Anna Kuch gewinnt Giesinger Kulturpreis

Maskierte Wahrheit

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Anna Kuch in Interaktion mit ihren Schaumstoffmasken.

Giesing - Sie ist eine der vielversprechendsten Jungakteurinnen Münchens: Anna Kuch hat für "Das Würstchen der Wahrheit" eine ganz besondere Auszeichnung erhalten

„Die Würstchen der Wahrheit“ heißt das Stück, mit dem die Performerin, Schauspielerin und Figurenbauerin Anna Kuch gerade den Giesinger Kulturpreis und den Publikumspreis gewonnen hat. Darin bespielt sie überdimensionale Schaumstoffmasken, die im Raum hängen, und spricht Texte von Wolfram Lotz, mit denen sie Wahrheiten hinterfragt, die als absolut akzeptiert werden. „Man hat versucht, uns zu erzählen, dass alles von oben nach unten fällt. Das stimmt, ich glaube es nicht“, heißt es beispielsweise in dem Stück, das Kuch, die bei Nürnberg wohnt, für ihren Abschluss am schweizerischen Teatro Dimitri entwickelt hat.

„Dazu inspiriert hat mich das Schicksal des saudischen Bloggers Raif Badawi, der nicht militant zu mehr Freiheit aufgerufen hat und deswegen inhaftiert und ausgepeitscht wurde“, erklärt die 27-Jährige. „In Deutschland können wir noch relativ so tun, als wäre Meinungsfreiheit kein Thema, obwohl ich merke, dass sich die Lage sowohl künstlerisch als auch privat verschärft.“

Mit ihrer Performance, die von Isabel Rößler am Kontrabass und von Vinzent Gisis Figurenspiel begleitet wurde, überzeugte Kuch sowohl Jury als auch Publikum. „Menschen zu erreichen ist das größte Kompliment für meine Arbeit“, freut sich die vielseitige Künstlerin.

Der Giesinger Kulturpreis, der mit 5000 Euro dotiert ist, wird von der Versicherungskammer Kulturstiftung und dem Kulturzentrum Giesinger Bahnhof seit 2006 alle zwei Jahre in wechselnden Kategorien ausgeschrieben. 2018 traten fünf Finalisten mit Figuren- und Objekttheater an. Maren Kowitz

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