Waldklettergarten bei Vaterstetten rückt näher

Der Ruf des Baumfalken

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Der Waldklettergarten in Prien: Das Klettererlebnis findet hoch über dem Waldboden statt. Unten kann sich abseits der wengen Erschlißungswege die Natur mit Jungholz Sträuchern und Kräutern entfalten.

Der Betreiber des Kletterwalds in Prien am Chiemsee, Wolfgang Estermann, ist der Realisierung einer solchen Anlage im Wald zwischen Vaterstetten und Ottendichl deutlich näher gekommen. Seine Präsentation im Gemeinderat brachte interessante Erkenntnisse.

Der Ruf des Baumfalken

Waldklettergarten bei Vaterstetten rückt näher

Der Betreiber des Kletterwalds in Prien am Chiemsee, Wolfgang Estermann, ist der Realisierung einer solchen Anlage im Wald zwischen Vaterstetten und Ottendichl deutlich näher gekommen. Seine Präsentation im Gemeinderat brachte interessante Erkenntnisse.

Nördlich der Ottendichler Straße und östlich der A99 soll der Kletterwald entstehen. Die Idee zu dieser Einrichtung geht ursprünglich auf einen Vaterstettener Frauenunion vor gut drei Jahren zurück, der damals vom Familien-, Kultur- und Sportausschuss einstimmig befürwortet wurde. Ein Jahr später wurde das Projekt auch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg als grundsätzlich  genehmigungsfähig beurteilt. Das geeignete Waldstück wurde erworben, auch ein Interessent meldete sich. Der bekam den Zuschlag unter dem Vorbehalt, dass aus Sicht des Artenschutzes keine Einwände gegen die Nutzung der Waldfläche als Sport- und Erholungseinrichtung bestünden.

Und dann gingen vor knapp eineinhalb Jahren die Diskussionen los. Als die Pläne bekannt wurden, tauchten immer mehr Gegner auf, vor allem von Seiten der örtlichen Grünen und der Naturschützer schlug den Kletterwaldplaner massive Kritik entgegen. Ein entsprechendes Gutachten wurde in Auftrag gegeben, das zwischenzeitlich vorliegt. Unter besonderem Schutz stehenden Fledermäuse oder bedrohte Vogelarten werden laut Gutachten des am Sitzungsabend vortragenden Dipl. Ingenieurs Klaus Burbach durch den Kletterwald nicht tangiert. Seine Untersuchungen ergaben, dass nach europäischem oder nationalem Recht streng geschützte Arten in der geplanten Anlage (maximal 1,96 Hektar groß) ausgeschlossen werden können. Baumhöhlen für ruhende Fledermauskolonien scheint es nicht zu geben, also Entwarnung. Einzig ein Baumfalke beharrt auf sein Revier, Robert Niedergesäß selbst hörte ihn bei einer Begehung rufen. Daher wird der Waldklettergarten ein wenig versetzt werden müssen.

Trotzdem gilt auch für dieses Areal ein so genanntes Schädigungsverbot: Fortpflanzungs- und Ruhestätten für Tiere dürfen nicht angetastet werden, das muss bei der Aufarbeitung zum Kletterwald zu beachten sein.  

Dem verschiedentlich befürchteten, hohen Verkehrsstrom aufgrund überregionaler Bedeutung des Geländes, erteilte der künftige Betreiber Wolfgang Estermann eine Absage. Mit ca. 70 Kraftfahrzeugen, die zusätzlich durch Vaterstetten fahren, rechnet er pro Tag. Parkplätze werden wohl am Waldrand zur Ottendichler Straße geplant. Eine Hütte wird es im Kletterwald ebenso geben wie einen eigenen Kinderparcours. 

Noch erhebt die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Ebersberger Einwände gegen das Projekt, da sie mit der ökologischen Ausgleichsfläche ihre Probleme hat. Doch das wird sich klären, da ist Bürgermeister Robert Niedergesäß zuversichtlich. Immerhin hatte man von der Oberen Naturschutzbehörde und dem Landratsamt ein prinzipielles Okay bekommen. 

Und der Bürgermeister meinte nicht ohne Augenzwinkern, die Gemeinde könnte ihr Flurstück auch ernten, sprich: roden. Günter Glier von den Grünen nannte einen interessanten Aspekt für seine Zustimmung zum Kletterwald: Er sei dafür, weil so eine Einrichtung einen Schutzschirm für die Bäume darstellt und zudem die Besucher dort ihre Grenzen ausloten könnten. Hier sei eine Anmerkung erlaubt: Vor einem Jahr klang das aus seinem Munde noch ganz anders ... Oliver Oswald

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