Viele Arten sind geschützt

Alarm wegen Insektenschutz im Baumarkt: Kampf gegen Wespen-Killer

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Im Dachboden hatte die Giesingerin selbst ein Wespennest – statt die Insekten zu töten, wartete sie bis die Tiere es im Herbst verließen.

Obergiesing - Seit Anna Müller eine Werbung für Insektenschaum gesehen hat, kämpft sie mit dem Naturschutz gegen Baumärkte und für bedrohte Wespenarten

Als Anna Müller (Name geändert) in einem Giesinger Baumarkt einen Prospekt durchblättert, erschrickt sie: „Die machen Werbung für einen Schaum, mit dem man Wespen töten kann“, erzählt Müller (Foto) empört. „Es ist völlig unnötig, die Tiere zu ermorden.“ Sie selbst hatte vergangenes Jahr ein Wespennest im Dachboden – und ließ es einfach hängen. Im Herbst, als die Insekten das Nest verließen, hat sie es schließlich entfernt. Was die 51-Jährige besonders stört: „Es gibt so viele Wespenarten, die unter Naturschutz stehen – darüber steht in der Werbung gar nichts.“

Auch Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer beim Münchner Bund Naturschutz, kann darüber nur den Kopf schütteln. „Das ist ein Aufruf, gegen den Artenschutz zu verstoßen“, steht für ihn fest. Denn in der Werbung heißt es, mit dem Wespenschaum könne man frei zugängliche Nester effektiv bekämpfen. Die Krux dabei: Weder die gemeine noch die deutsche Wespe – die beiden einzigen Arten, die nicht geschützt sind – bauen hängende oder leicht zugängliche Nester, da sie Dunkelbrüter sind und versteckte, dunkle Orte bevorzugen.

Alle Münchner Baumärkter werden aufgefordert, den Wespenschaum aus dem Sortiment zu nehmen

„So geht das nicht“, sagt Hänsel, der nun einen Aufruf startet und alle Münchner Baumärkte anschreibt, damit sie den Wespenschaum aus dem Sortiment nehmen. Seiner Meinung nach ist es jetzt ohnehin völlig unsinnig, das Produkt zu bewerben. „Die Wespen kommen nicht zurück in alte Nester – sie bauen jedes Jahr ein neues.“ Was der Hersteller mit seiner Werbung macht, ist in seinen Augen illegal. „Er müsste darauf hinweisen, dass es hunderte geschützte Arten gibt.“ Einen Grund, die Insekten zu töten, sieht er nicht. Bei wem im Sommer die Wespen ein- und ausfliegen, der könne das Nest von Naturschützern umsiedeln lassen, empfiehlt er. „Oder abwarten“, sagt Hänsel. „Es ist ja immer nur eine sehr kurze Zeit, in der viele Wespen leben – im Herbst stirbt das Volk.“

Das wichtigste sei jedenfalls: „Ruhe bewahren.“ Wer hektisch wird oder die Insekten anbläst, macht die Wespen nur unruhig. Der Hersteller des Wespenschaums, die Firma Bayer Garten, beteuert indes, der Schaum werde ausdrücklich nur für die beiden ungeschützten Arten empfohlen, weil die Nester im Hausbereich zu einer Gefahr werden können, insbesondere für Kinder oder Allergiker. „Für Wespenarten, die unter Naturschutz stehen, ist eine Anwendung nicht zulässig“, heißt es bei Bayer. Damit gibt sich die Giesingerin aber nicht zufrieden: Sie hat sich nun an die Regierung von Oberbayern gewandt, damit diese Schaum und Werbung prüft. hki

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