Historisch, lebendig, zukunftsweisend und a bisserl politisch

Der Keferloher Montag 2012

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Der Markt war gut besucht und im Festzelt war’s traditionell wirklich eng. Weizenkönigin Anna Grenzebach und Minister Markus Söder gratulierten den Siegern des Stoahebens Sebastian Schmelzer aus Putzbrunn mit gehobenen 225 Kilo/14,4 Zentimeter, Josef Ratzesberger mit 175 Kilo/30 Zentimeter und Peter-Paul Laska mit 200 Kilo/66 Zentimeter).

Von Nord und Süd, aus Stadt und Land kamen die rund 4000 bis 5000 Besucher des Keferloher Montags. Geboten waren Wettbewerbe, Hightech-Landmaschinen, ein optimiertes Klein-Windrad, Clown und Kasperl, Kunstwerk und kulinarische Schmankerl. 

Zu hören war ein bayerischer Staatsminister der Finanzen in feinem Zwirn und erstaunlich leisen Tönen: Dr. Markus Söder.

Auch Nicht-Landwirte wissen, dass man Heu und Stroh nicht bei Regen einholen sollte. Eine weitere Erkenntnis: Weil der Boden zu nass war, fiel am Montag die Feldbearbeitung in Keferloh komplett aus. Den Kindern war das egal: Neben Clown und Kasperl waren sie von den Tieren des Kleintierzuchtvereins Höhenkirchen-Siegertsbrunn hellauf begeistert. „Ich habe mein Taschengeld dabei. Du musst mir den Hasen nicht kaufen“, so die klare Ansage einer Tochter an ihre skeptische Mutter. Erheblich länger und von technischen Daten geprägt waren meist die Gespräche über die landwirtschaftlichen Maschinen und das vorgestellte Klein-Windrad, das keineswegs den üblichen Drei-Flüglern entsprach, quasi nur ein Bruchteil deren Größe hat und eher an eine Turbine erinnerte. 

„Ziag on!“, schallte es zwischendrinn immer wieder aus dem Festzelt. Dort war das „Stoa Heb’n“ in vollem Gange – dabei holte sich Sebastian Schmelzer aus Putzbrunn mit gehobenen 225 Kilo/14,4 Zentimeter den Titel „Stärkster Keferloher 2012“. Man „brauche das Kreuz für etwas Anderes“, verwehrten lächelnd einige Politiker, als man sie zur Teilnahme beim Steinheben aufforderte.

Ducken oder recken mussten sich heuer erstmals die Besucher, um Pamiro, dem 1303 Kilo schweren Stier aus Grub, in die Augen zu sehen – denn er stand nicht am gewohnten Platz und am Zentner schweren Stein, sondern beim Biergarten in einem dicken Bohlen-Verschlag. Auf ein „Warum?“ antwortete Dr. Thomas Grupp, Leiter der weltweit exportierenden „Bayern Genetik“: „Aus Gründen der Sicherheit“. 

Anlässlich der Siegerehrung des Bullenschätzwettbewerbs gab sich Grupp historisch und zitierte alte Zeitungen der Jahre 1804, 1832 und 1837. Demnach ,,soffen sich die Besucher vollens toll“ und das „Dorf Trudering“ sei von „Benebelten erfüllt“ gewesen. Heuer, 175 Jahre später schätzten 247 Besucher das Bullengewicht bei klarem Verstand: Gewonnen haben Rosemarie Fürst aus Parsdorf (1302 Kilo) vor Birgit Doblhofer aus Hohenlinden (1305 Kilo) und Michael Köck aus Bruckmühl (1300 Kilo). Schon während der Ehrung erfolgte die „Flucht der Honoratioren aus dem Zelt“. Er lege Wert darauf, pünktlich zu sein, erklärte Markus Söder an seinem Wagen in der Auffahrt zum Gut Keferloh. Warten mit Abmarsch mussten er, die Haarer Blaskappelle, die Flintbacher Gebirgsschützen, die Fahnenabordnungen der Gemeinde Grasbrunn sowie die drei Kutschen dennoch, denn „die Landrätin fehlte noch“, hieß es.

Als alle wieder im Zelt waren, begrüßte Klaus Rieger Landwirte, Banker, Brauer und die politischen Gäste aus Bund Land und Kreis sowie die „drei Grasbrunner Bürgermeister Klaus Korneder (seit 2008), Willi Dresel (1978 bis 2002) und Otto Bußjäger (2002 bis 2008). Mit „O tempora, o mores“ mögen die Römer und vor 175 Jahren, als man das Bier noch gemeinsam aus Eimern trank, die Zeitungen den Sittenverfall beklagt haben – heuer erteilte Domkapitular Obermeier den kirchlichen Segen und ließ die Besucher ein Kirchenlied singen.

Toni Stürzer, Kreisobmann der Landwirte, beruhigte, dass trotz Trockenheit in Russland und USA genügend bezahlbare Nahrungsmittel in Deutschland vorhanden wären. Lange Jahre führte die Landwirtschaft ein Schattendasein, inzwischen aber übernehme die Landwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Energiewende, führte Stürzer aus.

Politik mit leisen Tönen 

– in feinem Zwirn

Die aufgeregten Debatten der vergangenen Tage „wer wann in Keferloh spricht“, kommentierte dann Söder knapp und ruhig: „Es gibt viele Veranstaltungen in Keferloh, aber nur ein Keferloher Montag“. Und auch seine Festrede hatte nur ein Thema: die Finanzen und die beleuchtete Söder von vielen Seiten, in feinem Zwirn, ruhig und nahezu unpopulistisch. Zahlen und ausgeglichene Staatshaushalte sind offensichtlich nicht Festzelt tauglich und so streute er simple Aussagen ein. Unter anderem betonte er, dass aus Bayern derzeit jährlich mehr Geld in den deutschen Länderausgleich fließe, als es insgesamt einmal erhalten habe. 

Man wolle helfen, müsse aber zuvor sehen, ob dies Sinn mache. Keiner wolle unbeliebt sein, aber Freundschaften, die auf Freibier bestehen, sind nicht Söders Sache. Er brachte sein Paradebeispiel: der Franz-Josef-Strauß-Flughafen in München funktioniert, der Willy-Brandt-Flughafen in Berlin stagniert. Schon als Bub habe er aufgrund eines Willy-Brandt-Bildes, das ihm geschenkt wurde und weshalb ihn seine Vater schimpfte, erfahren, dass er mit der SPD nur Ärger habe. 

Dauerhaft gut 

gelaunter Bürgermeister 

Zwischendrin fragte Söder beim amtierenden Grasbrunner Bürgermeister Korneder (SPD) nach, „Halten Sie’s noch aus?“ Korneder lächelte – eigentlich lächelte er seit Freitagabend, als er mit den Granden der bayerischen FDP in der Tenne einzog. Er lächelte auch – allerdings sichtbar stolzer, als er am Samstagabend mit SPD-Spitzenkandidat Christian Ude ins Festzelt in Keferloh einzog. Er lächelte am Sonntagmorgen beim Patrozinium in St. Aegidius und er lächelte am Keferloher Montag als Söder sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug. – A.R. –

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