Stimme der Jugend

Bloggerin Livia Kerp (15) von A bis Z

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Harlaching: Livia (15) schreibt über die Probleme ihrer Generation.

Sie trank schon mit Christian Wulff Kaffee, chattet mit Cem Özdemir via Instagram, hat Christian Lindner interviewt und Josef Schmid energisch über ihre Idee von Jugendpolitik in der Landeshauptstadt informiert. Bloggerin Livia Josephine Kerp ist zwar erst 15 Jahre jung, aber engagiert! Egal ob Plastikmüll im Meer, Jugendwahlrecht ab 16 oder Gesellschaftskritik: Wenn Livia etwas für richtig und wichtig hält – hakt das gebürtige Münchner Kindl bei ihren Gesprächspartnern nach, lässt sich nicht abschütteln. 

Rund zwanzig Politiker hat sie schon für ihren Blog interviewt. Wie ihre Freundinnen interessiert sich die Gymnasiastin zwar auch für Mode und Musik. Doch wenn es ums Thema Jugendpolitik geht, hat die Harlachingerin deutlich mehr zu sagen. Bei der Veranstaltung „Forum Kinderrechte“ der bayerischen Kinder-und Jugendkommission saß sie jetzt sogar mit auf dem Podium, diskutierte mit Politikern über die Themen ihrer Generation. Was den Münchner Jugendlichen wichtig ist und wieso sie dafür kämpft, erklärt Livia im Hallo München-A bis Z.

Marie-Julie Hlawica

Abitur: Wenn alles gut geht, bin ich 2020 mit der Schule fertig. Danach möchte ich am liebsten ein Jahr ins Ausland. Ich will nicht in die Politik, lieber Psychologie studieren. Aber den Numerus Clausus von 1,0 schaffe ich wohl leider nicht.

Blog: Ich blogge seit 2013. Angefangen habe ich mit Mode und Beauty, aber gemerkt, dass mir das zu langweilig ist. Jetzt dreht sich bei mir alles um Politik und um die Rechte der Jugend.

Com.mit Award: Diesen Preis für junge „Mut-Bürger“ habe ich 2017 gewonnen. Mit meiner Blog-Reihe „Political-Things“ belegte ich den zweiten Platz. Christian Wulff saß in der Jury. Ich habe ihn um ein Interview gebeten. Es hat geklappt!

Doof finde ich, wenn Politiker mir ausweichen und nicht auf meine konkreten Fragen antworten. Vielleicht glauben die, weil ich so jung bin, merke ich das nicht. Wenn die Pausen bei der Antwort länger werden, hake ich dann aber extra nach.

Eltern: Meine Eltern sind super! Sie unterstützen mich und lassen mir alle Freiheiten bei meinem Blog. Oberstes Gebot ist aber: erst kommt die Schule, dann der Blog.

Freizeit: Samstag und Sonntag sind meine aktiven Blogger-Tage, davor habe ich wegen Schule und Hobbies kaum Zeit, zu schreiben. Ich tanze auch Hiphop, treffe mich regelmäßig mit meiner Clique. Das darf nicht zu kurz kommen.

Gespräch: Mir liegen Themen wie Umweltverschmutzung oder Plastikmüll im Meer am Herzen. Ich suche verständliche Antworten auf meine Fragen dazu, deshalb wende ich mich auch direkt an die Politiker.

Hausaufgaben: Es gibt mit meinen Eltern eine Regel, die unter der Woche gilt: Bis 22 Uhr muss ich alles erledigt haben. Hausaufgaben, Bloggen, Hobbies. Dann geht es ins Bett. Ich finde es ok, denn in der Schule habe ich 36 Stunden Unterricht pro Woche.

Interview: Beim „Forum Kinderrechte“ Ende November habe ich erstmals live einen Politiker vor Publikum interviewt, den bayerischen Staatssekretär Johannes Hintersperger. Thema war die Mitsprache der Jugendlichen in der Kinderkommission.

