Einfach leben mit gutem Wohlgefühl

Bestens besucht war der kirchlich-kommunale Neujahrsempfang im Gemeindehaus der Jesuskirche, den Pfarrerin Hirschsteiner mit ihrem etwas längeren Grußwort eröffnete.

„Einfach leben“ war ihr Neujahrswunsch, wohl wissend, dass erfahrungsgemäß das Leben nicht einfach sei. „Einfach leben“ beschreibe eine Lebenshaltung, die sich auf das Wesentliche konzentriere. Es gelte alltagstaugliche Lebensformen zu entwickeln. „Ehrlich gesagt, ich bin sehr skeptisch gegenüber Lebensratgebern, die mir suggerieren, dass ich erst dann ich selbst bin und zum wirklichen Leben vordringe, wenn ich alle meine anderen Probleme vorher gelöst habe, wenn ich also entschlackt, entschuldet, entängstigt bin“, so Hirschsteiner. Sie halte es mit dem Apostel Paulus „Prüfet alles, das Gute aber behaltet!“ Politische Dimension der Seelsorge Seelsorge habe auch eine politische Dimension, so Hirschsteiner, wer Seelsorge betreibe komme an politischen Fragen nicht vorbei. Sie ist überzeugt, Politik und Seelsorge, öffentliches Leben und persönliche Begegnungen greifen ineinander. „Wir sind miteinander im konstruktiven Gespräch wie wir in Haar ‚einfach leben’ können oder Lebensräume dafür schaffen. Ihr besonderer Dank galt Sabine Mautner und ihrem Team, die für das leibliche Wohl der Gäste sorgten. Heiter und nachdenklich zugleich Mit einem launigen Rückblick über Zukunftsprognosen, Schlagerwettbewerb und Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr und einem aktuellen Blick auf Entwicklungen in Italien, Niederlande und Belgien stimmte Bürgermeister Helmut Dworzak sein Publikum heiter und nachdenklich zugleich. Gute Laune herrsche in Deutschland und im Deutschen Bundestag Einigkeit über große gesellschaftliche Fragen wie Umweltschutz, sozialer Ausgleich und Freiheit – gestritten werde nur über die Umsetzung, das „Wie“, mit deutscher Gründlichkeit bis in die kleinste Kleinigkeit. Als Haarer Bürgermeister könne er über die Stuttgarter Proteste nur staunen. „Ich hätte es ja verstanden, wenn Menschen protestieren, weil die Bahn nichts tut. Aber dass die Bahn endlich etwas tut und deshalb tausende von Wutbürgern produziert, kann jemand, der seit acht Jahren auf eine Lärmschutzwand wartet, nur staunend zur Kenntnis nehmen. Von einer Tieferlegung wagen wir ja gar nicht zu träumen.“ Und verschmitzt versprach Dworzak das nächste Schreiben an den Minister zum Thema Lärmschutzwand Fremdwort-frei zu formulieren. In diesem Zusammenhang frotzelte er über den „ZSSZ“, den „Zwischen-Stadt-Schnell-Zug“ auch als ICE bekannt, um dann den großen Sprung zur Euro-Region und den darin agierenden Vermögensverwaltungsgesellschaften zu machen. Quintessenz des Exkurses in die Wirtschaft: „Selbst so starke Länder wie Deutschland können langfristig im internationalen Konzert mit Indien, China und Brasilien nicht mitspielen. Wir brauchen dieses vereinte Europa und auch die Partnerschaft mit Russland, um unseren Wohlstand auch in diesem Jahrhundert zu sichern“. Bildung „Wir haben bei Pisa aufgeholt, unsere Kinder werden gescheiter“. Doch Gemach, denn die Selbstmordquote der Schüler bei den Spitzenländern ist beträchtlich. „Leistung ist nicht alles“, warnte er. Und richtete ein ganz herzliches Danke an die Haarer Unternehmen, die mit ihren Spenden das Haarer Programm „Kindern eine Chance geben“ unterstützen. Derzeit bezahle man davon auch Förderunterricht für einzelne Kinder am Vormittag, parallel zum normalen Unterricht. Der Bund sollte statt der Bildungskarten für Harz-IV-Kinder, in Haar über 300, die Finanzmittel direkt an die Gemeinde geben, „denn wir sind näher an den Menschen“, forderte Dworzak. – A.R. –

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