Der letzte Weg – durchs Feuer

So wird der Neubau des Krematoriums am Ostfriedhof

Arndt Schulte Döinghaus, Chef des Krematoriums vor dem Gebäude, das abgerissen wird.
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Arndt Schulte Döinghaus, Chef des Krematoriums vor dem Gebäude, das abgerissen wird.
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Andreas Herz sortiert Implantate aus, die in der Asche liegen.
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Andreas Herz sortiert Implantate aus, die in der Asche liegen.
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Neben der Aussegnungshalle draußen soll ein Meditationsgarten entstehen.
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Neben der Aussegnungshalle draußen soll ein Meditationsgarten entstehen.
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Obergiesing: Im Krematorium soll man künftig Feuerbestattungen begleiten können.

Der Raum ist flach und kühl, sehr kühl. Vier Grad hat es hier, es riecht eigenartig. Etwa 40 Holz-Särge liegen dort, in der Ecke ein ganz kleiner, weißer. Arndt Schulte Döinghaus wirft einen kurzen Blick auf den Zettel am Sarg. „Eine Fehlgeburt.“ Zum letzten Mal ruhen die Totenkisten im Sarglager des Krematoriums am Ostfriedhof, bevor sie verbrannt werden.

Lange wird es diesen flachen Raum aber nicht mehr geben. „Der Gebäudeteil wird abgerissen“, sagt Schulte Döinghaus (siehe unten). „Wir brauchen modernere Technik.“ Die Zahl der Einäscherungen ist in den vergangenen Jahrzehnten rasant gestiegen. War es vor den 60er-Jahren noch nahezu verpönt, einen Leichnam ein­äschern zu lassen, sind heute zwei Drittel aller Bestattungen Feuerbestattungen.

Arndt Schulte Döinghaus geht durch das Lager und öffnet eine schwere Eisentür, heiße Luft schlägt ihm ins Gesicht. Fünf große Öfen stehen hier. Alle sind in Betrieb, bei bis zu 1000 Grad verschlingen die lodernden Flammen die toten Körper. Franz Leskowitz schiebt einen Sarg in den Ofen, darin liegt eine Leiche mit der Nummer 6267.

Das ist es auch für Leskowitz: Eine Nummer. Er arbeitet hier seit mehr als 20 Jahren, hat seinen Schwiegervater eingeäschert und etliche Kollegen. „Wenn man hier jeden Tag steht, kann man das ganz nüchtern als Arbeit sehen“, sagt er. Nur manchmal, wenn etwa Kinder bestattet werden, dann geht es den Mitarbeitern trotzdem nahe. Hinter einer Klappe mit Glasscheibe prasseln die Flammen, ein Knochengerüst glüht im Feuer auf.

Schulte Döinghaus musste schlucken, als er zum ersten Mal eine Feuerbestattung gesehen hat. „Ich sah ein Gehirn, das brannte – dieses Bild vergesse ich nicht.“ Weil trotz des Anblicks immer mehr Menschen ihre Angehörigen auch bei diesem letzten Weg durchs Feuer begleiten wollen, soll es im Neubau möglich sein, bei der Einäscherung dabei zu sein. Eine, manchmal auch anderthalb Stunden dauert es, bis der leblose Körper zu Asche wird. Dann sortiert Andreas Herz die Sarg­klammern aus der Asche, gelegentlich auch ein Implantat, und kippt sie in eine Urne.

Bis zu 40 Einäscherungen finden pro Tag statt, im Jahr sind es etwa 8000. Manche Urnen bleiben hier, andere fliegen in ferne Länder, bis zu den Phillippinen, oder werden in den Ozean geschüttet, wo sich der Staub für immer auf den Meeresgrund legt.
Hanni Kinadeter

Hitziges Thema: Wegen Kosten umgeplant

Direkt neben der denkmalgeschützten Aussegnungshalle, die der Münchner Architekt Hans Grässel 1927 baute, soll ein neues Krematorium gebaut werden. Die Bauarbeiten beginnen 2019 und dauern etwa zweieinhalb Jahre. Eigentlich hätte schon in diesem Jahr das neue Krematorium eröffnet werden sollen – weil die Kosten aber explodiert sind, so dass der Bau nicht machbar gewesen wäre, mussten neue Pläne her. Jetzt soll das Krematorium kleiner werden als ursprünglich geplant, es soll nur vier statt fünf Öfen geben und von dem Plan, die Leichen unterirdisch anzuliefern, musste man Abschied nehmen. „Das Untergeschoss sparen wir nun ein“, sagt Arndt Schulte Döinghaus. Am 9. November legt er die neuen Pläne dem Planungsausschuss der Stadt vor. Vorgesehen sind außerdem ein Friedhofscafé sowie ein Meditationsgarten, in dem man zur Ruhe kommen kann.

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