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„Irgendwas bleibt für Haar schon hängen“

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Auf der Finckwiese an der Ecke Wasserburger Landstraße und Grasbrunner Straße könnte bald ein BMW-Forschungszentrum entstehen. Der Haarer Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung bereits die baurechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen. © Tomasevic

Der Haarer Gemeinderat hat die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens für die Ansiedlung eines BMW-Forschungs- und Entwicklungszentrums auf der Finckwiese beschlossen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung sind die Bürger am 24. November zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Anfang Dezember will BMW über den Standort des neuen Forschungszentrums entscheiden, um das sich wohl auch Aschheim und Unterschleißheim bewerben.

Ob BMW mit seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum „Autonomes Fahren“ nach Haar zieht, soll Anfang Dezember entschieden werden. Das Unternehmen hat einen ehrgeizigen Zeitplan, denn schon im März 2018 sollen Ingenieure und Forscher loslegen. Das wäre unter normalen Umständen nicht zu schaffen, doch die Gemeinde Haar tut alles, um dem Autobauer den Standort schmackhaft zu machen.

So präsentierte Bürgermeisterin Gabriele Müller dem Gemeinderat vergangene Woche bereits den Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nummer 24 „Forschungs- und Entwicklungszentrum Wasserburger Straße/Grasbrunner Straße“, der unter der Regie des Projektentwicklers DIBAG Industriebau AG erarbeitet worden war. Wie berichtet, sollen auf der 15,5 Hektar großen Finckwiese Ecke Wasserburger Straße/Grasbrunner Straße im ersten Bauabschnitt rund elf Hektar entwickelt und später um 2,5 Hektar entlang der B304 erweitert werden. Wohnungen könnten in der Zukunft auf dem restlichen Areal im Süden entstehen.

Konkret sind Büros, Werkstätten, Forschungsbereiche, ein Rechenzentrum und eine Teststrecke für rund 2000 Mitarbeiter geplant. Büro- und Forschung- stätten werden in zwei- bis vierstöckigen Gebäuden mit einer maximalen Höhe von 21 Metern untergebracht, das Gros der Autostellplätze in einem Parkhaus im Süden. „An der Wasserburger Straße werden die Fassaden strukturiert ausgebildet, ebenso Richtung Westen“, erklärte Sebastian Kuhlen von der DIBAG. Obwohl das Baugebiet eng bebaut werde, plane man viel Grün. Vorgesehen seien unter anderem Baumreihen entlang der Wasserburger Straße, ein grüner Eingangsbereich – wahrscheinlich mit frei zugänglicher Kantine – und begrünte Dächer. Eine Stichstraße soll rund 130 Meter östlich der Grasbrunner Straße von der B304 aus das Gelände erschließen, aus Richtung Autobahn wird ein zusätzlicher Linksabbieger gebaut.

Grundsätzlich war der Gemeinderat angetan von den Plänen. SPD-Sprecher Alexander Zill erklärte: „Ich bin beeindruckt von der Kiste, die SPD steht dahinter!“ Die anderen Fraktionen hatten jedoch Fragen. Dietrich Keymer (CSU) etwa forderte ein Gutachten des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München zu möglichen Folgekosten des Projekts für die Gemeinde. Zudem monierte Keymer, dass beim Wohnungsbau laut Gemeindesatzung Stellplätze in Tiefgaragen nachgewiesen werden müssten. „Warum soll das für Gewerbe nicht gelten?“ Für Gewerbe stehe das nicht in der Satzung, Tiefgaragen seien beim BMW-Projekt nicht möglich, erklärte die Bürgermeisterin.

Mike Seckinger (Grüne) sorgte sich wegen der äußeren Gestalt des Bauwerks und erklärte, mit drei Meter hohen Zäunen seien die Grünen nicht einverstanden. DIBAG-Planer Kuhlen wies auf das Sicherheitsbedürfnis für die Forschungseinrichtung hin und betonte, an der B304 werde man aber keine Zäune sehen. Kritisch sahen Seckinger und Antonius von Lier (FWG) das Verkehrskonzept: „Ich staune über den Optimismus, das mit nur einer Zufahrt zu regeln“, so Seckinger. Sebastian Kuhlen wies darauf hin, dass Zu- und Abfahrt der Arbeitnehmer azyklisch verliefen.

Bürgermeisterin Müller betonte, das optische Erscheinungsbild von BMW am Tor zu Haar sei ein wesentlicher Punkt, über den man ständig verhandle. Sollte die Gemeinde den Zuschlag nicht bekommen, werde die Planung, die maßgeschneidert für die Nutzung durch BMW sei, wieder auf Null gestellt. Dennoch hofft Müller auf den Einzug von BMW, auch wenn dies kaum zu einem Anstieg der Gewerbesteuereinnahmen führen dürfte. „Ich denke doch“, so Müller, „dass für Haar was hängen bleibt. Lassen wir uns überraschen!“ Gabriele Mühlthaler

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