Der kurioseste Prozess Münchens

Der langwierige Rechtsstreit von Schauspielerin Claudia Pielmann

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Claudia Pielmann und ihre Aktenflut: Seit Jahren hält sie ein kurioser Rechtsstreit auf Trab. Bald geht das Drama in die nächste Runde.

Giesing - Seit die "Lindenstraßen"-Schauspielerin Claudia Pielmann 2008 in ihre Wohnung nach Obergiesing gezogen ist, gibt es damit nur Ärger - von Scheinfirma bis zu einer Räumungsklage ist alles dabei.

So verrückt kann kein Drehbuch sein: In München wird seit Jahren ein Rechtsstreit geführt, dessen Hauptdarstellerin Claudia Pielmann ist. Der Prozess, den die Schauspielerin, bekannt aus der Lindenstraße, führt, hätte Unterhaltungsqualität für das Samstagabendprogramm – ist aber leider bittere Realität für die 58-Jährige.

2008 beginnt das Drama: Pielmann zieht in ihre Wohnung in Obergiesing und stellt fest: Die Heizung funktioniert nicht, die Türen der beiden Balkone lassen sich nicht schließen, im Badezimmer schimmelts’s. Einige Male wendet sie sich an den Hausverwalter, doch es passiert: nichts. Dann holt sich Pielmann Hilfe beim Mieterverein, der ihr rät, die Miete zu mindern – gesagt, getan. Währenddessen häufen sich Rechnungen in ihrem Briefkasten: Kuriose Rechnungen über 900 Euro als Jahresabrechnung für Lift und Hausmeister, eine Mieterhöhung wegen einer „energetische Modernisierung“ in der Höhe von 60 000 Euro, die auf alle Mietparteien umgelegt wird. Die Heizung funktioniert immer noch nicht. 

Die Hausverwaltung schickte sogar eine Räumungsklage

Als der Mieterverein einen Nachweis für die Rechnungen fordert, erhält er nichts. Bis heute hat die Hausverwaltung vor Gericht keine Aufstellung über die Kosten eingereicht. Stattdessen schickt die Hausverwaltung eine Räumungsklage und fordert mehrere tausend Euro. Claudia Pielmann versteht die Welt nicht mehr. Es kommt noch schlimmer: Vor Gericht wirft man ihr vor – so berichtet Pielmann –, sie knalle laut die Türen, angeblich hat ihr Hund in den Hausflur gepinkelt. Problem nur: Pielmann hat gar keinen Hund. 

Die klagende Firma gibt es gar nicht – sie wurde nie im Handelsregister eingetragen

Und dann wird es richtig absurd. Die Schauspielerin findet in eigener detektivischer Recherche heraus, dass die Firma „Dr. M. Wagner Grundstücks GmbH & Co.KG“, die sie verklagt hat, gar nicht existiert. Sie wurde nie im Handelsregister eingetragen. „Das ist meiner Meinung nach eine Scheinfirma“, steht für die Schauspielerin fest. Der Pressesprecher des Amtsgerichts, Klaus-Peter Jüngst relativiert das: „So einfach kann man das nicht sagen“, erklärt er. „Der Vermietername ist ein Fanatasiekonstrukt.“ So sei es bei einem Zivilverfahren eigentlich egal, warum die Firma nicht existiert. Es habe nur zur Folge, dass etwa die Mieterhöhung völlig unerheblich sein könnte. Der Anwalt des Vermieters, Peter Fröhlich, will sich auf Hallo-Nachfrage nicht zum laufenden Verfahren äußern.

„Die Chancen für Pielmann stehen gut“, ist indes Anja Franz vom Mieterverein überzeugt. „Ich weiß nicht, was das soll, einen falschen Vermieter anzugeben.“ Einen derart merkwürdigen Fall habe sie vorher noch nie erlebt, sie ist verblüfft über den falschen Vermieter: „So etwas traut sich eigentlich keiner.“ Bald geht die Seifenoper in die nächste Runde: Für den 6. und 7. Januar sind die nächsten Verhandlungstage angesetzt.

Hanni Kinadeter

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