„Söder ist ein Trumpi“

Bavaria in Bestform: Starkbieranstich am Nockherberg

Während Deutschland noch rätselt, wem Luise Kinseher alias Mama Bavaria beim Nockherberg einschenkt, weiß es einer ganz genau: Thomas Lienenlüke, Autor von Fastenpredigt und Singspiel. In Hallo verrät er erste Details.

Ganz Deutschland schaut am Mittwoch, 8. März, zum Starkbieranstich nach München, wenn ab 18.30 Uhr (der BR überträgt live) erst Luise Kinseher als Mama Bavaria und dann das Singspiel unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller die politischen Verfehlungen des vergangenen Jahres aufs Parkett bringen. Autor beider Höhepunkte ist Thomas Lienenlüke (großes Bild). Und der verrät vorab in Hallo nicht nur den Handlungsort des Singspiels, sondern auch, welche Politiker sich auf ein Double freuen dürfen – und welche nicht.

Herr Lienenlüke, ist für den Nockherberg textlich alles fertig?

Wir polieren gerade. Luise Kinseher und ich arbeiten noch die ein oder andere Anekdote vom Politischen Aschermittwoch in die Fastenpredigt ein. Allerdings hätte ich mir von den Parteien mehr inhaltlichen Wagemut gewünscht. Seehofer war nicht nur stimmlich schwach mit seinen ewigen Paradies-Beschwörungen. Und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer brillierte mit „Schummel-Schizo-Schulz“ und Co. nur als Meister der Alliteration. Schulz war immerhin rhetorisch sehr gut.

Vor zwei Jahren im Weltall, 2016 in Seehofers Kopf – wo spielt heuer das Singspiel?

In einer Hotellobby. Mehr darf ich nicht verraten. Aber es wird sehr viel um Lüge und Wahrheit und um Fälschungen gehen.

Also um „Fakes“, die seit Donald Trump in aller Munde sind.

Die spielen eine größere Rolle, richtig.

Bekommt Trump eine Rolle im Singspiel?

Das wäre billig. Ich halte ihn für kabarettistisch nicht mehr überhöhbar, außerdem ist jeder Witz über ihn schon gemacht. Aber in Bayern ist der Söder ja ein kleiner Trump. Natürlich nur ein ganz kleiner – ein Trumpi.

Wird aufgrund der Wahlen die Bundespolitik heuer stärker gewichtet?

Die Bundespolitik ist mit der bayerischen eng verbunden. Ist es Bundespolitik, wenn Seehofer anfängt, Ministerposten auf Bundesebene zu vergeben, um unliebsame Parteimitglieder loszuwerden? Wobei ich jetzt den Namen Söder bewusst nicht nenne (lacht). Oder wenn Seehofer sich öffentlich zur Kanzlerin bekennt – und beide währenddessen mit eingefrorenen Mienen dastehen? Oder wenn man sich fragt, wie stark die bayerische SPD vom Schulz-Wind profitiert?

Wird es ein Martin Schulz-Double geben?

Das würde ich zumindest nicht dementieren. Ich sage mal so: Es gab eine Phase, in der ich sehr viel umschreiben musste.

Verstehen Sie den Hype um ihn?

Ja. Den letzten großen Hype hat die AfD ausgelöst. Unter anderem prangerte sie die verkrusteten Strukturen an, jahrzehntelange Verflechtungen und Seilschaften. Ein – zumindest deutschlandpolitisch – unbeschriebenes Blatt zu holen, ist ein cleverer Schachzug.

Ist mit Martin Schulz auf der Bühne noch Platz für einen Zweiten Bürgermeister aus München?

Wenn sich Seppi Schmid mit der Forderung nach einer Bierpreisbremse ins Epizentrum der bayerischen Seele redet, nehmen wir das natürlich dankend an. Aber ein Double hat er nicht. Ich wüsste auch nicht, wer ihn spielen soll.

Stefan Murr zum Beispiel. Der ist doch so etwas wie die Allzweckwaffe am Nockherberg.

Das stimmt. Ich verrate zwar nicht in welcher Rolle, aber Stefan Murr ist auch wieder mit dabei. Er ist unser Schweizer Taschenmesser. Es ist toll: Er erfindet Eigenheiten für blasse Rollen, die es so gar nicht gibt – und von denen man danach beispielsweise sagt: „Genau so ist er, der Pronold!“

Welche Politiker und Schauspieler sind sonst heuer mit dabei?

Zumindest so viel: An der klassischen Spielaufstellung – Söder, Seehofer, Reiter und Co. – wird sich in keiner Hinsicht etwas ändern. Aber wie immer bemühen wir uns um ein „Wow“, eine etwas größere Überraschung.

M. Litzlbauer

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