Vaterstetten lässt Wertstoffhöfe videoüberwachen

Wer vermüllt wird enthüllt

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Eine Momentaufnahme vor einigen Wochen an der Wertstoffinsel am Parkplatz des Freizeitgeländes in Vaterstetten.

Wertstoffentsorgung schafft in Vaterstetten zunehmend Probleme – zumindest die Folgen davon. Versaute Werstoffinseln prägen zunehmend das Ortsbild. Um die Müllvandalen zur Raison zu bringen, soll zur Abschreckung an vier Werstoffinseln eine Videoüberwachung installiert werden.

Möschenfelder Straße, die Parkbucht an der Verdistraße beim „Altschütz“, Wankstraße/Karwendelplatz und Rossinistraße – das sind die Standorte von Werstoffinseln, an denen es Müllsünder künftig an den Kragen gehen soll. Sie gehören zu den insgesamt 34 Wertstoffinseln im Gemeindegebiet, und sie sind Negativbeispiele dafür, wie Flaschen, Papier oder Glas eben nicht entsorgt werden sollen: Wahl- und ziellos, vor allem nicht in die vorgesehenen ober- oder unterirdischen Container. Zudem halten sich viele „Entsorger“ partout nicht an die vorgegebenen Einwurfzeiten (7 bis 20 Uhr). Gemeinsam mit der Firma Bosch (Grasbrunn) möchte die Gemeindeverwaltung den Übeltätern auf die Spur kommen. Fern-Videoüberwachung der Standorte soll für Besserung sorgen. Eine fest installierte Kamera soll  „(...) sofort nach Detektion einer Bewegung der Wertstoffinsel außerhalb der Einwurfzeiten einen Alarm“ senden. 

Wer nun denkt, er komme unbeschadet davon, weil die „Späher“ von Bosch  ja nicht wissen, wen sie da auf frischer Tat ertappt hat, der irrt. Ein Mitarbeiter in der Leitstelle soll den Alarm verifizieren und per Lautsprecher den „Dreckspatz“ direkt auf seine unlautere Handlung direkt ansprechen. Ob der dann Name und Adresse kundtun oder sich beim Überwacher entschuldigen muss, das kam in der letzten Sitzung des Umwelt- und Kulturausschusses nicht zur Sprache. 

Das mag zunächst ein wenig abenteuerlich klingen, jedoch tut ein behördliches Eingreifen an den genannten Stellen Not, da sich Bürgerbeschwerden ob der Zustände an den Werstoffinseln häuften. Zudem schaden verschmutzte Wertstoffinseln dem Image der Gemeinde, so Bürgermeister Robert Niedergesäß. Und sie schlagen ganz schön zu Buche: Die beauftragte Entsorgungsfirma steuert drei Mal pro Woche die Wertstoffinseln an, sind sie verdreckt, muss sie extra sauber machen und den Müll entsorgen – das summiert sich auf jährlich 82.000 Euro, die von der Gemeinde außerplanmäßig aufzubringen sind.

Alle zahlen für ein paar wenige „Saubären“

Der Leiter des Umweltamtes, Wolfgang Kuhn, sprach in diesem Zusammenhang das Thema Gebührengerechtigkeit an. Warum sollten alle dafür zahlen müssen, wenn nur einige für die Kosten verantwortlich sind? Also wird jetzt überwacht – vorerst in einem dreimonatigen Modellprojekt ab 29. Oktober. Für die Gemeinde entstehen in dieser Zeit keine Kosten, für Bosch ist es eine interessante Testphase, daher das Entgegenkommen. Die Leitstelle wird einen Report mit allen Ereignissen zur Verfügung stellen und diesen tagesaktuell ins Rathaus schicken. 

Das Wichtigste zum Schluss: Sowohl die Grasbrunner Firmenvertreter als auch die Verwaltung machten in der Sitzung klar, dass es hier nicht um Strafverfolgung gehen solle, sondern um Prävention, um Abschreckung. Man wird sehen ... und als Müllsünder gesehen werden. Oliver Oswald


Kleiner Plausch am Container

Kommentar von Oliver Oswald

Stellen Sie sich vor, Sie wollen abends ein wenig Ansprache, möglichst anonym? Leere Flaschen oder das Altpapier, das ohnehin entsorgt gehört, gepackt und ab zu einer der vier Wertstoffinseln in Vaterstetten, die bei Dunkelheit überwacht werden – und schon haben Sie Anspruch auf ein Zwiegespräch mit einem von drei Mitarbeitern der Firma Bosch, die ab Ende Oktober drei Monate lang darauf achten sollen, was nach Einwurfschluss an vier besonders markanten Stellen passiert. Was werden sie sagen? „Pfui, das geht nicht! Nehmen Sie Ihren Unrat wieder heraus und kommen Sie gefälligst zu den vereinbarten Terminen wieder!“ Und was wird der Ertappte antworten? „Ich kann nur um diese Zeit meinen Müll entsorgen. Sehen Sie, bei mir ist die Situation folgendermaßen:...“. Und schon ist man im Dialog. Und wie geht es dann weiter? Sollen nach der Aussprache am Abend die Videobilder der Bösewichte mit den erfassten Passfotos im Passamt abgeglichen werden? Kaum denkbar! Ohnehin mag es ja sein, dass die Ansage über Lautsprecher am öffentlichen Mülleimer den Übeltäter zunächst erschreckt. Aber dann? Wer seinen Dreck los werden will, fährt eben zur nächsten Wertstoffinsel, die nicht überwacht wird. Die werden dementsprechend aussehen. Und alle 34 Standorte zu kontrollieren, geht mal gar nicht. Dafür ist kein Geld da. Umgerechnet müssten dafür 40.000 Euro mehr bezahlt werden, als für den aktuellen Mehraufwand der beauftragten Entsorgungsfirma. 

Unbestritten fordert die Situation  – nicht nur in der Gemeinde Vaterstetten – eine Problemlösung. Und nur eine Handvoll „Entsorger“ sorgt dafür, dass im Grunde alle „Lieferanten“ in Verdacht geraten. Die Kosten für die Folgen sind mit über 80.000 Euro beachtlich, die von allen Bürgern getragen werden (müssen). Wie wäre es, wenn man statt eines Kameramanns, der von 20 bis 7 Uhr ergebnislose Gespräche führen wird, vor Ort Menschen aufstellen würde, die eine Befugnis haben, die Personalien abzufragen. Das könnte wirken und als 400-Euro-Job so manchem einen Zusatzverdienst einbringen ... dann wäre man aber bei der Bürgerwacht, und die will man ja auch nicht.

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