Großes Jubiläum

So haben Sie die Kirchen nie gesehen

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Hermann Wilhelm (l.) vom Haidhausen Museum und Dieter Rippel von den Freunden Haidhauses haben die Ausstellung organisiert.

Ausstellung zum 100. Geburtstag: Zwei Gotteshäuser in Haidhausen feiern Jubiläum.

Bilder, die der Öffentlichkeit noch völlig unbekannt sind – das versprechen die Haidhauser Hermann Wilhelm und Dieter Rippel. Sie haben zusammen eine Ausstellung organisiert, in der es um die Geschichte zweier Kirchen geht: Die evangelische Pfarrkirche Sankt Johannes feiert ebenso wie die katholische Kirche Sankt Wolfgang in diesen Tagen 100. Geburtstag.

Vor allem das Bildmaterial war es, das den Leiter des Haidhausen Museums, Herman Wilhelm, so faszinierte: „Wie die Menschen darauf aussehen, welche Kleidung sie tragen – die Ausstellung ist viel mehr als die Geschichte der Kirchen“, sagt er. Denn es sei ein Teil Sozialgeschichte, Stadtteilgeschichte, den man darauf ablesen könne.

Auf einer Fotografie aus dem Jahr 1914, einen Abend bevor der Erste Weltkrieg ausbrach, ist eine Menschenmenge am Preysingplatz zu sehen. Dicht gedrängt ist sie, die Männer tragen Zylinder, feine Anzüge und Fliege, die Damen große Hüte und pompöse Kleider. Auf einem anderen Bild ist König Ludwig II. von Bayern zu sehen – bei der Grundsteinlegung von Sankt Wolfgang – mit ernster Mine, langem Bart und unzähligen Orden auf seiner Jacke.

In Schautafeln sind Dokumente ausgestellt: Ein Brief an eine Konfirmandin in altdeutscher Schrift, ein Ausschnitt aus der Isarzeitung von 1916, eine Chronik, die ein Pfarrer verfasst hat und vieles mehr.

H. Kinadeter

Katholische Kirche im Üblacker-Häusl

Im Üblacker-Häusl, Preysingstraße 58, geht es um die Geschichte der katholischen Kirche Sankt Wolfgang, deren Einweihung 1916 gefeiert wurde. König Ludwig III von Bayern war damals zur Grundsteinlegung gekommen. Im Zweiten Weltkrieg ist die Kirche nahezu völlig zerstört worden: Sie glich einem Trümmerhaufen, lediglich der Turm blieb halbwegs unbeschadet. Weil sich viele Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Glaube und Spiritualität sehnten, wie Hermann Wilhelm vom Museum es beschreibt, trafen sie sich auch zusammen, um die Kirche wieder aufzubauen. Die Ausstellung ist bis 5. Februar zu sehen: Mittwoch und Donnerstag 17 bis 19 Uhr sowie Freitag und Sonntag 10 bis 12 Uhr.

Evangelische Kirche

Sankt Johannes ist 1916 eingeweiht worden – es war die vierte evangelische Kirche in München, die erbaut wurde. Schon vorher, ab 1887, trafen sich Haidhauser Protestanten, um gemeinsam zu beten – in einer alten Schule und einer Art Notkirche, weil das Geld für einen Bau fehlte. Dann sammelten die Bürger Geld – bis gebaut werden konnte. Zum Gründungsverein der Diakonie gehörten auch zwei prominente Münchner: Rudolf Diesel, Erfinder des Dieselmotors, und Wilhelm Röntgen, der die Röngtenstrahlen entdeckt hat. Den Zweiten Weltkrieg hat die Kirche nahezu unbeschadet überstanden. In den 80er-Jahren ist die Kirche umgebaut worden – zur Gemeinde gehörte eines der ersten Jugendzentren der Stadt. Ausstellung bis 5. Februar im Haidhausen Museum, Kirchenstraße 24: Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie Montag bis Mittwoch 17 bis 19 Uhr.

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