Oberföhring

Deutsche gärtnern anders als Afghanen: Projekt „Grünstreifen/Grünstadtgeflüster“

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Die beiden Künstlerinnen Katrin Siebeck (links) und Lucia Dellefant sowie Flüchtling Reza Fazili zeigen Zweige, die auf den Grund der Hochbeete kommen, um dort zu Humus zu werden.

In Oberföhring entsteht eine interkulturelle Grün-Oase. Was Teilnehmer dabei lernen, erfahren Sie hier.

So etwas hat Reza Fazili noch nie zuvor gesehen. Und der Flüchtling aus Afghanistan muss immer noch schmunzeln, wenn er davorsteht. „Bei uns zu Hause pflanzt man Blumen und Gemüse eben einfach in den Boden“, sagt der 20-Jährige, grinst und schaut dann in einen der 40 Holzkästen, die er gemeinsam mit anderen Asylbewerbern und Münchnern aus der Nachbarschaft gezimmert hat: Hochbeete sind das.

Entstanden sind sie im Bürgerpark Oberföhring im Rahmen des Projekts „Grünstreifen/Grünstadtgeflüster“. So heißt eine jener drei Münchner Initiativen, die aktuell für den Deutschen Integrationspreis nominiert sind (siehe Info unten). Initiatorin des „Grünstreifens“ ist die Künstlerin Katrin Siebeck von dem im Bürgerpark gelegenen Atelierhaus FOE. Sie erklärt: „Wir wollen interkulturelle Gemeinschaftsgärten schaffen und so soziales und ökologisches Engagement zusammenführen.“ Die Hochbeete seien super dazu geeignet, aus grauem Raum eine grüne Oase zu machen. „Denn sie stehen ja auf einer asphaltierten Fläche, die bisher höchstens von Wildparkern genutzt wurde“, sagt Siebecks Kollegin Lucia Dellefant.

Reza Fazili nickt und legt dann Zweige in eines der Hochbeete. „Die halten die Erde luftig und werden später zu Humus“, erklärt er. „Das tut bestimmt den Tomaten gut, die ich bald pflanzen will. Ich bin schon gespannt, ob sie so gut schmecken wie in Afghanistan.“

Wer ähnliche Gärtner-Ambitionen hat, kann mitmachen. Weitere Infos: www.gruenstreifen-­muc.de.
Christopher Beschnitt

Hallo München-Service

Integrationspreis: Diese Projekte sind nominiert

Knapp fünfzig Projekte aus der ganzen Bundesrepublik sind für den Deutschen Integrationspreis nominiert. Diesen wird die gemeinnützige Hertie-Stiftung am 26. Oktober in Frankfurt verleihen, um damit überzeugende Integrationsprojekte fördern. Aus München sind neben dem Oberföhringer „Grünstreifen“ auch diese Projekte dabei: „Jobartisten“ und „Volunteergration“.

„Jobartisten“ richtet sich an junge Menschen, besonders an Flüchtlinge unter 28 Jahren. Die Teilnehmer planen, gestalten und realisieren eine Varieté-Show mit Unterstützung von Künstlern und Sozialpäda­gogen. Das Projekt soll schulische, berufliche und soziale Kompetenzen fördern. Der Träger dieses Projekts ist die Kolping-Bildungsagentur in der Ludwigsvorstadt. Als Kooperationspartner ist auch das Institut für angewandte kulturelle Bildung (Mucca) in der Au mit an Bord.

„Volunteergration“ ist eine Initiative des Sozial­unternehmens Vostel, das Freiwillige in gemeinnützige Projekte in München und Berlin vermittelt. So sollen Flüchtlinge Kontakte zu Einheimischen knüpfen, Deutschkenntnisse erwerben und den Einstieg in den Arbeitsmarkt schaffen können.

„Jobartisten“ und „Volunteergration“ präsentieren wie alle anderen Nominierten bis zum 2. Mai ihre Konzepte auf der Crowdfunding-Plattform www.startnext.com. Jene 20 Projekte, die bis zum 11. April die meisten Unterstützer bekommen, erhalten eine Zusatz-Förderung der Hertiestiftung. cmb

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