Premiere am 21. September

Obergiesinger dreht eine Doku über die letzten Stüberl im Viertel

Und Action! Johannes Boos mit Kamera am Tresen: Hier ist sein Dokumtarfilm entstanden.
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Und Action! Johannes Boos mit Kamera am Tresen: Hier ist sein Dokumtarfilm entstanden.
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Giesing: Johannes Boos hat einen Streifzug durch die Kneipen gemacht. Warum sie eigentlich eher ein Umschlagplatz für Nachbarn sind als Wirtschaft und wie die Gentrifizierung droht, sie platt zu machen, lest ihr hier!

Vorhänge verdunkeln die Scheiben. Drinnen murmeln ein paar Anzugträger über ihren Biergläsern, andere ratschen oder karteln. Dieses Bild wird immer seltener.

„Die Boazn sterben aus“, sagt Johannes Boos. Gab es vor fünf Jahren noch mehr als 40 Stüberl in Giesing, sind es heute nur 25. Über diese hat Boos einen Dokumentarfilm gedreht, der am Donnerstag, 21. September im Giesinger Bahnhof Premiere feiert.

„Wer weiß, wie lange es die Stüberl noch gibt?“, fragt Boos, der die Kneipen für unterschätzt hält. „Boazn sind mehr als ein Lokal, sie sind ein sozialer Treffpunkt im Viertel.“ Die Gäste kennen sich untereinander, sie kennen den Wirt und wer ein Problem hat, findet hier Rat oder Hilfe. „Das kann eine ältere Dame sein, die Hilfe braucht, um eine Glühbirne zu wechseln – sie findet in der Boazn garantiert jemanden.“ Tauschgeschäfte finden hier ebenso statt – ein Umschlagplatz, Marktplatz der Nachbarschaft also und dazu gibt es auch noch Bier. „Dass hier nur Alkoholiker abhängen, ist ein Vorurteil, das nicht stimmt“, sagt der 39-Jährige, der ein Jahr lang durch die Stüberl Giesings gezogen ist. Eine Lieblings-Boazn hat er nicht: „Sie haben alle einen eigenen Charme.“ Die Doku ist für den Obergiesinger ein Herzensprojekt, die er in seiner Freizeit gedreht und geschnitten hat. Er fürchtet, dass ähnlich wie beim Einzelhandel auch in der Gastronomie eine Monokultur droht. Mit der zunehmenden Gentrifizierung würden nicht nur Bewohner verdrängt, auch Boazn: „Das Konzept ist nicht sehr rentabel.“

Boazn sind klein, haben ein winziges Angebot an Speisen – Toast Hawai oder Gulaschsuppe. „Und wenn man das bestellen will, ist es meistens auch noch aus“, sagt Boos. Was die Einrichtung betrifft, sind die Boazn durchaus kreativ: Hier bei Andy im Bacchusstüberl hängen Schallplatten an der Wand, in anderen stehen Nähmaschinen, reihenweise Pokale oder hängen Fotos aus vergangenen Zeiten. Was außerdem zu jeder Boazn gehört: „Ein Nachbar, der sich über den Lärm beschwert.“ Die Raucher reden ihnen draußen zu laut, oder sie empfinden die Musik als störend.

In dem 75-minütigen Streifen nimmt der Giesinger die Zuschauer mit auf einen Streifzug durch die Stüberl im Viertel. Seine Botschaft: „Der Film soll ein Appell an die Toleranz sein.“

Hanni Kinadeter

„Hinter Milchglas und Gardinen“ ist am Donnerstag, 21. September, 19 Uhr, in der Gepäckhalle im Giesinger Bahnhof, Giesinger Bahnhofplatz 1, zu sehen.

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