Eine Bürgerstiftung für Haar?

Von einzelnen Projekten wie „Kindern eine Chance geben“ und dem Silvesterfeuerwerk bis zu festen gemeindlichen Institutionen wie dem Haarer Tisch unterstützt die Gemeinde Haar ihre Bürger in vielen Lebensbereichen. Dennoch beschäftigte sich der Haarer Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit der Frage, ob man in Haar eine Bürgerstiftung gründen solle oder nicht.

„Wir haben schon einen hohen Level. Es stellt sich die Frage, ob man die Projekte einer Stiftung übergeben kann“, weiß Bürgermeister Helmut Dworzak natürlich um die vielen, bereits bestehenden sozialen Hilfestellungen innerhalb der Gemeinde. Eine Bürgerstiftung wäre sinnvoll, wenn sie als „Netzwerkbilder“ zwischen den einzelnen Projekten vermittelte. Ulf-Arne von Trotha, Mitinitiator und Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Landshut, der von seinen Erfahrungen berichtete, sagte, dass eine Bürgerstiftung dazu diene, den Bürgern, die sich engagieren wollen, einen Ansprechpartner zu geben. Auch die Angst anderer Gruppen, mit einer Bürgerstiftung am Ort weniger Spenden zu erhalten, sei unbegründet. „Eine Bürgerstiftung ist keine Konkurrenz für bestehende soziale Organisationen“, betont von Trotha. Neben der Netzwerkbildung sei die Stiftung vor allem eine weitere Unterstützung für die Bürger. „Tu Gutes und rede darüber“, ist das Motto der Stiftung, sagt von Trotha weiter. Das sei aber „keine Frage der Eitelkeit, sondern eine Frage der Motivation, andere mitzureißen“. Bürger helfen Bürger, unabhängig ihrer politischen Parteilichkeit, Religions- oder sonstiger Vereinszugehörigkeit. „Wir sind nicht von einer anderen Organisation wie Kirche oder Parteien abhängig und daher nicht instrumentalisierbar“, erklärt von Trotha. Eine Stiftung kann auch viel mehr erreichen, als kleinere Einzelprojekte: In Landshut ist ein eigenes Bürgerhaus geplant, das unter Leitung der Stiftung Anlaufstation und Treffpunkt für alle Generationen ist. Bei der Aktion „Buntstift“ etwa wurde ein Schulbedarfsladen ins Leben gerufen. Hier bekommen Schulkinder neue oder neuwertige Schulsachen, um ihnen von Beginn an eine Außenseiterrolle in der Schule zu ersparen. Der Wirkungsbereich muss aber nicht auf das Soziale beschränkt bleiben. Umweltschutz etwa lässt sich ebenfalls problemlos integrieren. „Ich dachte immer, dass eine Stiftung dafür da ist, möglichst viel Geld zu sammeln. Hier ist sie aber Keimzelle ganz vieler Aktivitäten“, stimmt Gabi Müller, Haars Zweite Bürgermeisterin, den Überlegungen zu. Um eine Bürgerstiftung gründen zu können, braucht es aber ein Startkapital von 50.000 Euro. Die Gemeinde kann eine Anschubfinanzierung geben, doch wird die Stiftung auf Spenden der Bürger angewiesen sein. „Eine größere Spende einer Privatperson werde ich für die einzelnen Projekte nie bekommen – für eine Stiftung aber schon“, hofft Dworzak auf Unterstützung, sollte die Bürgerstiftung Realität werden. Mit diesem „mehr“ an Geld können viele Projekte, Gruppen, Organisationen und auch Einzelpersonen (weiter) unterstützt werden. – KF –

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