Nonnenkostüm? Find ich blöd!

Schwester M. Christine Heider (47) von A bis Z

Schwester M. Christine Heider (47) ist die neue Chefin von 1900 Ordensfrauen im Erzbistum: Sie leitet seit Kurzem die Vereinigung geistlicher Schwestern mit Sitz an der Schrammerstraße. Auf was sie in der bevorstehenden Fastenzeit verzichtet, was sie in Versuchung führt und warum auch sie gern mal „Zefix“ sagt, erfahren Sie hier.

Eigentlich hat sie es auf ein anderes Amt in der katholischen Kirche abgesehen: auf das der Priesterin. Aber weil ihr dieser Posten als Frau verwehrt bleibt, bekleidet Schwester M. Christine Heider nun eine andere Funktion: Sie leitet neuerdings die Vereinigung geistlicher Schwestern im Erzbistum München-Freising mit Sitz an der Schrammerstraße – und ist damit Chefin aller Nonnen in der Diözese. Was der Buchstabe vor ihrem Namen bedeutet? „Das M steht für Maria“, antwortet die 47-Jährige, die den Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau angehört und am Mariahilfplatz in der Au lebt. „Den Namen habe ich als Ordensschwester bekommen.“ Wie sie Fasching feiert, was sie bald fastet und welche Bibelstellen sie langweilig findet, erzählt sie hier – von A bis Z.

Christopher Beschnitt

Allerheiligstes: Darunter verstehen Katholiken die in Leib und Blut Christi verwandelten Gaben von Brot und Wein, die im Tabernakel verwahrt werden. Wenn ich davor sitze, fühle ich mich bei Gott geborgen.

Bibel: Sie ist mein Buch für alle Lebenslagen, weil ich oft Rat darin finde. Es gibt aber auch langweilige Stellen wie den Zusammenbau der Arche Noah – das ist vielleicht für Handwerker interessant…

Chefposten: Ich stehe nun rund 1900 Nonnen und Ordensschwestern vor. Ich habe denen nichts zu sagen, meine Aufgabe ist es hingegen, die Gemeinschaft und den Austausch untereinander zu fördern.

Digitalisierung: Die macht auch vor Klostermauern nicht halt. Natürlich habe ich also ein Handy und einen Computer – und bedienen kann ich die Geräte auch noch! Gerade bauen wir übrigens eine Homepage für die Vereinigung geistlicher Schwestern auf.

Essen: In der Fastenzeit gibt es bei uns im Kloster nur dicke Suppe statt zum Beispiel Schweinebraten. Das dadurch gesparte Geld spenden wir für soziale Projekte.

Fasten: Persönlich nehme ich mich in der Fastenzeit auch noch bei der Technik zurück. Ich versuche, weniger Zeit vor dem Fernseher und dem Rechner zu verbringen. Stattdessen lese ich dann mehr in der Bibel oder schenke meinen Mitmenschen mehr Aufmerksamkeit.

Glaubensschwund: Leider eine traurige Realität. Und auch etwas kurios, denn viele Menschen glauben ja an etwas Übersinnliches, gehen dann aber lieber zu irgendwelchen Selbsterfahrungskursen und basteln sich so etwas wie einen Privatglauben zusammen.

Heimat ist seit fast 25 Jahren München für mich. Ursprünglich komme ich aber aus Regensburg.

Insel: Auf eine solche, möglichst einsam gelegen, wünsche ich mich manchmal. Denn auch im Kloster gibt es Trubel – bei uns zumal, weil wir zwei Schulen, einen Kindergarten und noch eine Flüchtlingsklasse im Haus haben.

Jesus ist für mich der Inbegriff von Hoffnung, denn er ist ja auferstanden. Ostern ist deshalb das größte Fest für mich, da wird schön gefeiert und ich singe im Schwesternchor.

