Er rockt die Gemeinde

Rocker, Tattoo-Fan und Diakon: Rainer Fuchs aus Giesing

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Rocker, Tattoo-Fan und Diakon: Wie das zusammenpasst hat Rainer Fuchs aus Giesing Hallo erzählt.

Obergiesing - Es gibt keine Motorrad fahrenden Seelsorger mit Tattoos? Doch, es gibt sie! Rainer Fuchs ist einer von ihnen - Seine Geschichte hat er mit Hallo geteilt

Seine Rocker-Freunde nennen ihn Reverend Ray Fox, seine Gemeindemitglieder Diakon: Rainer Fuchs, 44, ist volltätowiert, liebt Johnny Cash und kümmert sich seit gut anderthalb Jahren um die Belange seiner Gemeindemitglieder der evangelischen Phillipuskirche. Auf dem Weißenseepark-Fest (Freitag, 29. Juni, 14 bis 22 Uhr) hat er ein Standl und quatscht die Leute an. Wissen will er vor allem eines: „Was die Leute brauchen.“ 

Jesus trägt Kapuze – zumindest auf seinem Rücken. Der ist nämlich komplett tätowiert. Auch auf den Armen leuchten kunterbunte Tattoos, eine Kerze flackert da, eine Lilie blüht in strahlendem Weiß. Ob die Menschen das überrascht? „Sie schauen erst mal komisch“, erzählt Fuchs. „Aber dann sind sie meistens fasziniert und es entsteht ein Gespräch.“ Gut für den Rocker-Diakon: Denn sprechen ist sein Beruf – einerseits als Seelsorger, andererseits als Networker. „Ich finde nicht, dass wir in der Kirche warten sollten, bis jemand am Sonntag kommt.“ Stattdessen lautet seine Devise: „Ich gehe raus in den Stadtteil.“ 

Nach diesem Motto handelt auch Diakon Gregor Schweizer aus Laim.

Sein Lieblingsrezept, nämlich Luther-Gulasch, hat er im Stadtteil-Kochbuch verraten und mit der Sozialen Stadt Giesing arbeitet er eng zusammen. Was er besonders an seinem Beruf liebt: „Dass ich die Menschen in guten und schlechten Zeiten begleiten kann.“ Der Bedarf an seelsorgerischer Begleitung ist groß in Giesing, erzählt Fuchs. „Das Leben, in dem alles gut läuft, gibt es nicht. In Momenten, in denen uns existenzielle Dinge wie Tod oder Trennung bewegen, brauchen wir Begleitung.“ Das hat er selbst schon erlebt: Eine Beziehung, die 15 Jahre lang andauerte, scheiterte – eine schwierige Trennung. „Wir haben uns nicht mehr gut getan“, sagt Fuchs heute. Kurz nach der Trennung ließ er sich sein erstes Tattoo stechen – und hat bis heute nicht damit aufgehört. 

Gerade kommt sein rechter Arm unter die Nadel. Ein Grab lässt er sich dort tätowieren und huldigt damit seinem großes Idol: Johnny Cash, Rockabilly- und Country-Star, Alkoholiker, Tabletten-Junkie und Musiklegende. „Ich finde ihn so stark, weil er seine Schwächen überwunden hat“, sagt Fuchs. Er ist sowieso überzeugt: „Mein Gott ist gnädig. Fehler macht jeder – entscheidend ist, wie man damit umgeht.“ 

Seine große Liebe hat der Diakon längst gefunden: Ehefrau Regina, mit der er Tochter Linda hat, die bald fünf Jahre alt wird. Wenn er Linda nicht gerade aus dem Kindergarten abholt, brettert er auch gern mal mit dem Motorrad in die Arbeit – eine BMW R100. Motorradfahren ist sein größtes Hobby. Auf seinem Helm steht – natürlich – Reverend Ray Fox. H. Kinadeter

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