Dieter Hanitzsch bei der CSU

Viel Gelächter gab es bei der Premiere der „politischen Stammtischgespräche“ des CSU-Landtagsabgeordneten Markus Blume. Der Waldperlacher Karikaturist Dieter Hanitzsch parierte Blumes Fragen überaus schlagfertig und ging mit der CSU bisweilen hart ins Gericht. Trotzdem erklärte Blume hinterher: „Es hat noch nie so viel Spaß gemacht, auf die Schippe genommen zu werden.“

Hätte ihn mal jemand gefragt! Dann würde Dieter Hanitzsch heute wahrscheinlich nicht mit spitzer Feder Politiker aufs Korn nehmen, sondern würde selbst auf der Polit-Bühne agieren. Aber: „Es hat mich nie jemand angerufen!“ Ob er zugesagt hätte? „Es ist reizvoll, Verantwortung zu übernehmen.“ Auch wenn Kritisieren natürlich viel einfacher sei. Wenn schon, dann regieren In welche Partei der bekannte Karikaturist Hanitzsch gegangen wäre, ließ er offen. Jedoch: „Also wenn schon, muss man auch regieren.“ Den Einwurf von Markus Blume, dass dies in Bayern ja wohl die CSU bedeute, konterte Hanitzsch wiederum augenzwinkernd damit, dass die CSU offensichtlich ihren Hochmut noch immer nicht ganz abgelegt habe. Hanitzsch als neuer CSU-Generalsekretär wie es die Perlacher CSUler als Vision per Beamer in den Saal der Gaststätte „Egger im Hufnagel“ warfen? „Müss’ ma noch mit dem Parteivorsitzenden klären“, befand der Karikaturist schmunzelnd. Gelernter Brauer „Sie haben ja auch mal was Seriöses gemacht“, fragte Blume zum Lebenslauf des Meisterkarikaturisten, woraufhin er gleich die Gegenfrage kassierte: „Ist das jetzt also was Unseriöses?“ Tatsächlich ist Dieter Hanitzsch gelernter Brauer und studierter Diplom-Brauerei-Ingenieur. „Der flüssige Strich, das flüssige Bier – das hat vieles gemeinsam.“ Hanitzsch ist denn auch Erfinder des Slogans „Gut, besser, Paulaner“. Der Bonus damals sei für heutige Verhältnisse nicht hoch gewesen, erzählt der zeichnende Journalist. Zum Abschied als Werbeleiter der gleichnamigen Brauerei gab’s jedoch die lebenslange Einladung zur Salvatorprobe. „Das ist beinahe mehr wert als Geld.“ Danach arbeitete Hanitzsch als Wirtschaftsjournalist für den Bayerischen Rundfunk, wurde Chefkarikaturist der Illustrierten Quick. Heute ist er politischer Karikaturist für die „Süddeutsche Zeitung“, die Berliner Morgenpost, den Focus und den Bonner „General-Anzeiger“. Mit Strauß hat alles angefangen Doch wie ist er eigentlich Karikaturist geworden? Angefangen habe alles mit einer Karikatur des CSU-Urgestein Franz-Josef Strauß, die er einfach mal an die Süddeutsche Zeitung geschickt habe und die gleich veröffentlicht wurde. Später habe er dann mit seiner Frau beschlossen, die Nebentätigkeit zum Hauptberuf zu machen. Besonders seine Darstellungen von Franz Josef Strauß wurden zu Bestsellern. Der habe ihn mal bei einer Veranstaltung gefragt: „Warum verfolgen Sie mich eigentlich seit 20 Jahren?“ Hanitzsch Antwort: „Ich verfolge Sie nicht, ich zeichne nur, was Sie machen.“ Lange nach FJS, im Jahr 2007, hat Dieter Hanitzsch für seine Arbeit dann sogar den Bayerischen Verdienstorden erhalten. „Das gibt es auch nur in Bayern, dass das Opfer den Täter auszeichnet.“ Hofnarren von früher Die einen Politiker würden sich ärgern, wie sie gezeichnet werden, die anderen, wenn sie nicht gezeichnet würden. „Wir sehen uns eigentlich als die Hofnarren von früher, die alles sagen durften zu den Herrschenden.“ Allerdings zeichne er nichts, was den Glauben anderer Menschen verletze, so Hanitzsch ernst. Tabu seien für ihn auch Behinderungen – „Man muss sie darstellen können wie bei Schäuble, aber man darf sich nicht darüber lustig machen“ – und sexuelle Neigungen. „Westerwelle im Röckchen würd’ ich nie machen.“ Vielmehr gehe es darum, das Ohr nahe am Menschen zu haben. Karikable Köpfe Es gebe Köpfe, die zeichnen sich sehr gut, wie beispielsweise Merkel, Steinmeier oder Müntefering, erklärte Hanitzsch. Blume habe auch einen „karikablen Kopf“, befand der Karikaturist. „In Bayern habe ich jahrelang ein ideales Opfer gehabt, den Stoiber, der geht mir richtig ab.“ Mit Seehofer habe er ein Problem – wie andere Karikaturisten-Kollegen auch. „Der ist nicht zu erwischen, der hat nicht nur ein Gesicht, sondern hunderte.“ Ihm könne er es ja verraten, meinte daraufhin Blume schelmisch. „Das ist die neue Strategie der CSU.“ Ob er das verwenden dürfe, reagierte Hanitzsch sofort. „Das könnt’ ich beim Froschhammer gut brauchen.“ Hart ins Gericht Beim Gespräch mit Blume ging Hanitzsch mitunter mit der CSU hart ins Gericht. „Das wird nichts mehr mit dem Werbeblock für die CSU heute.“ Der Karikaturist ließ aber auch andere Parteien nicht ungeschoren davonkommen. Er kritisierte die Gesundheitsreform, die Bundeswehreinsätze in Afghanistan und erntete großen Beifall, als er die Gier mancher Manager verurteilte. Was für ihn als Waldperlacher im Münchner Osten ein Thema wäre? „Fragen’s mich was Leichteres?“, so Hanitzsch. Seine Frau Mercedes Hanitzsch hingegen wusste gleich eins: „Die Verlängerung der Ständlerstraße!“ Seit 1976 wohnt das Ehepaar in Waldperlach, gleich ums Eck von ihrem Freund, dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt. „Wir sind restlos glücklich, es ist wunderschön.“ Hier sei seine Frau die Chefin, verriet der Karikaturist schmunzelnd. „Wenn ich bei mir zuhause die absolute Macht hätte, würde ich überschnappen.“ Carmen Ick-Dietl

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