (BBodSchV) auf mindestens 60 Zentimeter Tiefe eingehalten werden, was für das Gesamtgelände eine Bodenaustauschtiefe von 0,6 bis 1 Meter bedeuten würde. Oben käme nachweislich sauberer Boden drauf und damit sich dieser nicht mit dem belasteten Material darunter vermischt, müsste ein Trennvlies dazwischen eingezogen werden. Tief graben dürften künftige Gartenbesitzer deshalb wohl nicht. Damit das Gas, das beim Abbau von organischem Material im Untergrund entsteht, ablüften kann, sind Gasdrainagen nötig. Die müssen im übrigen auch unter künftigen Gewerbebauten eingezogen werden.

Sanierte Wohninseln

Die Belastungen des Areals Rappenweg sind in drei Flächenkategorien aufgeteilt, wobei die Kategorie I mit dem geringsten Aufwand saniert werden kann. Zwei dieser Teilbereiche, auf denen eine Wohnbebauung noch am ehesten realisierbar wäre, liegen im südöstlichen Bereich. Die Mehrkosten je Flächenkategorie liegen beim Baugrubenaushub je Quadratmeter (4 Meter tief) zwischen 96 und 224 Euro, die Mehrkosten für Freiflächen innerhalb der Wohnbebauung zwischen 34 und 66 Euro pro Quadratmeter Bodenaushub (1 Meter tief). Die Gasdrainagen würden mit 35 bis 42 Euro pro Quadratmeter Bodenaustausch (0,3 Meter tief) zu Buche schlagen.

Erhöhtes Baurecht?

Ob die Mehrkosten für die Bodensanierung durch erhöhtes Baurecht aufgefangen werden können, ist nur im Rahmen einer vertiefenden Untersuchung zu klären. Die gesamten Maßnahmen, die das Rappenweg-Areal zumindest teilweise wohnbau-tauglich machen würden, könnten mögliche Käufer oder Mieter abschrecken. „Diese Maßnahmen lassen erhebliche Akzeptanzprobleme und eine „Minderwertigkeit“ der Bauquartiere und die damit verbundenen Auswirkungen für seine künftigen Bewohner erwarten. Vor diesem Hintergrund ist eine Wohnflächen-Entwicklung, noch dazu für eine intensive hochverdichtete Wohnbebauung an diesem Standort nicht weiter zu verfolgen“, urteilt das städtische Planungsreferat.

BA gibt noch nicht auf

Während SPD und Grüne sich klar gegen Wohnungen auf der verfüllten Kiesgrube am Rappenweg aussprechen, bohrt Ideengeberin Magdalena Miehle (CSU) weiter: „Die Nähe zum Park, zu Gronsdorf und der S-Bahn ist am Rappenweg höchst luxuriös. Vielleicht kann man etwas verdichteter bauen und so die Kosten für die Sanierung rein holen. Die Frage ist, lohnt sich das nicht doch?“ Für Herbert Danner kein Argument, Menschen über dem Giftmüll anzusiedeln. „Die Altlasten sind erschlagend, Wohnen ist hier nicht vermittelbar. Und die Nähe zur S-Bahn? Die fährt an der Südseiten der Gebäude vorbei. Wir sollten die Antwort der Stadt zur Kenntnis nehmen“, so Danner.

BA-Vorsitzende Stephanie Hentschel kritisierte, es sei ein Riesenskandal, dass die Stadt jahrzehntelang zusehe, wie das Zeug ins Grundwasser gewaschen werde. „Jeder private Eigentümer muss sanieren. Es ist schauerlich“, so Hentschel.

Letztlich verwies das Gremium die Angelegenheit mehrheitlich zur weiteren Diskussion in den Unterausschuss Planung. Gabriele Mühlthaler

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