Haarer CSU verhindert im Bauausschuß Neubaupläne für Geschoßwohnungsbau in Ottendichl

Keine Nachverdichtung

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Bei Stimmengleichheit konnte die Haarer CSU im Bauausschuß ein Votum zugunsten des Demos-Bauvohrabens in Ottendichl verhindern. Nach Auffassung des Christsozialen fehlt es an der gebotenen Umgebungskompabilität.

Eine für Haarer Verhältnisse höchst ungewöhnliche Situation ergab sich bei der letzten Sitzung des Bauausschusses vor der Sommerpause: Eine Mehrheit aus CSU und Grünen verhinderte mit Unterstützung eines versprengten Roten im Bauausschuss eine Entscheidung zugunsten eines Bauvorhabens in Ottendichl. 

Der Vorschlag von Bürgermeister und Verwaltung zu diesem Bauvorhaben das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen, wurde bei Stimmengleichheit abgelehnt.

In der öffentlichen Sitzung hatte die Verwaltung das Vorhaben zunächst vorgestellt.  Anstelle der bisherigen landwirtschaftlichen Hofstelle in der Feldkirchner Straße 27 in Ottendichl, des früheren Ailer-Hofs, soll ein Wohngebäude mit 25 Wohneinheiten und 36 Tiefgaragenstellplätzen entstehen. Dies bedeutet eine Anlage des Geschoßwohnungsbaus in einer Größenordnung, für die es bisher in Ottendichl kein Beispiel gibt. 

Zwar haben sich die Planer nicht ohne Erfolg bemüht, das zukünftige Gebäude in seinem äußeren Erscheinungsbild der gegenwärtigen Bebauung als Hof anzunähern. Dass die vorgesehene Bebauung das dafür zur Verfügung stehende Grundstück maximal nutzen will, zeigt die Geschoßflächenzahl (GFZ = Verhältnis der Fläche aller Vollgeschoße zur Fläche des Grundstücks), die mit 1,0 angegeben wurde. Dies ist ein Wert, wie er in städtischen Verhältnissen erreicht wird.

Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt in diesem Zusammenhang ist die Stellplatzsituation: Bis auf zwei sind alle benötigten Stellplätze nur unterirdisch möglich. Im Hinblick auf die Bewohner ist dies kein Problem, aber was machen die Besucher?  

Unabhängig von diesen einzelnen Aspekten war es offensichtlich die Auffassung der CSU-Fraktion, dass das vorgesehene Gebäude sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, nicht „in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“, wie das Baugesetzbuch dies für die bauplanungsrechtliche Genehmigungsfähigkeit verlangt. Allerdings waren die Gegner keineswegs grundsätzlich gegen das Vorhaben. Wie CSU-Gemeinderat Paul Wieser und Werner Kozlik von den Grünen zum Ausdruck brachten, geht es darum, das Vorhaben in die angemessene Größenordnung zu bringen.    

Der vorliegende Fall zeigt einen interessanten Konflikt auf. Die Gemeinden des Landkreises München unterliegen weiterhin einem hohen Siedlungsdruck. Während andere Gebiete in Deutschland und auch in Bayern Bevölkerung verlieren, ist der Zuzug in den Großraum München weiterhin ungebremst. Die Reaktion der Kommunalpolitiker hierauf ist unterschiedlich: Während Bürgermeister Dworzak nach Darstellung der Haarer CSU „ein entschiedener Verfechter größtmöglicher Nachverdichtung“ ist, versuchen die Haarer Christsozialen hier eine gegenteilige Position zu besetzen. 

Es bleibt also spannend. Jetzt ist zunächst das Landratsamt am Zug. Warten wir ab, ob es die Entscheidung der Gemeinde Haar beanstandet oder nicht. Die Abstimmung im Bauausschuss hat also nur vorläufigen Charakter, sie wird deshalb auch den Bürgermeister nicht allzu sehr schmerzen.

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