Dieser Blinde kann wieder sehen

Die besten Mediziner der Münchner Kliniken: Heute Professor Dr. Chris Lohmann

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Diesem Münchner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, wurde ein Netzhautchip implantiert. Tägliches Training mit der Spezialbrille ist dennoch nötig.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin.

Als Professor Dr. Chris Lohmann vor 13 Jahren als junger Facharzt nach München kam, hatte er nur ein Ziel vor Augen: „Mein Traum war, Blinde sehen zu lassen.“ Heute ist Lohmann Direktor der Augenklinik am Uni-Klinikum Rechts der Isar – hat seinen Traum wahr gemacht. Er hat dem ersten blinden Patienten im Süddeutschen Raum das Augenlicht wiedergebracht: Die Retina-Prothese macht es möglich.

Der Münchner kann sein Glück noch nicht fassen: „Ich habe mit meiner Tochter im Radio von diesem Implantat gehört, mir von der Netzhautprothese Unabhängigkeit erhofft. Diese Hoffnung hat sich für mich voll erfüllt, ich kann sogar meine Kinder wieder sehen.“ Fünf Jahre war er völlig erblindet, inzwischen kann der 50-Jährige auch Formen und Linien erkennen, sich an Häusern, Straßenverläufen und Treppenstufen alleine orientieren. 

Das „bionische Auge“, ein kleiner Hightech-Chip, der unter die Netzhaut transplantiert wird, überträgt Impulse auf eine tragbare Computereinheit, die diese Informationen mit einer Spezialbrille mit integrierter Minikamera kombiniert. So kann der Patient Licht, Umrisse, Gegenstände und Menschen mit den Informationen des Auges im Gehirn zu einem Bild zusammensetzen. Nur: Farbe wird nicht wiederhergestellt, auch dreidimensionale Wahrnehmung ist nicht möglich.

Noch funktioniert die OP-Methode nur bei Patienten mit Retinitis Pigmentosa. Jährlich erkranken in Bayern etwa 6000 Menschen daran. Diese genetisch bedingte Augenkrankheit verschleißt die Photorezeptoren im Auge bis zum völligen Erblinden. Professor Lohmann ist zuversichtlich: „Die Technik schreitet schnell voran, so dass wir in zehn Jahren noch andere Möglichkeiten für Blinde erschließen können.“

Einen Patienten pro Monat wird Lohmann nun in Zukunft operieren: „Das Thema ist nicht nur für mich als Augen-Spezialist spannend. Was es für Blinde bedeutet, sich wieder orientieren zu können und etwas zu sehen, das kann man mit Worten nicht ausdrücken.“
M.J. Hlawica

Blitz-OP: So schnell wird das bionische Auge eingesetzt

Die Operation dauert bei Eignung der Person nur zwei bis vier Stunden, kostet rund 3600 Euro. Nur ein Auge bekommt den Chip in der Größe eines halben Fingernagels unter der Netzhaut implantiert. Teurer sind Technik und Nachsorge: Etwa 110 000 Euro kommen zusammen – mit gut vier Monaten täglichen Trainings mit speziell geschulten Mitarbeitern, etwa Augenoptikermeistern. Bei konkreter Eignung und Indikation sind Krankenkassen bereit, diese Kosten zu übernehmen.

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