Verein für Gewaltopfer mit Behinderung

Mietvertrag gekündigt: Wildwasser sucht neue Räume

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Zum 31. Mai wurde allen Gewerbetreibenden im Motorama an der Rosenheimer Straße gekündigt - auch dem Verein Wildwasser.

Haidhausen - Der Verein Wildwasser ist eine einzigartige Institution in München, denn sie helfen Gewaltopfern mit Behinderung. Jetzt brauchen sie selbst Unterstützung

Irmgard Deschler hofft, dass der Verein möglichst bald neue Räume findet.

Wildwasser unterstützt behinderte Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben – und das sind nicht wenige: Laut Terre des Femmes ist fast jede siebte Frau in Deutschland betroffen. Und behinderte Frauen noch viel öfter: „Sie werden zwei bis drei Mal so oft Opfer“, sagt Irmgard Deschler (Foto), die den gemeinnützigen Verein Wildwasser in München leitet. Die geförderte Fachstelle ist in ihrer Existenz bedroht: Zum 31. Mai wurde der Mietvertrag gekündigt – wie allen Gewerbetreibenden im Motorama-Gebäude an der Rosenheimer Straße. Der Eigentümer will Wohnraum schaffen – offenbar, weil es lukrativer ist. Das ist für den Verein ein Riesenproblem. Denn die Anforderungen an die Räume sind hoch: Da sich auch Frauen im Rollstuhl beraten lassen, müssen diese barrierefrei sein. Außerdem sollten sie zentral gelegen und direkt bei einer U-Bahn-Station sein. Kein leichtes Unterfangen in München – zumal viele Vermieter keinen Vertrag mit einem gemeinnützigen Verein abschließen wollen. Schließlich ist der bürokratische Aufwand höher, weil die Vereine keine Mehrwertsteuer zahlen. Derzeit kommen etwa 300 Frauen im Jahr zu Wildwasser, um sich beraten zu lassen oder eine Therapie zu machen. Der Verein hat sich darauf spezialisiert, Frauen zu unterstützen, denen sonst nirgendwo geholfen wird.

Menschen mit Behinderung glaubt man leider nicht so leicht

Was Deschler aus ihrem Berufsalltag erzählt, ist völlig unvorstellbar. Da gibt es etwa jene Frau, die Hilfe braucht, als sie vom Behindertenheim in eine betreute WG zieht. Dort fragt sie den Hausmeister, ob er einen Schrank aufbaut. Als Dank verlangt dieser Sex – die 40-Jährige, die weder aufgeklärt ist, noch weiß, was Sex ist, versteht erst, was der Mann will, als er sie zu Boden schmeißt und auf ihr liegt. „Als sich die Frau bei der Hausverwaltung beschwerte, nahm man sie nicht ernst“, sagt Deschler empört. Bei Menschen mit Behinderung werde gern behauptet, die denken sich das aus. Für Deschler steht fest: „Diese Gruppe braucht Unterstützung.“ Manche Opfer begleitet sie jahrelang. Diese haben unbegreifliche Grausamkeit erlebt. Menschen mit Einschränkungen, die schon als Säuglinge missbraucht wurden, weil die Eltern Teil eines kriminellen Netzes sind. Unfassbar: Die Täter stellen Videos von der Vergewaltigung ins Internet und verdienen damit Geld. Bundesweit ist Wildwasser einer von wenigen Vereinen, der sich für Gewaltopfer mit Behinderung stark macht. Um ihn zu retten, hat die CSU-Stadtratsfraktion den Antrag gestellt, bei der Suche nach Räumen und der vermutlich höheren Miete zu unterstützen. Der Antrag kommt demnächst auf den Tisch. hki

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