Grasbrunn wird Stromproduzent

In Sachen Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern ging u.a.die Gemeinde Haar mit guten Beispiel voran (hier die anlage auf dem Bauhof in Ottendichl. Jetzt möchte auch Grasbrunn unter die Stromproduzenten gehen. Foto: A. Schwaiger/Archiv

Statt teurer Grünanpflanzung und -pflege am bestehenden Grasbrunner Autobahnwall soll für rund zwei Mio. Euro eine Photovoltaikanlage installiert werden. Auch auf den Dächern des Neukeferloher Bürgerhauses und des neuen Rathausanbaus will man die Gemeinde Sonnenstrom produzieren. Das Investitionsvolumen liegt bei geschätzten 2,5 Mio. Euro. Der langen Reihe positiver Argumente setzte Johann Hiltmair (BFG) deutlich seine Bedenken entgegen.

„Alles, was jetzt kommt, ist mit erheblichen Kosten verbunden“, unterstrich Bürgermeister Klaus Korneder die Gewichtigkeit des Themas. Ob die Gemeinde, die Grasbrunner Gemeindewerke oder die Bürger als Stromproduzenten tätig werden können, ließ man offen, das soll die Gemeindeverwaltung zeitnah abklären. Die Verwaltung hatte im Vorfeld das Büro Kutzschenbach damit beauftragt zu prüfen, auf welchen Dächern der 17 kommunalen Liegenschaften die Errichtung einer Photovoltaik möglich ist. Ferner holte man eine Kostenschätzung des Landschaftsarchitekturbüros Treiber für die Begrünung des bestehenden Autobahnwalls Bauabschnitt I und II ein. Hier muss, da man die Pflege vernachlässigt hatte, nachgepflanzt werden und Pflegeaufwand betrieben werden. In den ersten drei Jahren lägen die Kosten hierfür bei 358.000 Euro und in den Folgejahren jeweils bei 73.000 Euro. Wäre der Wall mit einer Photovoltaikanlage bestückt, so müsste man zunächst für die Begrünung des Walls nur 65.000 Euro und in den Folgejahren jeweils 12.000 Euro ausgeben. 58.000 Euro Überschuss? „Wer Strom erzeugt, wird automatisch zum Unternehmer“, stellte Kutzschenbach seiner Präsentation im Gemeinderat voran. 13 Häuser der 17 kommunalen Liegenschaften seien als Solarprojekte gut bis sehr gut geeignet. Allein auf dem Autobahnwall Bauabschnitt I und II könnte man über 13.000 Quadratmeter Solarfläche anbringen. Die Solarfläche sollte auf der östlichen Wallseite installiert werden, da so das Blendpotential gering und der Reinigungsaufwand (Feinstaub) vertretbar sei. Aufgrund der angenommen Sonnenstundenzahl präsentiert Kutzschenbach eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, die im Ratsgremium manchem ein Lächeln entlockte – und vielleicht sogar die sprichwörtlichen „Dollarzeichen“ in die Augen trieb. Mit der Stromproduktion an der Autobahn könnte „auf einen Streich der gesamte Stromverbrauch aller Liegenschaften und der Straßenbeleuchtung gedeckt werden. Der Überschuss beträgt dann noch 290.000 kWh, dies entspricht einem Betrag von 58.000 Euro pro Jahr“, erklärte Kutzschenbach. Und er legte mit weiteren Vorteilen der solaren Stromkraftwerke nach. Die Gemeinde bekomme „als Stromproduzent ein neues Image“, man habe es mit einem „hochrentablen Wirtschaftszweig“ zu tun und man leiste einen „hohen Beitrag zum Umweltschutz“. Für Korneder und Max Walleitner (Grüne) haben die Grasbrunner Solarprojekte eine besondere Qualität, da hier die Flächen außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzflächen liegen. „Sie haben es sehr günstig dargestellt“, konterte dagegen Johann Hiltmair (BFG), „die Realität ist eine andere“, so seine eigene Erfahrung. Der Eigenkapitaleinsatz von 2 bis 3 Mio. Euro – so die Zahlen von Kutzschenbach – lohne sich nicht für die Gemeinde. „Alles, was nach 20 Jahren bleibt, sind die Entsorgungskosten“. Zudem seien Solarprojekte, deren Strom ins Netzt eingespeist werde, höchst unsozial. Korneder wehrte sich deutlich dagegen, denn die „unsozialste Energieerzeugung ist die Kernenergie“ und schließlich man stehe an diesem Standort auch nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion. Auch Johannes Bußjäger (FW) zweifelte die angegebene hohe Stundenzahl der Sonneneinstrahlung an, diese habe er in seiner dreijährigen Erfahrung im eigenen Betrieb nie gehabt. Gegen die Stimme von Ingrid Röser (Grüne) erhielt die Verwaltung letztlich dann den Auftrag, die Projekte weiter voran zu bringen. – A.R. –

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