Geothermie-Projekt in Vaterstetten, Grasbrunn und Zorneding wird konkreter

Viele offene Detailfragen

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Nächste Runde: Für die Weichenstellung zum gemeinsamen Geothermieprojekt kamen die Gemeinderäte aus Zorneding, Grasbrunn und Vaterstetten im Grasbrunner Bürgersaal zusammen. Auch rund 50 interessierte Bürger waren zur Sitzung gekommen.

Mit großer Mehrheit gaben, getrennt von einander die Gemeinderäte aus Grasbrunn, Vaterstetten und Zorneding (GVZ) grünes Licht für die Vertragsverhandlungen mit dem Privatinvestor, der Firmengruppe Exorka/Geysir/Daldrup. 

Wird man sich einig, könnte das interkommunale Geothermieprojekt GVZ mit rund 67,4 Mio. Euro Investitionsvolumen an den Start gehen – vorerst allerdings wird es nur für ein überschaubares Verteilungsgebiet durchgeführt werden.

Zum wiederholten Mal war das Grasbrunner Bürgerhaus Austragungsort für gemeinsame Gemeinderatsitzungen in Sachen Geothermie und zugleich Informationsveranstaltung für die Bürger. Doch nicht wie in den vergangenen sechs Jahren war die Rede von Gesamtinvestitionskosten oder Anschlusskosten für die Bürger. Erstmal ging es darum, wie mit einem konkreten Privatinvestor die Energie des Thermalwassers in zunächst überschaubarer Projektgröße konkret realisiert werden könnte. Das Investitionsvolumen von 67,4 Mio. Euro verteilt sich auf die Bohrung (25 Mio. Euro), die Energiezentrale (7,4 Mio. Euro) und die ersten sechs Bauabschnitte mit Verteilnetz, Hausanschlüssen und Wärmeübergabestationen (35 Mio. Euro). Nach geologischen und ökonomischen Gesichtspunkten sollen die ersten Bauabschnitte erfolgen, erläuterte Curd Bems, Geschäftsführer der Geysir Europe GmbH. Wird man handelseinig, könnte bereits 2014 mit den Bohrarbeiten begonnen werden. Sein Geschäftspartner, die Firma Daltrup & Söhne, von der witterungsbedingt kein Vertreter anwesend war, habe bereits mit insgesamt 7.500 Bohrungen weltweit und in der Region in Aschheim, Garching und Oberhaching Erfahrungen mit Tiefenbohrungen gesammelt. Die Bohrung solle nach derzeitigem Stand möglichst im südwestlichen Teil des so genannten Erlaubnisfeldes erfolgen, um so die Thermalwassertemperatur von etwa 100 °C zu erreichen. Auf den ursprünglich ins Auge gefasste Bohrstandort an der B 304 wollte sich Bems nicht festlegen lassen.Harald Asum und Dr. Thomas Reif – als Finanz- und Rechtsexperten in Grasbrunn und Sachen Geothermie bereits bekannt – erläuterten die geplante Projektstruktur. Demnach werde man wohl zwei Gesellschaften gründen: Erstens eine Produktionsgesellschaft für die Bohrung und Energiezentrale, wofür der private Investor von den drei Kommunen jeweils ein Darlehen über 1,7 Mio. Euro erwartet. Zweitens eine Verteilungs-/Vertriebsgesellschaft für den Netzbau und den Vertrieb der Hausanschlüsse. Realistisch gesehen, müssten sich mindesten 30 Prozent der Anwohner einer Straße für Geothermie entscheiden, bevor man beginne die Straßen aufzureißen und die Leitungen zu verlegen, so Bems. Auch könne man in den ersten sechs Bauabschnitten das Netz nicht in allen drei Kommunen paritätisch verteilen, betonte er.

Bereits in nichtöffentlichen Gemeinderatssitzungen wurden die insgesamt 73 Mandatsträger der drei Gemeinden Grasbrunn und Zorneding (je 20 Räte + Bürgermeister) sowie Vaterstetten (30 Räte + Bürgermeister) informiert. „Heute fällt keine Entscheidung über die Realisation der Geothermie,“ betonte Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder, der mit seinen Kollegen Robert Niedergesäß (Vaterstetten) und Piet Mayr (Zorneding) die interkommunale Sitzung leitete. Zur jeweiligen Abstimmung wurde die Ratsitzung der beiden anderen Kommunen unterbrochen.

Fragen über Fragen

Auf die Frage von Anja Jira (Grasbrunn), wie viele Haushalte angeschlossen werden und wer nicht angeschlossen werden kann, antwortete Bems, dass es entscheidend sei, wo letztendlich die Quelle liegt und dass man nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Versorgung beginnen werde. Ferner wollte Jira wissen, ob das kommunale Darlehn nicht als Subvention gewertet werden könne. „Nein“, antwortete Reif, „nicht wenn Leistung und Gegenleistung stimmen“.

Max Walleitner (Grasbrunn) fragte nach der einst angedachten Bürgerbeteiligung am Geothermieprojekt. Die Bürgerbeteiligung habe man noch nicht vertieft diskutiert, erläutete Reif. Bianca Poschenrieder (Zorneding) brachte die Bürgerenergiegenossenschaft 

3E-eG ins Spiel, aber auch hierzu gab es keine klare Aussage. Vielmehr sah Bems die Belastung des Bohrrisikos für Bürger als zu hoch an. Generell hätten die Kommunen die Möglichkeit, ihre Beteiligung an der Gesellschaft an die Bürger weiterzugeben. Auf Poschenrieders Frage nach der Gewerbesteuerverteilung auf die beteiligten Kommunen, antwortete der Experte, dies erfolge nach den rechtlichen Möglichkeiten.

Günter Glier (Vaterstetten) wollte wissen, ob mit dem Bohrbeginn auch bereits der Netzbau erfolge? Des Weiteren schlug er vor, mit Ökostrom die Energiezentrale zu betreiben. Beides verneinte Curd Bems letztendlich in seiner Antwort mit dem Hinweis auf Wirtschaftlichkeit.

Kopfschütteln in allen drei Ratsgremien erntete Thomas Michalka (Grasbrunn) mit seinem Antrag, bei den Vertragsverhandlungen den Bürgermeistern und Experten zwei, maximal drei in Unternehmensfragen kompetente Gemeinderäte zur Seite zu stellen. Auch Bems hielt dies für kontraproduktiv. Im Grasbrunner Ratsgremium lehnte man Michalkas Antrag mit 15:2 Stimmen ab.

Für die weiteren Vertragsverhandlungen stimmten Grasbrunn mit 15:2 Stimmen, Vaterstetten mit 23:1 Stimmen und Zorneding mit 19: 0 Stimmen ab. – A.R. –

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