Energie ist das zentrale Thema

Geothermie (hier ein Foto der Bohrung in Aschheim) bleibt ein zentrales Thema in Grasbrunn, Zorneding und Vaterstetten. Sicher scheint: Ohne private Investoren wird das Millionenprojekt kaum zu realisieren sein. Foto: AFK/HALLO-Archiv

Grasbrunns 1. Bürgermeister zum Jahreswechsel

VON KLAUS KORNEDER Am 11. März 2011 gegen 9 Uhr wartete ich mit einigen Vertretern unseres Partnerschaftskomitees auf den Aufruf unseres Fluges AF 1423 über Paris nach Rennes, um unsere französische Partnergemeinde zu besuchen. Auf einem der zahlreichen Fernsehapparate verfolgten wir die Bilder des schrecklichen Erdbebens und Tsunamis in Japan. Aber erst in den folgenden Tagen wurde uns die Größenordnung der Zerstörung und der Reaktorkatastrophe in Fukushima deutlich. Diese Katastrophe hat die Welt verändert. Vielen wurde erstmals bewusst, dass ein atomares Unglück dieses Ausmaßes auch eine führende und hochtechnisierte Industrienation treffen kann. Die Bundesregierung hat die Konsequenz daraus gezogen, die kurz vorher beschlossene Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke aufzukündigen und Ende Juni mit dem „Dreizehnten Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes (AtG)“ den stufenweisen Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie bis 2022 zu beschließen. Bei der Umsetzung dieser Entscheidung sind auch die Kommunen gefordert. Auch die Gemeinde Grasbrunn muss sich damit der Herausforderung stellen, regenerative Energieformen wie Geothermie, Windenergie und Photovoltaik bzw. Solarenergie auf kommunaler Ebene weiter zu fördern und derlei Projekte zu unterstützen. Investoren für Geothermieprojekt gesucht Es zeichnet sich ab, dass eine Realisierung des Geothermieprojekts alleine durch die Gemeinden Grasbrunn, Vaterstetten und Zorneding finanziell wahrscheinlich nicht möglich ist; daher wurden gemeinsam eine Vielzahl von Gesprächen und Verhandlungen mit möglichen Investoren geführt. Im Mai dieses Jahres fand ein Abstimmungsgespräch mit der Kommunalaufsicht des Landratsamts statt. Dies hatte zum Ergebnis, dass Grasbrunn voraussichtlich in der Lage ist, eine Eigenbeteiligung in Höhe von 5 Mio. Euro einzubringen. Eine Prüfung, wie groß der finanzielle Spielraum für die erforderlichen Investitionen bei den Nachbargemeinden ist, steht allerdings noch aus. Sobald hierüber Klarheit besteht, werden die Gemeinderäte der Partnergemeinden gemeinsam entscheiden, ob und gegebenenfalls auch wie das Geothermieprojekt umgesetzt werden kann. Bereits im Februar dieses Jahres wurde das Planungsbüro Markert mit der Erstellung eines Windkraftgutachtens beauftragt. Die Ergebnisse wurden dem Gemeinderat im Oktober vorgestellt. Eine Festlegung zur Ausweisung sogenannter Konzentrationsflächen, innerhalb derer Windenergieanlagen errichtet werden können, erfolgte bislang noch nicht, steht aber in Kürze an. Auch wenn das Errichten von Windenergieanlagen eine Veränderung unserer Landschaft bedeuten mag, die manch einer als körperliche, ein anderer als lediglich ästhetische Beeinträchtigung empfindet, ist es eine Möglichkeit für das Erreichen des Ziels „Ersatz atomarer Energieerzeugung“. Darüber hinaus behält sich die Gemeinde mit dem Ausweis geeigneter Flächen die Planungshoheit vor. Alternativ läge die Entscheidung, ob und gegebenenfalls wo privilegierte Windkraftanlagen errichtet werden, bei den Energieunternehmen. Beim Thema Photovoltaik zeigt sich, dass die öffentliche Hand einiges nachzuholen hat. Viele Bürger haben hier bereits einen Weg eingeschlagen, private Flächen für diese Form der Energieerzeugung sinnvoll zu nutzen. Angestoßen durch den im letzten Jahr begonnenen Ortsleitbildprozess sollte hier nicht nur nachgedacht, sondern konkret geprüft werden, welche Flächen der öffentlichen Verwaltung sich ebenfalls zur Energieerzeugung durch Photovoltaik oder Solarenergie eignen und wie diese