Container-Anlage für Wohnungslose in Riem im Stadtrat beschlossen

Stadt sieht sich zum Handeln gezwungen

An der Galopperstraße entsteht die neue Anlage für Wohnungslose.
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An der Galopperstraße entsteht die neue Anlage für Wohnungslose.
  • VonThomas Fischer
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An der Galopperstraße in Riem werden kurzfristig rund 85 Bettplätze zur Versorgung Wohnungsloser geschaffen. Dies hat der Sozialausschuss des Münchner Stadtrats beschlossen.

Münchens Politik sieht dringenden Handlungsbedarf. „Durch den anhaltend hohen Zugang von Personen in das städtische Unterbringungssystem und die anstehende Schließung von drei Unterkünften zur Versorgung wohnungsloser Alleinstehender und Paare ist der Bedarf an zusätzlichen Unterbringungsplätzen, insbesondere für diese Zielgruppe, sehr hoch“, heißt es in der Beschlussvorlage. So würden in der Bayernkaserne Haus 42 86 Bettplätze wegfallen, in der Pension Central 60 und an der Ottobrunner Straße 90-92 sogar 165. Zudem habe sich der dringende und hohe Bedarf durch die Corona-Pandemie weiter erhöht.

Die Landeshauptstadt München stehe ständig vor der Herausforderung, neue Standorte zu akquirieren und Kapazitäten zu schaffen, um dem weiterhin sehr hohen Bedarf an zusätzlichen Unterbringungsplätzen gerecht zu werden. Gründe für den stetig steigenden Bedarf seien unter anderem der außerordentlich angespannte Wohnungsmarkt, die wachsende Stadtbevölkerung, steigende Mietpreise, fehlende Sozialwohnungen sowie der Verbleib von Geflüchteten mit einem Bleiberechtsstatus im Stadtgebiet. Derzeit liegt die Zahl der Wohnungslosen im Stadtgebiet nach Angaben des Sozialreferats bei rund 8500 Personen, davon etwa 1700 Kinder und Jugendliche.

Deshalb soll jetzt an der Galopperstraße in Riem kurzfristig ein neuer Standort zur Unterbringung wohnungsloser Haushalte mit rund 85 Bettplätzen realisiert werden. Das Sozialreferat plant, die unbebaute, unerschlossene städtische Fläche zur Versorgung wohnungsloser Einzelpersonen und Paare zu nutzen.

Die Fläche mit einer Größe von rund 3200 Quadratmetern ist eigentlich im Rahmen der Schulbauoffensive fest verplant – allerdings voraussichtlich erst in etwa 15 Jahren. Deshalb wurde das Grundstück dem Sozialreferat zur zwischenzeitlichen Nutzung angeboten.

Aufgrund der begrenzten Nutzungsdauer will die Stadt möglichst schnell einen Beherbergungsbetrieb errichten. Deshalb wird zunächst auch auf ein bestehendes Vertragsverhältnis zwischen der Landeshauptstadt München und der Betreiberin des ehemaligen Objekts an der Joseph-Wild-Straße 3 zurückgegriffen. Die Nutzung auf diesem Grundstück musste aufgrund des zu erwartenden Bedarfes des Schulreferats vorzeitig beendet werden. Für die verbleibende Laufzeit von dreieinhalb Jahren für dieses Vertragsverhältnis soll die Betreiberin den Vertrag auf dem Grundstück in der Galopperstraße fortführen und dafür einen Beherbergungsbetrieb in Modulbauweise bereitstellen. Während dieser dreieinhalb Jahre sollen die mittel- und langfristigen Planungen durch das Sozialreferat fortgesetzt werden. Die sozialpädagogische Betreuung der untergebrachten Personen vor Ort soll durch bestehendes Personal des Fachbereichs Pädagogik des Sozialreferates/Amt für Wohnen und Migration erfolgen.

Der Bezirksausschuss Trudering-Riem stimmt der „temporären Unterbringung von Wohnungslosen in Container ausdrücklich als Notfallmaßnahme, nicht als dauerhafte Unterbringung zu, heißt es in der Stellungnahme des Gremiums. Allerdings knüpfte der BA seine Zustimmung an einige Bedingungen. So sollen Infoflyer in der Nachbarschaft in den Wochen nach der Beschlussfassung im Stadtrat verteilt werden. Außerdem ist ein Tag der offenen Tür kurz vor Eröffnung der Unterkunft, die im September oder Oktober erfolgen könnte, geplant. Neben betroffenen Bürgern, den Mitgliedern des BA 15 und Vertretern des Sozialreferats werden zu diesem Termin unter anderem auch die zuständige Polizeidienststelle, Vertreter der Betreiberin sowie Regionale Netzwerke für Soziale Arbeit in München (REGSAM) eingeladen. „Sollte darüber hinaus der Wunsch des BA nach einer gesonderten Bürger-Informationsveranstaltung per Videokonferenz bestehen, kommt das Sozialreferat diesem gerne nach“, verspricht die Stadt. Außerdem soll das Projekt unter ständiger und intensiver Beobachtung stehen. Auch regt des BA die Suche nach einem möglichen Standort für einen Festbau an und will die Stadt bei der Suche selbst unterstützen.

Bei den Anwohnern herrscht angesichts der städtischen Pläne Verunsicherung. Sie kritisieren, dass die Anwohnerschaft im Vorfeld nicht einbezogen worden seien. Sie hätten erst davon erfahren, als nachts um 2 Uhr erste Container angerollt seien und einige, nicht mal alle Haushalte, zwei Tage später ein schnelles Entschuldigungsschreiben im Briefkasten darüber erhalten hätten. Ihrer Ansicht nach sei der geplante Standort ungeeignet. Er liege in einem dicht besiedelten Gebiet, in einer Spielstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Kinderkrippe, einer Grundschule, einer Förderschule, eines Kindergartens, eines Kinderhortes, eines Hauses für Personen mit psychischen Störungen und eines Alten- und Pflegeheimes. Und dies alles auf unmittelbarem engem Raum. Deshalb befürchten die Anwohner, dass in Riem ein neuer sozialer Brennpunkt entstehen könne.

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