Informationsabend mit Kultusminister Spaenle

Truderinger Gymnasium – es wird eng

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Informierten gemeinsam über das neue Truderinger Gymnasium (v.l.n.r.): Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, MdL, Oberstudiendirektorin Susanne Asam, Landtagsabgeordneter Markus Blume und Carsten Wiese, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Truderinger Gymnasiums.

Noch ist das Truderinger Gymnasium nicht fertig, doch heute schon zeichnet sich ab: Es wird eng. „Legen Sie sich einen Plan B zurecht, teilen Sie bei der Anmeldung eine Ersatzschule mit“, riet die künftige Schulleiterin Susanne Asam am Donnerstag

rund 500 Eltern bei einem Info-Abend mit Kultusminister Ludwig Spaenle, zu dem der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume eingeladen hatte.

Im September soll das Gymnasium an der Friedenspromenade in Betrieb gehen, auf das die Truderinger seit 20 Jahren warten. Los geht es in den Jahrgangsstufen fünf und sechs mit jeweils fünf Klassen, in Stufe sieben und acht mit jeweils vier. Damit ist die vierzügig erstellte Schule eigentlich von Anfang an auf Überbelegung programmiert.

Kein Schülermangel

Das sieht wohl auch die kürzlich berufene Schulleiterin Susanne Asam so und riet den Eltern: „Wir werden nicht an Schülermangel leiden. Legen Sie sich einen Plan B zurecht und teilen Sie bei der Anmeldung eine Ersatzschule mit.“ Klar ist nur, dass die Schüler aus den Vorläuferklassen an Michaeli- und Ernst-Mach-Gymnasium Haar aufgenommen werden, unklar ist hingegen der weitere Verteil-Modus der verfügbaren Plätze. Ob man konzentrische Kreise ums Gymnasium zieht, wie die Stadt an ihren kommunalen Schulen, und so Kriterien für die Auswahl schafft, will Asam noch überlegen. Das Problem bei diesem Verfahren: Die Messestadt wäre wegen der weiteren Entfernung benachteiligt. Asam findet aber auch, dass man Kinder aus dem direkten Umfeld nur deshalb nicht ablehnen kann. Auch Haarer Schüler aus den Vorläuferklassen haben Vorrang. Das Nachsehen haben Eltern, die ihre Kinder wegen des versprochenen gebundenen Ganztagszugs für dieses Schuljahr in eine dieser Vorläuferklassen eingeschrieben haben – in Trudering wird es das Angebot nur in der fünften Jahrgangsstufe geben, wenn genug Nachfrage besteht. Die künftigen Sechstklässler aus Ernst-Mach- und Michaeli-Gymnasium werden in Trudering keinen gebundenen Ganztagszug finden.

„Ich bin sehr enttäuscht. Wie soll es mit den Ganztagskindern weitergehen, die in die Sechste kommen“, fragte eine Mutter. Sie wird wohl, wie andere Betroffenen auch, auf das offene Angebot umschwenken müssen, das bei genügend Nachfrage für die Stufen sechs und sieben zwei Betreuungs-Nachmittage pro Woche vorsieht.

Ein Kriterium allerdings wird bei der Aufnahme am Truderinger Gymnasium keine Rolle spielen – der Notenschnitt. „Nur über meine Leiche“, erklärte Asam dazu.

Kreidefreie Schule

Bayerns bestes Gymnasium soll einmal an der Truderinger Friedenspromenade stehen, diese Vision malen sich manche Eltern aus. Sie wünschen sich innovative Unterrichtsformen ohne Frontalunterricht, sie wünschen sich Lernlandschaften und anderes. Den räumlichen Grundstein für die Realisierung haben die Planer felix schürmann ellen dettinger architekten mit ihrem flexiblen Raumkonzept gelegt und Münchens Stadtschulrat Rainer Schweppe sattelte weitere Voraussetzungen für einen modernen Schulbetrieb drauf. In Trudering wird ein „Kreide-freies Gymnasium“ eröffnet, mit interaktiven Whiteboards, PC-Anschlüssen für Schüler und anderem digitalen Equipment. „Die Landeshauptstadt spart an nichts, es ist eine sehr moderne Ausrüstung“, teilte Susanne Asam den Eltern mit. Die Schule werde termingerecht fertig und wenn vielleicht noch der eine oder andere Wandschrank fehle, störe das den Betrieb nicht.

Gute Schule muss wachsen

Wenn Eltern nun von Anfang an ein Gymnasium erwarten, in dem innovativer Unterricht praktiziert wird, werden sie wohl enttäuscht. Auch in Trudering wird es laut Asam Frontalunterricht geben, wenn er sinnvoll ist. Innovative Formen des Unterrichts „können“ viele Lehrer ebenso wenig, wie sie den Umgang mit „interaktiven Whiteboards“ beherrschen. Lehrerfortbildungen sind also angesagt für all diejenigen, die sich darauf einlassen.

Geduld gefragt

Vorerst allerdings fehlt Susanne Asam noch das Kollegium, das bis Anfang Juli eingestellt sein soll. Wer an Bayerns modernstem Gymnasium aufgenommen wird, muss Geduld haben. Geduld, bis Kollegium, Eltern und Schüler zu einer Schulfamilie zusammengewachsen sind. Geduld, bis sich Schwerpunkte und Themenbereiche im gymnasialen Alltag herauskristallisieren, Geduld, bis die Pädagogen genug gelernt haben und altbackene Unterrichtsformen der Vergangenheit angehören. Auch Klassenfahrten wird es erst mal ebenso wenig geben, wie Schulpartnerschaften. Geduld ist also die Tugend, die Eltern und Schüler mitbringen sollten, wenn sie  sich fürs Truderinger Gymnasium entscheiden.

Diese neue Schule hält aber auch Chancen bereit, mitzuwirken an Profil und Entwicklung. Wenn Elternbeiräte dies erkennen und sich nicht nur als Kuchenbäcker und Festausrichter verstehen, wie meist, könnten sie mitgestalten und Eckpunkte setzen, damit die Vision von „Bayerns bestem Gymnasium“ an der Friedenspromenade irgendwann ein Stück weit Wirklichkeit wird. Die Voraussetzungen für diese Mitwirkung sind im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz (BayEuG) verankert. Man muss es nur mal aufmerksam lesen. 

Gabriele Mühlthaler

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