Jetzt soll die Stadt dem Heim helfen

Münchner Tierheim vor der Pleite

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Immer mehr Tiere müssen im Münchner Tierheim untergebracht werden, während die Spenden zurückgehen. Die Folge: Das Heim steht vor der Pleite.

Dem Münchner Tierheim droht das Aus, es schreibt rote Zahlen. Der Grund dafür: Immer mehr Tiere aus der Millionenstadt und dem Umland müssen untergebracht und versorgt werden, während die Spendengelder stetig zurück gehen. Auch Erbschaften von Tierfreunden bleiben aus. 

Die CSU-Stadtratsfraktion fordert nun die Stadtverwaltung auf, gemeinsam mit dem Tierheim Möglichkeiten für die dauerhafte Sicherstellung des Betriebs aufzuzeigen.

Aussichtslos ist die finanzielle Situation des Münchner Tierheims. Dies erklärte Kurt Perlinger, Vorsitzender des Münchner Tierschutzvereins, laut Medienberichten. Das Tierheim schreibt demnach tiefrote Zahlen, das Defizit betrug 2012 rund zwei Millionen Euro, 2013 wird es wohl mindestens bei 1,5 Millionen Euro liegen.

Immer mehr Tiere

Die Gründe für diese dramatische Entwicklung führt der Tierschutzverein München nachvollziehbar aus: Immer mehr abgeschobene, ausgesetzte oder aufgefundene Katzen, Hunde, Kleintiere, Vögel und Wildtiere aus der Millionenstadt und dem Umland müssen untergebracht und versorgt werden. Immer mehr Tierschutzarbeit fällt an. Spendengelder aber gehen seit Monaten stetig zurück, auch Erbschaften von Tierfreunden fallen kaum mehr an. Der frühere Reichtum des Vereins ist längst dahin, die Kosten aber steigen und steigen, denn mit der Zunahme der Haustierhaltung seit der Jahrtausendwende mehren sich auch die Aufgaben, die aufs Tierheim München zukommen. Die Folge: Rote Zahlen mit dem Effekt, dass schlimmstenfalls keine Tiere mehr aufgenommen werden können. 

Jeder kann helfen

Ein Ausweg wäre Solidarität aller Münchner, finden die Verantwortlichen des Tierschutzvereins. „Wenn alle Münchner Bürger sowie die Stadt München und die Kommunalpolitiker zusammenstehen und helfen, die letzte Zuflucht für abgeschobene Tiere zu erhalten, kann es eine Zukunft für Deutschlands zweitgrößtes Tierheim geben. Bitte helfen Sie, denn Tierschutz geht jeden an“, appelliert der Verein in seinem Newsletter an alle Münchner und führt aus, dass die Stadt das Tierheim derzeit mit 455.000 Euro netto pro Jahr unterstützt. 

Andere bekommen mehr

„Außerdem will sich die Landeshauptstadt mit 500.000 Euro am Bau des neuen Katzenhauses beteiligen. Bei einigen anderen Institutionen greifen die Stadtväter allerdings weit tiefer in die Tasche“, heißt es weiter. 35,5 Millionen Euro beispielsweise seien im Jahr 2011 an die 27 Stadtbibliotheken gegangen sowie 31,5 Millionen an die Kammerspiele mit Theater der Jugend und Otto-Falckenberg-Schule. „19,8 Millionen bekamen die Münchner Philharmoniker im selben Jahr, 15,8 Millionen gingen an die Olympiapark München GmbH, 13,4 Millionen ans Stadtmuseum, 3 Millionen wurden für die Sing- und Musikschule bereitgestellt und 2 Millionen ließ die Stadt für Ferienangebote und den Familienpass springen“. 

Nur recht und billig

Das Münchner Tierheim nimmt auch im Auftrag der Stadt Tiere an und versorgt diese, deshalb wäre es wohl nur recht und billig, wenn auch die Kommune sich an den Kosten für die Einrichtung beteiligt. Das findet auf alle Fälle die CSU-Stadtratsfraktion und hat deshalb einen Antrag eingebracht. Weil das Tierheim auch andere Tiere als die von der Stadt zugewiesenen betreue, könne nicht detailscharf zwischen hoheitlichen und sonstigen Kosten unterschieden werden, denn schließlich müsse das Heim auf jeden Fall Unterbringungsmöglichkeiten vorhalten, so die CSU. Sie fordert nun, dass dem Stadtrat die finanzielle Situation des Münchner Tierheims dargestellt wird mit besonderer Berücksichtigung der Bereiche und Aufgaben, die im hoheitlichen Auftrag der Landeshauptstadt übernommen wurden. In Absprache mit dem Tierheim soll die Stadtverwaltung darstellen, wie ein dauerhafter Betrieb sichergestellt werden kann. Zudem soll der Tierschutzverein München als Betreiber des Tierheims gebeten werden, in Zusammenarbeit mit der Stadt ein neues Betriebskonzept zu erarbeiten.       Gabriele Mühlthaler

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