gegebenenfalls durch Investoren finanziert werden könnten. Leitbild jetzt umsetzen Das zeigt deutlich: Das Thema Energie wird in den kommenden Jahren auch in unserer Gemeinde das zentrale Thema sein. Gleichwohl gilt es, die Bedeutung anderer sozialer und gesellschaftlich wichtiger Themen, wie z.B. viele der im Ortsleitbild erarbeiteten Projekte nicht aus dem Auge zu verlieren und hier eine Ausgewogenheit sicher zu stellen. Im Rahmen des Leitbildprozesses haben sich das ganze Jahr über Grasbrunner Bürger in Bürgerforen und Diskussionen in den Themengruppen inhaltlich und zeitlich stark engagiert, wichtige Impulse und Anregungen eingebracht und damit die Diskussion um die Zukunft Grasbrunns belebt. Allen hier Beteiligten dafür im Namen der Gemeinde Grasbrunn ein Dankeschön. Nun können im nächsten Jahr konkrete Projekte breiter diskutiert und vielleicht schon zur Umsetzung auf den Weg gebracht werden. Ein Dank gilt aber auch all denjenigen, die sich in den Vereinen und Organisationen ehrenamtlich engagieren und das Gemeindeleben damit sehr bereichern. Ein solches, privates Engagement ist keineswegs selbstverständlich, wird aber immer bedeutsamer in einer Zeit, in der wir perspektivisch die gesellschaftliche Entwicklungen und Umbrüche nicht mehr übersehen können. In Grasbrunn gibt es ein vielfältiges, buntes Vereinsleben, auch im kommenden Jahr stehen Feierlichkeiten und Jubiläen an, die mit eigenen Programmen gefeiert werden; so wird in 2012 in Grasbrunn ein neuer Maibaum aufgestellt und der TSV feiert sein 55jähriges Bestehen. Auch der Austausch mit unserer Partnergemeinde Le Rheu/Bretagne wird weiter belebt, indem sich beispielsweise die Pfadfinder oder die Feuerwehren beider Partnergemeinden eigenständig vernetzen und treffen. Die Sanierung eines kulturhistorischen Kleinods, der Kirche St. Aegidius in Keferloh, wird durch den großartigen Einsatz des Fördervereins weiter vorangetrieben. Fördermittel konnten in großem Rahmen dank beherzter Initiative der Mitglieder akquiriert werden, so steht in Aussicht, dass eine der ältesten romanischen Kirchen Oberbayerns bald wieder für kirchliches aber auch kulturelles Leben zur Verfügung stehen wird. Stetigs Wachstum Unsere Gemeinde wächst beständig, Anfang Dezember haben wir die Marke von 6.500 Bürgern überschritten. Der Zuzug ist weiterhin spürbar. Damit wird die Gemeinde aber auch vor immer neue Aufgaben gestellt. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in allen Bereichen, Krippe, Kindergarten und Hort ist ungebrochen und könnte sogar noch leicht ansteigen. Die wirtschaftliche Entwicklung in Grasbrunn zeigt trotz kleiner Rückschläge durchaus positive Signale. So konnte die Gemeinde Grasbrunn am allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in 2011 partizipieren, die Gewerbesteuereinnahmen stiegen unerwartet stark auf 12 Mio. Euro, einem Wert, wie er in dieser Höhe in Grasbrunn noch nie erreicht wurde. Jedoch gilt es für die Zukunft Besonnenheit und Ruhe zu bewahren, angesichts der drohenden Euro- und eventuell sogar europaweiten, wirtschaftlichen Krise, von der noch niemand sagen kann, wo sie uns hinführt. Die Verwaltung will die positive Entwicklung der Gemeinde aktiv gestalten, sei es durch Dienstleistungsangebote wie einem bürgerfreundlichen Internetauftritt, der in 2011 online ging, eines Umbaus zur barrierefreien Nutzung der Schulturnhalle in Neukeferloh oder eines klaren politischen Bekenntnisses, wozu die Gemeinde Grasbrunn in 2011 das Emblem „Gentechnikfreie Gemeinde“ verliehen bekam.

Auch interessant:

Meistgelesen

Gut besuchte Bürgerversammlung in Haar
Gut besuchte Bürgerversammlung in Haar
Kulturstrand: Stimmungsoffensive für den Willy-Brandt-Platz
Kulturstrand: Stimmungsoffensive für den Willy-Brandt-Platz
Grünen Bürgermeisterkandidat Ulrich Leiner im Portrait
Grünen Bürgermeisterkandidat Ulrich Leiner im Portrait

Kommentare