Quo vadis, Mehrgenerationenhaus?

Vorstand tritt zurück/Bürgermeister will MGH Vaterstetten auflösen

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Baustelle Mehrgenerationenhaus: Derzeit wird vor dem Haus die Zugspitzstraße saniert, aber auch der hinter der Vaterstettener Einrichtung stehende Trägerverein scheint dringend „sanierungsbedürftig“.

Die Bombe platzte am Mittwoch Abend vergangener Woche: Per Pressemitteilung und Brief an die Mitglieder verkündete der Vorstand des Vereins aktiver Bürger (VaB) seinen Rücktritt. 

Die sechs Vorstandsmitglieder begründen diesen Schritt mit den „inakzeptablen Vorgängen der letzten Tage und Wochen“.

Schon seit Wochen brodelt es im VaB, dem Trägerverein des Vaterstettener Mehrgenerationenhauses (MGH). Mitglieder werfen dem Vereinsvorstand Geheimniskrämerei, mangelnde Transparenz und Mobbing vor (HALLO berichtete). Auf diese Vorwürfe hat der Vereinsvorstand nun reagiert: „Wir sind menschlich enttäuscht über die Entwicklung der letzten Tage und auch nicht bereit, die persönlichen Angriffe gegen uns länger zu akzeptieren“, heißt es in dem Schreiben an die Vereinsmitglieder. „Die Amtsniederlegung erfolgt aufgrund der Tatsache, dass wir für den Verein in der jetzigen Konstellation keine Zukunft mehr sehen“.

Neben Warnke wollen auch ihr Stellvertreter Horst Brendel, Kassier Helmut Schlund, Schriftführerin Lisa Neunaber und die beiden Beisitzer Magdalena Fischbach und Elke Hantinger ihre Ämter in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20. September niederlegen. Lediglich Gustav Lorenz, der erst kürzlich als dritter Beisitzer nachgewählt wurde, wird in dem Schreiben nicht erwähnt.

Gemischte Reaktionen

Lorenz gehörte zu den Hauptkritikern des Vorstandes. Auf die Rücktrittsnachricht seiner Amtskollegen reagiert er zwiespältig: „Einerseits bin ich erleichtert, weil dann endlich klare Verhältnisse geschaffen werden“, meint er. Wie andere Vereinsmitglieder hatte auch er den Rücktritt gefordert, um mit Neuwahlen den Weg in eine hoffentlich bessere Zukunft des Vereins freizumachen. Andererseits sieht er den Termin der Amtsniederlegung kritisch: „Der Verein soll ja die Trägerschaft des MGH abgeben. Wenn der Vereinsvorstand sich nun mitten in dieser Übergabephase verabschiedet und die Geschäfte nicht mehr ordentlich an einen neuen Träger übergibt, dann wird es schwierig.“ Zudem müsse der Verein wichtige Termine einhalten: „Am 23. September sollen wir die Ergebnisse eines Selbstmonitorings abliefern, um weiterhin staatliche Fördergelder zu bekommen“, erläutert Lorenz. Und auch in anderer Hinsicht sei der 20. September als Termin der Mitgliederversammlung schwierig: „Am gleichen Abend findet auch eine Gemeinderatssitzung statt, deshalb können womöglich etliche Mitglieder nicht zu dieser Versammlung kommen.“ Lorenz hat daher um eine Verlegung des Versammlungstermins gebeten, dies wurde aber abgelehnt.

Mit ähnlich gemischten Gefühlen reagierten auch andere Vereinsmitglieder auf die Rücktrittsankündigung. „Lässt der alte Vorstand dann alles stehen und liegen?“, fragen sich mache – darunter auch Vereinsmitglieder, die zuvor den Rücktritt lauthals gefordert hatten. „Es ist durchaus denkbar, dass der Vorstand erst nach der Übergabe der Trägerschaft entlastet wird“, gibt Lorenz zu bedenken.

Bürgermeister will Mehr-

generationenhaus auflösen

Wann und ob das MGH aber überhaupt an einen neuen Träger übergeben werden kann, ist indes fraglich. Denn inzwischen schaltete sich auch Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß in die Debatte ein. Per Pressemitteilung ließ er am Dienstag verlauten, dass die Gemeinde unter den gegebenen Umständen nicht mehr bereit sei, so viel Geld in das Mehrgenerationenhaus zu stecken. Denn dieses finanziert sich nur zu rund einem Drittel, etwa 30.000 Euro, aus staatlichen Zuschüssen, während die Gemeinde weitere 60.000 Euro pro Jahr beisteuert. Niedergesäß will dem Gemeinderat die offizielle Auflösung des MGH vorschlagen. Die erfolgreichen Projekte des MGH könne man auch an anderer Stelle weiterführen, etwa im Jugendzentrum, so das Gemeindeoberhaupt weiter.

Ob der Verein dies aber auch leisten kann und will, steht derzeit noch in den Sternen. Vize-Vorstand Horst Brendel äußerte sich gegenüber HALLO mit deutlichen Worten: „Keiner von uns sechs wird sich zur Wiederwahl stellen“, kündigte er an. Zu betroffen seien die Vorstandsmitglieder von den teils persönlichen Angriffen der letzten Wochen. Für die Zukunft des Vereins sieht er mehrere Möglichkeiten: entweder eine Auflösung oder eine Fortführung mit neuem Vorstand, aber „von denen, die den Mund aufgerissen haben, ist ja keiner bereit zu arbeiten!“ Einer möglichen Nicht-Entlastung des alten Vorstandes sieht er gelassen entgegen: „Das Vereinsrecht sieht die Möglichkeit vor, über das Registergericht einen Notvorstand zu wählen. Für uns ist das Thema ab dem 20. September komplett abgeschlossen.“ Eine Übergabe der Amtsgeschäfte an einen neuen Vorstand werde es natürlich geben, aber „wir werden die Leute nicht anlernen. Die, die vorher gemeckert haben, müssen nun die Konsequenzen tragen!“

Christiane Warnke, die HALLO in ihrem Urlaub erreichte, betont, dass sie eine ordentliche Übergabe wolle: „Wir haften ja schließlich auch!“ Dass es schwer sein könnte, Kandidaten für einen neuen Vorstand zu finden, ist ihr bewusst: „Das neue Förderprogramm hat so hohe bürokratische Hürden, dass die Arbeit ehrenamtlich nicht mehr machbar ist.“

Die Mitglieder sorgen sich nun, ob und wie es mit ihrem Verein weitergeht. Manche bringen gar die ehemalige MGH-Leiterin Renate Bress als mögliche neue Vereinsvorsitzende ins Gespräch. Doch die winkt ab: „Das geht nicht, ich bin ja nicht einmal Vereinsmitglied!“, erläutert sie. Zudem wolle sie sich nun voll und ganz auf ihre neue Arbeitsstelle konzentrieren, die sie in diesen Tagen antritt. Bis Ende August war sie noch offiziell bei der Gemeinde Vaterstetten angestellt und durfte daher nichts zu den Interna des MGH sagen. Nur so viel: „Ich habe dort viele liebe Menschen kennen gelernt, das Haus lebt von den Ehrenamtlichen! Schade, dass man es ihnen so schwer gemacht hat.“ Nach ihrer Kündigung habe sie viel Zuspruch erfahren: „Viele wollten mich aufmuntern und etliche haben sich gewundert, dass ich es überhaupt so lange ausgehalten habe“, berichtet sie gerührt. Susanne Edelmann

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