Nervtötender Brummton

Schlaflos in Giesing: Tiefer Ton raubt Anwohnern den Schlaf

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Das Brummen raubt Benjamin Schröder und anderen Giesingern den Schlaf.

Giesing: Schlaflos in Giesing: Seit August quält Benjamin Schröder ein dunkler Brummton. Weil er kein Auge mehr zu tut, ist er schon für einige Tage auf das Sofa eines Freundes geflüchtet.

Mitten in der Nacht schreckt Benjamin Schröder (Name geändert) hoch. Ein tiefes Brummen reißt ihn aus dem Schlaf, es ist etwa drei Uhr morgens.

„Es klingt wie der Bass einer Disko – nur dass er nie aufhört“, sagt der 36-Jährige genervt. Das erste Mal, als der nervtötende Ton ihm den Schlaf raubte, war in einer Nacht Anfang August. Als es am nächsten und übernächsten Tag nicht aufhörte, rief der angehende Lehrer die Polizei.

Eine Streife kam vorbei, der eine Beamte hörte das Geräusch laut und deutlich – der andere aber nicht. „Sie wollten der Sache nachgehen“, erzählt Schröder. Doch schon am Tag darauf meldete sich die Polizei: Sie habe keine Ursache gefunden.

Das Geräusch wurde noch nicht identifiziert

„Nicht jeder kann das Geräusch hören“, berichtet Schröder, der sich inzwischen ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hat. Das Geräusch, das ihn seither Tag für Tag und Nacht für Nacht begleitet, ist vermutlich leiser als 50 Hertz. Ursache dafür kann demnach alles mögliche sein – vom Mobilfunkmasten bis zu einer kaputten Lüftungsanlage in einem Gastro-Betrieb. Jetzt hat der Giesinger, der am Scharfreiterplatz wohnt, die Stadt eingeschaltet. „Wir werden weiterhin Messungen vornehmen“, sagt Alois Maderspacher vom Referat für Umwelt und Gesundheit. Denn eine Messung im September hat zu keinem Ergebnis geführt: „Wir konnten keine Quelle ermitteln“, sagt Maderspacher. Inzwischen haben sich bei ihm weitere Giesinger wegen des nervigen Brummtons gemeldet. „Doch wir benötigen weitere Anhaltspunkte“, sagt er.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Münchner wegen eines mysteriösen Brummtons beschweren, etwa in Aubing leiden Anwohner seit Jahren unter dem permanenten Brummen (siehe unten).

Schröder, der gerade seine letzten Staatsexamensprüfungen als Referendar macht, hat nun seine Arbeit in die Schule verlegt. „Zuhause kann ich nicht mehr in Ruhe Arbeiten korrigieren.“ An einem Tag war es so schlimm, dass Schröder bei einem Freund übernachtete. Auch seine Frau leidet unter dem Geräusch. Ende September war für kurze Zeit Stille. „Wir hatten gehofft, jetzt ist Schluss“, sagt Schröder. Doch kurze Zeit später ging es weiter: Tamm, tatamm. Seither hört Schröder das Brummen wieder 24 Stunden am Tag ohne Unterlass.
Hanni Kinadeter

Auch Aubinger kämpfen mit Lärm

Im vergangenen Jahr haben sich mehrere Aubinger wegen eines ähnlich nervtötenden Brummtons beschwert. Die Stadt hat darauf mehrere Messungen vorgenommen und konnte bestätigen: Es gibt ein Geräusch, auf einer niedrigen Frequenz. Doch die Ursache konnte mittels der Messungen nicht erkannt werden. Auch in Trudering quält ein Brummton die Anwohner. Sie haben sogar eine Initiative „Brummfreies München“ gegründet, die sich für ihre Belange einsetzt.

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