Kloster: Wir Armen Schulschwestern sind 32 und zwischen 28 und 98 Jahre alt. Weil für uns alle der Glaube im Mittelpunkt steht, klappt das Zusammenleben gut – nicht selbstverständlich unter lauter Frauen. Viele Klöster sind indes nicht mehr so gut besetzt wie wir, just hat ja der Auszug der letzten Nonne aus Altomünster Schlagzeilen gemacht. Nachwuchssorgen gibt es, da die Kirchenbindung der Familien nicht mehr so selbstverständlich ist wie früher.

Liebe ist das Wichtigste auf der Welt und gleichzeitig leider auf der Erde zu wenig vorhanden. Es wäre schön, wenn jeder nur liebte – dann machte er alles richtig. Für Menschen jenseits der Klostermauern gehört zur Liebe natürlich meist auch Sexualität. Körperliche Nähe fehlt auch mir manchmal – aber man kann eben nicht alles haben.

München: Ich liebe diese Stadt! Auch, weil sie trotz ihrer Größe irgendwie klein ist: Ständig treffe ich jemanden, den ich kenne.

Nonne: Ich bin gar keine! Ich bin eine Ordensschwester. Der Unterschied ist aber nur ein kirchenrechtlicher und hat im Alltag keine Auswirkungen. Ich finde es übrigens blöd, wenn Leute sich an Fasching als Nonne verkleiden; ich finde, religiöse Bezüge sollte man sich da sparen. Als was ich diesmal gehe, weiß ich noch nicht – letztes Jahr war ich ein Gartenzwerg.

Opfer: Man kann auch ruhig mal eine Ausnahme vom Opferbringen machen. Verzicht ist ja nichts, was man um seiner selbst willen üben sollte.

Papst: Dass Franziskus in die Kirche Bewegung bringt, finde ich gut. Ich wünschte mir nur, die Bewegung wäre schneller, etwa, was die Rolle der Frau angeht. Eigentlich wäre ich nämlich gern Priesterin geworden.

Qual: Eine Qual sind für mich die bisweilen haarsträubenden Vorstellungen, die es über das Klosterleben so gibt. Ich versichere: Wir hausen hier nicht in kalten Klausen und kriechen auch nicht mitternachts durch den Kreuzgang.

Reisen: Auch eine Ordensschwester macht mal Urlaub. Ich fahre dann immer nach Regensburg oder nach Garmisch-Partenkirchen, wo es auch ein Haus der Armen Schulschwestern gibt.

Studiert habe ich an der Fachhochschule München, ich bin Diplom-Religionspädagogin. Daher unterrichte ich auch: an der Situlischule in Freimann, an der Alfonsschule in Neuhausen und an der Feldbergschule in Trudering.

Tiere sind natürlich auch Geschöpfe Gottes. Manche habe ich trotzdem nicht so gern: Spinnen. Davon abgesehen finde ich, dass wir Menschen Tieren heute viel zu wenig Respekt entgegenbringen. Stichwort: Massentierhaltung.

Unheimlich ist mir die gegenwärtige Weltsituation, unter anderem wegen Trump und Erdogan. Ich bete oft für den Frieden und denke manchmal auch: Lieber Gott, jetzt wäre eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen.

Versuchung: Als solche muss ich wohl Schokolade nennen – am liebsten in Weiß oder mit Pfefferminze.

Wütend macht mich Res­pektlosigkeit. So registriere ich bei meinen Schülern, dass sie immer gehässiger untereinander werden. Leider gibt es wohl einen Werteverfall in unserer Gesellschaft.

X: Das ist die Form des Andreaskreuzes, das man von Bahnübergängen kennt. Der heilige Andreas wurde an einem X-artigen Kreuz hingerichtet.

Ysop: Dieses Kraut wird in einem Psalm, den ich regelmäßig lese, als reinigende Kraft beschrieben.

Zefix: Solang man diese Abwandlung benutzt und nicht direkt „Kruzifix“ zum Fluchen missbraucht, darf man ruhig mal Dampf ablassen, selbst als Ordensschwester. Im Kloster wohnen schließlich auch bloß Menschen.

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