Haars 1. Bürgermeister zum Jahreswechsel

Eine Gemeinde mit hoher Lebensqualität

Helmut Dworzak, Bürgermeister der Gemeinde Haar. Foto: privat

Grußwort von Helmut Dworzak, Erster Bürgermeister der Gemeinde Haar, die ein aufregendes Jahr hinter sich hat.

„Ich würde Freunden und Bekannten empfehlen, nach Haar zu ziehen.“ Diese Aussage ist keine Einzelmeinung, sondern ein Statement von 69 Prozent der Haarer Bürgerinnen und Bürger, die im Mai an der Fragebogenaktion zur Lebensqualität in Haar teilgenommen hatten. Für uns in der Gemeindeverwaltung und im Gemeindrat zählt dieses Bekenntnis zu den größten Komplimenten, die wir je bekommen haben. Herzlichen Dank dafür. 

Die Studie des Instituts für marktorientierte Unternehmensführung an der LMU München beschert uns insgesamt Spitzenwerte in Sachen Lebensqualität. Und das, obwohl, Haar nicht an einem landschaftlich reizvollen See oder in einer sanften Hügellandschaft liegt. Unser Plus ist die Nähe zu München auf der einen Seite, aber auch die Unabhängigkeit von der Landeshauptstadt. Will heißen, wir können die Annehmlichkeiten der Großstadt in Anspruch nehmen, ohne alle Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Schön zu lesen war, dass die Bürger mit der architektonischen Ortsentwicklung ebenso zufrieden sind wie mit der Sicherheit am Ort, mit unseren ökologischen Bemühungen, dem Gemeinschaftsgefühl und mit der kompetenten Freundlichkeit der Verwaltungsmitarbeiter. 

Noch mehr Kinderbetreuung 

Bei so viel Lob gibt es natürlich auch Tadel. Unzufrieden sind viele Haarer mit dem Verkehrslärm und sie monieren fehlende Krippenplätze. Beide Handlungsfelder sind uns voll bewusst. In den zwanzig Jahren meiner Amtszeit haben wir uns pausenlos mit der Erweiterung der Kinderbetreuungsmöglichkeiten beschäftigt. Mehr als fünfzehn neue Einrichtungen sind aufgrund des Bedarfsdrucks seither entstanden. 2013 werden wir eine Deckungsquote von 60 Prozent im Krippenbereich erreichen, die dem tatsächlichen Bedarf deutlich näher kommt als die gesetzlich geforderten von 35 Prozent. Im vergangenen September startete auch die erste Ganztagsklasse in der Grundschule St. Konrad. Die Jagdfeldschule wird folgen, sobald der „Poststadl“ von Musikschule und Volkshochschule bezogen werden kann. 

Unser guter Ruf als familienfreundliche Gemeinde lockt viele Neubürger mit Kindern an und so schätze ich, dass wir auch in den nächsten Jahren die Themen Bildung und Betreuung ganz oben auf der Agenda werden stehen haben. 

Vernünftige Verkehrslösungen

Das Handlungsfeld Verkehr ist noch vielschichtiger: Die Lärmschutzwand an der Bahnlinie wird nach mehr als zehn Jahren hartnäckigen Beharrens seitens der Kommune nun endlich realisiert. Anwohner berichten mir schon jetzt von einer spürbaren Entlastung. 

Das hohe Verkehrsaufkommen auf den beiden Bundesstraßen, die durch Haar laufen, wird wohl in absehbarer Zukunft nicht in den Griff zu bekommensein. Das Zeitfenster zur Errichtung der Autobahnparallele scheint geschlossen. Der Finanzierungsanteil durch den Freistaat ist auf 10 Prozent geschrumpft. Bei kalkulierten 30 Millionen Gesamtaufwand können Sie sich sicher vorstellen, dass eine Gemeinde wie Haar diese Kosten nicht alleine schultern kann. Einen weiteren Lösungsansatz, die „Spange Haar Nord“, die den Autoverkehr aus dem Ortsteil Haar ableiten und über Eglfing und Gronsdorf an den Rappenweg in Trudering und weiter auf die Wasserburger Landstraße führen könnte, behandeln wir 2013 mit Vorrang. Da der Anschlusspunkt aber auf Münchner Grund liegt, kommen wir auch hier nicht alleine weiter. 

Bessere Regionalplanung

Für ein zusätzliches Verkehrsaufkommen in Haar wird die geplante IKEA-Ansiedlung in Feldkirchen sorgen. Aussagen von Gutachtern, dass die Kunden alle über Riem und die A 94 an- und abfahren, halte ich für komplett abwegig. Die Verkehrsbelastung und die hohen Mieten sind der Preis, den wir für die Nähe zur Großstadt zahlen müssen. Umso dringender hielte ich es für geboten, die Regionalplanung zu verstärken und auch politisch durchzusetzen. Die um uns herum aus dem Boden gestampften Möbelmärkte sind ein Beispiel für eine unsinnige Überversorgung. In Parsdorf könnte schon bald der nächste Marktmolloch entstehen. Dass die Regierung von Oberbayern dem geplanten Einzelhandelszentrum eine Absage erteilt hat, ist nach meiner Meinung nur folgerichtig. 

Anhaltender Zuzug 

Jüngste Untersuchungen belegen, dass die Region München, das Zuzugsgebiet der nächsten Jahre bleiben wird. Die Menschen kommen in erster Linie wegen der guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Wohnraum ist knapp und teuer, Entlastung ist nicht in Sicht. In Haar entstehen auf dem Areal des Klinikums, im „Jugendstilpark“ in den nächsten zehn Jahren Wohnungen für bis zu 3.000 Menschen. Unmittelbaren Einfluss auf die Kauf- und Mietpreise haben wir als Gemeinde nicht. Die Gemeinde ist lediglich für die Bauleitplanung zuständig. Allerdings ist es unser erklärtes Ziel, in Zusammenarbeit mit den Investoren, ähnliche Mischkonzepte mit gefördertem Wohnungsbau wie in Eglfing aufzulegen. 

Fürsorgliches Miteinander

Die hohen Immobilien- und Mietpreise in unserer Region sind hauptsächlich dafür verantwortlich, dass viele Arbeitnehmer kaum von ihrem Verdienst leben können. Trotz hoher Beschäftigungsrate verzeichnen wir einen steigenden Anteil von Mitbürgern, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Aktuell sind es in Haar mehr als 1000 Personen, darunter 380 Kinder. Und: Die Armut ist nach wie vor weiblich. Besonders hart trifft sie alleinstehende ältere Frauen und alleinerziehende Mütter. Mit kommunalen Hilfsangeboten versuchen wir Abhilfe zu schaffen, sei es in unseren sozialen Vereinen und Initiativen, sei es mit unserem Spendenprogramm „Kindern Chancen geben“. Allen, die uns dabei unterstützen, auch den Schwächeren eine Perspektive aufzuzeigen, Ausgrenzung zu vermeiden und Kindern bessere Startchancen zu bieten, danke ich aufs Herzlichste. Auch diese Solidarität ist wesentlicher Teil der Lebensqualität in Haar. 

Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen Glück, Gesundheit und Zufriedenheit.  

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