Platz wird Zeltstadt auf Zeit

Stadt der Wiesn-Zelte(r): Ausnahmezustand auf dem Thalkirchner Campingplatz

Daniel Van Buth (23) und dessen Freunde Blake (28), Vincent (24) und Tom (23) sind extra aus Australien angereist.
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Daniel Van Buth (23) und dessen Freunde Blake (28), Vincent (24) und Tom (23) sind extra aus Australien angereist.
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Jerry Knodl vom Thalkirchner Campingplatz
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Jerry Knodl vom Thalkirchner Campingplatz
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Bec Wild (35) und Chris Paull (31, oben) sind zum ersten Mal auf der Wiesn
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Bec Wild (35) und Chris Paull (31, oben) sind zum ersten Mal auf der Wiesn
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Agenturen am Zelteingang
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Agenturen am Zelteingang

Thalkirchen: Auf der Theresienwiese feiert die Welt in den Bierzelten – doch auch wenige Kilometer entfernt schießt während der Wiesn eine Zeltstadt aus dem Boden.

Der Camping-Platz in Thalkirchen hat sich in eine Zeltstadt verwandet: Hunderte bunte Zelte stehen auf den Wiesen, viel freien Platz dazwischen gibt es nicht. Den Gästen ist das eigentlich aber auch egal. Sie wollen vor allem eines: Auf dem Oktoberfest feiern und danach irgendwo schlafen können.

„Es ist lustig und billiger als eine andere Unterkunft“, erzählt Daniel Van Ruth (23). Gemeinsam mit drei Kumpels ist er von Australien zur Wiesn angereist, danach hängt die Gruppe noch eine Europatour dran. Für ihren Wiesn-Besuch haben sie sich extra Lederhosen schicken lassen – aus Manchester.

Damit gehören die fünf zu den typischen Gästen, die sich während der Wiesn-Zeit auf dem Thalkirchner Campingplatz einrichten. „In der ersten Woche kommen viele aus Neuseeland und Australien, in der zweiten Woche viele Italiener“, erklärt Jerry Knodl vom Campingplatz. Seit 35 Jahren arbeitet der 78-jährige dort, die Wiesn-Zeit gehört für die Angestellten zu den anstrengendsten Wochen des Jahres. Geschätzt 8000 Oktoberfest-Besucher kommen jedes Jahr, der Campingplatz veranstaltet extra Wiesn-Partys und hat das Team personell stark aufgestockt.

„Früher waren es noch mehr Wiesn-Gäste“, sagt Knodl. „Heute ist alles ein bisschen ruhiger und zivilisierter.“ Er jedenfalls freut sich jedes Jahr wieder auf die Wiesnzeit: „Die Leute sind sehr gut drauf. Wir haben selten irgendwelche Probleme.“ Dauercamper, die sich gestört fühlen könnten, gibt es in Thalkirchen nicht, alle anderen wollen sowieso das Gleiche: „Bier trinken, Schweinshaxe probieren und die großen Zelte sehen“, sagt Daniel Van Ruth.

Dafür, dass nichts schief geht, sorgen die vielen Agenturmitarbeiter, die die Zelte in Thalkirchen vermitteln. Gleich am Eingang haben sie ihre Stände aufgebaut. Dort sitzt auch Christie Sutherland (25) aus Australien. Sie ist zum vierten Mal dabei: „Es macht Spaß. Ich hoffe, dass ich es selbst auch einmal aufs Oktoberfest schaffe.“ Ansonsten ist sie ein Mädchen für alles: Sie kümmert sich um den Zeltaufbau, räumt auf, beantwortet Fragen – und bringt auch mal Betrunkene zum Schlafplatz inmitten des Zelt-Waldes. C. Schuri

Oktoberfest: Camping-Hochsaison in der Stadt

• Ruhiger als in Thalkirchen geht es am Campingplatz am Langwieder See zu. „Während der Wiesn übernachten hier vor allem Bedienungen und Securitymitarbeiter. Die Firmen reservieren immer schon ein Jahr vorher“, erklärt Platzwart Roland Pechmann.

• Immer wieder kommen Wiesnbesucher auf die Idee, sich einfach am Straßenrand oder auf öffentlichen Parkplätzen zu campen, beispielsweise bei den Münchner Schlössern. Die bayerische Schlösserverwaltung hat die Sache jedoch im Griff, wie Cordula Mauß betont: „Mitarbeiter weisen Camper, die länger als zwei Nächte auf dem Parkplatz stehen auf das Campingverbot hin.“

• „Partytouristen sind bei uns fehl am Platz“, sagt Birgit Malik vom Campingplatz Nord-West in Ludwigsfeld. Vor ungefähr zehn Jahren war das noch anders, doch Malik ist froh, dass Party-Camper jetzt auf andere Plätze ausweichen.

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