Jan Hofer: Der ist mein absoluter Lieblings-Nachrichtensprecher. Ich mag seine Stimme und finde, er spricht die Nachrichten am besten, da höre ich nie weg.

Klasse: Da fühle ich mich absolut wohl. Ich besuche eine Münchner Mädchenschule. Konstruktive Kritik meiner Mitschülerinnen ist immer willkommen. Es hat zum Glück nie eine meiner Klassenkameradinnen gesagt: Du machst 'nen Blog – und tschüss!

Lieblingsthema: Mein absolutes Lieblingsthema ist die Forderung für mehr Mitsprache der Jugendlichen in der Politik! Auf meiner Seite und in der Gastkolumne unter LangweileDich.net schreibe ich gerne darüber.

München: Könnte viel mehr in der Jugendpolitik tun. Im Stadtrat könnten Sitze für Jugendliche geschaffen werden, etwa ein jugendpolitischer Sprecher für jedes Stadtviertel. Auch beim Schulsystem wollen wir mitreden: Ob G8 oder G9.

Nachrichten: Waren zuhause Pflicht. Jetzt sehe ich mit meinen Eltern immer frewiwillig die Tagesschau. Früher fand ich das nervig und langweilig. Heute vergeht kein Tag, an dem ich nicht einmal Nachrichten sehe.

Opposition: Mir ist es wichtig, dass alle zur Sprache kommen. Deshalb freue ich mich auch über Gast-Schreiber bei mir, damit man jede Seite einer Sache beleuchten kann.

Politische Reden fesseln mich. Ich finde es faszinierend, wie sich manche Politiker ausdrücken und mit Sprache und Gestik manipulieren können, da könnte ich ewig hinhören und zuschauen. Aber das ist ja nicht neu: Schon Cäsar oder Nero konnten das.

Quelle: Informieren kann man sich heute vielfältig. Man darf nur nicht alles glauben. Wenn ein Prominenter ein Produkt in die Kamera hält, muss das ja nicht unbedenklich oder gut sein. Wer zweifelt, sollte sich im Netz noch mehr Informationen holen.

Rechtschreibung: Zum Glück bin ich darin ganz gut. Trotzdem unterlaufen mir Tippfehler, aber da gibt es ja zum Glück ein Computerprogramm, das die erkennt und automatisch ausbessert.

Schreiben ist meine absolute Leidenschaft. Ich kann mich nur nicht kurzfassen. Wenn es in der Schule heißt: „Fasse zusammen“, wird es bei mir eine Din A4-Seite. Mir fällt immer sehr viel ein.

Träume: Einmal mit Angela Merkel, Donald Trump oder Barack Obama zu sprechen – wäre und bleibt vielleicht ein Traum. Mein Ziel, einmal mit Kindern zu arbeiten, ist sicher näher.

Unterschied: Mein Blog wird zum Online-Magazin mit fünf Rubriken: Gastartikel, München, Politik, Haltung und eine über mich. Noch bastele ich am neuen Auftritt. Start ist Anfang Januar.

Views: Ich habe etwa 500 Views jeden Tag, das heißt, dass so viele Menschen einmal draufschauen, ob oder was ich geschrieben habe. Es macht mich stolz, zu sehen, dass doch so viele Menschen wissen wollen, was ich schreibe.

Wirkung: Welche Wirkung meine Artikel haben, sehe ich an den Kommentaren dazu im Netz. Aber selbst einmal politisch aktiv zu sein, kommt nicht in Frage. Als Politiker ist man oft der Buhmann. Und das möchte ich nicht sein.

X: Ich will mein Kreuzchen machen, bin für das Wahlrecht ab 16, mindestens im Kommunalbereich. Österreich zeigt, dass es möglich ist.

Youtube: Hier hole ich mir Lerntipps in Mathe, Physik und Chemie. Oder sehe Comedians wie Luke Mockridge oder Chris Tall an.

Zukunft: Jugendliche werden zu selten gefragt, wie wir uns Zukunft vorstellen. Wir werden zu wenig beachtet. Das muss sich ändern.

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