Wenn Papa im Himmel schwebt

"Tote essen auch Nutella": Trauerzentrum Lacrima stellt Kinderbilder zum Thema Sterben aus

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Das sind die Werke, die Daniel für seinen toten Papa gemalt hat. 

Giesing - Es sind Kinder, die Familienmitglieder verloren haben - wie Daniel. Der Moosacher verarbeitet die Trauer über den Verlust seines Vaters bei Lacrima.

Wenn Daniel (Name geändert) abends im Bett liegt, denkt er an seinen Papa. Da­ran, wie sie zusammen Boule gespielt haben oder Fußball. Daniel ist elf Jahre alt, gerade im Sommerurlaub bei seiner Oma in Israel, als völlig unerwartet sein Vater stirbt – an Herzversagen. Noch nie hat Daniel vorher über den Tod nachgedacht.

Anderthalb Wochen später geht Daniel, der aus Moosach kommt, das erste Mal zu Lacrima, einer Trauerhilfe von den Johannitern für Kinder und Jugendliche, die ein Elternteil verlieren. „Zwei bis drei Jahre lang bin ich zu Lacrima gegangen“, sagt Daniel heute. „Das hat mir sehr geholfen.“

Denn dort trifft er Kinder, denen es genauso ergeht, die verstehen, wie er sich fühlt. In der Schule erzählt Daniel seinen Mitschülern nichts. Als er kurze Zeit später mit zum Schullandheim fährt, lässt er sich wieder abholen. „Es ging mir nicht gut, ich konnte das nicht“, erinnert sich der inzwischen 15-Jährige. Bei Lacrima ist es ganz anders, erzählt Daniel. Jede zweite Woche trifft er sich dort mit anderen Kindern, sie malen und basteln gemeinsam, lachen viel zusammen und zünden Kerzen an für die Verstorbenen.

Immer wenn Daniel die Bilder betrachtet, gibt ihm das Freude

Bei Daniel zuhause liegen etliche Bilder und Bastelarbeiten, die in seiner Zeit bei der Trauerhilfe entstanden sind. Da ist zum Beispiel der Vogel aus Pappe mit roten und blauen Federn. „Mein Seelenvogel“, sagt Daniel. Unter dem Gefieder klebt eine Streichholzschachtel, darin liegt ein Zettel, auf dem steht: Freude. „Immer wenn ich die Schublade öffne, verspüre ich Freude – es funktioniert.“

Oder das Bild, auf das lauter Papierschnipsel geklebt sind, Glitzer darüber – ein Feuerwerk. Auf den Schnipseln standen Daniels Sorgen und seine Trauer, kurzerhand hat er sie zerschreddert und daraus ein Feuerwerk gebastelt. Solche und ähnliche Werke hat er bei Lacrima geschaffen. Gerade zeigt das Johanniter-Trauerzentrum,in der Perlacher Straße 21 in einer Ausstellung Kinderbilder zu Sterben, Tod und Trauer, die Theologie-Professorin Martina Plieth zusammen gestellt hat (siehe unten).

Nicht nur Bilder hat Daniel gebastelt, sondern auch eine Kerze: darauf hat er alles geklebt, was ihn besonders an seinen Vater erinnert. Einen Fußball aus Wachs, Pizza und den Namen seines Vaters.

„Jetzt ist mein Papa dort“, sagt Daniel und blickt nach oben. „Er ist im Himmel und schwebt dort und es geht ihm gut.“ Heute, gut vier Jahre nachdem sein Papa gestorben ist, hat Daniel den Trauerfall gut verarbeitet. „Es ist für mich ganz normal geworden, dass wir nun zu dritt und nicht mehr zu viert sind.“ Mit einigen Kindern, die er bei Lacrima kennengelernt hat, trifft er sich noch heute. „Wir sind Freunde geworden.“ hki

Ausstellung

Die Ausstellung „Tote essen auch Nutella“ ist bis 5. Mai im Johanniter-Trauerzentrum, Perlacher Straße 21, zu sehen. Mehr Infos unter der Nummer 12 47 34 41  oder www.­johanniter-lacrima.de

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