Ort der verschollenen Dinge

Im Fundbüro landet allerhand Kurioses: Jetzt wird’s versteigert!

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Hans-Jürgen Morawe ist seit mehr als zehn Jahren der Herr der verschwundenen Dinge.

München - Pferd, Gebiss und Ehering: „Es gibt nichts, was hier noch nicht gelandet ist“ - Jetzt sollen einige dieser speziellen Fundsachen versteigert werden

Hans-Jürgen Morawe ist seit mehr als zehn Jahren der Herr der verschwundenen Dinge. Manches aus dem Fundbüro findet seinen Weg zurück zum Besitzer, auch bis ans andere Ende der Welt. Andere Dinge, deren Besitzer verschollen bleiben, lagern hier oft monatelang. Bis sie versteigert werden, wie jetzt am Donnerstag, 7. Juni, ab 9.30 Uhr im Kreisverwaltungsreferat, Ruppertstraße 11.

„Es gibt nichts, was hier noch nicht gelandet ist“, sagt Morawe und streicht übers Regal. Kisten, unzählige Kisten stehen hier, bepackt mit verlorenem Hab und Gut. „Einzeln können wir das nicht versteigern, da wären wir in vier Wochen noch nicht fertig“, sagt Morawe. Deswegen hat er genau 273 Kartons für die Versteigerung gepackt.

Sein Reich ist ein regelrechtes Sammelsurium an Kuriositäten: ein Tefal-Bügeleisen liegt hier im Regal, daneben steht ein Raclette-Gerät, darüber ein Snowboard und ein Diamantring. Wer verliert solche Sachen?

Die merkwürdigsten Dinge werden laut Morawe immer auf der Wiesn im Fundbüro abgegeben. Einmal hat sogar jemand Skistiefel im Zelt vergessen.

„Oft ist Alkohol im Spiel“, sagt Morawe. „Oder die Leute lassen ihre Sachen im Bus liegen.“ Im Winter sind das vor allem Schirme und Mützen, die merkwürdigsten Dinge werden immer auf der Wiesn im Fundbüro abgegeben. „Einmal hat jemand Skistiefel im Zelt vergessen, einmal wurde ein Segway abgegeben“, erzählt er. Wofür man Skischuhe auf der Wiesn braucht, das hat Morawe nie herausgefunden – der Besitzer hat seine Schuhe nicht abgeholt. Beim Segway war es anders: „Das hatte ein Gehbehinderter importiert, lange bevor es die Dinger bei uns gab, und vorm Wiesnzelt geparkt.“ Weil man dort aber nicht parken darf, hat die Polizei es kurzerhand geschnappt und ins Fundbüro gebracht.

Insgesamt 273 Kisten voller Kuriositäten hat Morawe für die Versteigerung aufmerksam gepackt. Auch Uhren und Schmuck sind darin zu finden.

Das Büro ist nicht nur Depot des Vergessenen, sondern auch ein Ort der großen Emotionen. Tränen fließen hier öfter mal, erzählt Morawe, – zum Beispiel, wenn der Ehering verloren ging, andere jauchzen und jubeln über das wieder gefundene Handy oder die Geldbörse. Die Dritten flippen aus, weil ihr verschusseltes Hab und Gut eben nicht abgegeben wurde. Einige klingelten auch schon aufgelöst bei Morawe, weil sie zehntausende Euro verloren hatten – „aber so etwas wird nur selten bei uns abgegeben“, sagt der 61-Jährige. Manchmal werden auch Tiere abgegeben: Welpen, Katzen und einmal ein Pferd. „Die bringen wir dann ins Tierheim“, sagt Morawe.

Er hat die 273 Kisten für die Versteigerung aufmerksam gepackt, „damit in jeder auch was Interessantes drin ist“. Am Donnerstag kommen unter anderem das Snowboard, ein Fahrrad mit drei Rädern und ein Diamantring, der im Geschäft mehr als 10 000 Euro kostet, unter den Hammer. Hanni Kinadeter

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