Mit der Kraft des Sportes hilft Clemens Mulokozi aus Trudering afrikanischen Kindern

Immer in Bewegung für Tansania

Der Gründer des Hilswerks Jambo Bukoba, Clemens Mulokozi aus Trudering, hat im August mit einem Lauf Spenden gesammelt. Sein Team Tansania brauchte dringend ein neues Fahrzeug.
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Der Gründer des Hilswerks Jambo Bukoba, Clemens Mulokozi aus Trudering, hat im August mit einem Lauf Spenden gesammelt. Sein Team Tansania brauchte dringend ein neues Fahrzeug.

Mit speziellen Sportprojekten unterstützt die Münchner gemeinnützige Organisation Jambo Bukoba seit zwölf Jahren Kinder und Jugendliche in Tansania. Mit Sport lässt sich viel bewegen. Das hat der Gründer des Kinderhilfswerks, Clemens Mulokozi, jüngst wieder gezeigt. 500 Kilometer wollte er in einem Monat laufen und Spenden für Tansania sammeln. Es ist ihm gelungen!

Abstand, Hygiene, Alltagsmasken — die sogenannten AHA-Regeln sollen den Alltag und nun auch den Schulbetrieb trotz Corona wieder ermöglichen. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, tragen die Schüler Masken und halten Abstand. Und immer wieder hören Kinder und Jugendliche, dass sie an ein regelmäßiges Händewaschen denken sollen. Wie aber waschen sich Schüler die Hände, wenn das Wasser nicht einfach so aus der Leitung kommt? Clemens Mulokozi aus Trudering hat vor zwölf Jahren die Hilfsorganisation Jambo Bukoba gegründet, die sich für Projekte in Tansania einsetzt. „In Tansania gibt es manchmal nicht mal Wasser zum Trinken. Und wenn man auf die Toilette geht, steht da mit Glück ein Eimer Wasser“, erzählt der Gründer der gemeinnützigen Organisation. Jambo Bukoba setzt sich im Nordwesten Tansanias vor allem für junge Menschen im Alter von fünf bis 14 Jahren ein. Jambo bedeutet Hallo, Bukoba ist eine Stadt in der Region Kagera. Mit Sportprogrammen macht sich die Organisation für eine bessere Bildung, Gesundheit und Gleichberechtigung stark. Mulokozis Kinderhilfswerk verbessert die Bildungsqualität, indem sie sich dafür einsetzt, dass Schulgebäude und Klassenzimmer renoviert oder junge Menschen über Krankheiten wie Aids — und jetzt eben über Corona — aufgeklärt werden.

„Vor allem mit Sport gelingt es uns da, spielerisch wichtige Botschaften zu vermitteln“, so Mulokozi. „Beim Fußball zum Beispiel müssen sich ein Mädchen und ein Junge an der Hand halten. Es zählen aber nur die Tore, die das Mädchen schießt. So können wir Mädchen stärken und ihnen Selbstbewusstsein vermitteln und gleichzeitig bei den Jungen, Vorurteile abbauen, dass die Mädchen nichts können würden.“ Jambo Bukoba bietet mit seinen Projekten Menschen in Tansania eine Plattform, bei der sie lernen, wie sie selbst etwas für sich und andere tun können.

Für gewöhnlich zwei bis drei Mal im Jahr vor Ort

Für gewöhnlich reist Mulokozi drei bis vier Mal im Jahr nach Tansania. „Nun hoffe ich, nach langer Zeit Ende Januar 2021 wieder aufbrechen zu können. Mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit bin ich bei dem Finale unseres großen Sport-Wettkampfs, den man mit unseren Bundesjugendspielen vergleich könnte, dabei. Wir nutzten diesen Termin, um Ehrenamtlichen, die für uns tätig sind, oder mit Repräsentanten von Stiftungen, mit denen wir zusammenarbeiten, vor Ort einen Eindruck von der Lebenswirklichkeit in Afrika vermitteln. Die Gegend, in der wir tätig sind, ist eine wirklich ländliche Region“, so der Vorsitzende des Kinderhilfswerks. Der in München geborene Mulokozi wohnte als Kind selbst einige Jahre in Tansania. Als er fünf Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern und seiner Schwester in die Heimat seines Vaters. Als sich die Eltern sieben Jahre später trennten, kehrte Mulokozi zurück nach Deutschland. Sein Vater, der mittlerweile verstorben ist, hatte in den 1960er-Jahren dank eines Stipendiums in München studiert und dort Mulokozis Mutter kennengelernt. Der heute 55-Jährige hat in München Abitur gemacht und begann zunächst Musik zu studieren, bevor er umsattelte und sowohl bei Werbeagenturen als auch viele Jahre bei einer Bank arbeitete. Bei der Gründung seiner gemeinnützigen Organisation im Jahr 2008 arbeitete er zunächst noch bei der Bank weiter, bis er sich dazu entschied, in Vollzeit für Jambo Bukoba als Vorstand da zu sein. 2015 erhielt Mulokozi den Startsocial-Bundespreis, von Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich überreicht. Heute, zwölf Jahre nach der Gründung, lenkt Mulokozi seine Organisation von München aus, in Tansania gibt es mittlerweile ein eigenes Büro mit acht Mitarbeitern. Mit der Corona-Pandemie mag die Distanz zwischen Deutschland und Tansania aber wieder größer geworden sein. „In der öffentlichen Berichterstattung über Corona ist Afrika erst seit zweieinhalb bis drei Monaten überhaupt wieder ins Blickfeld gerückt“, so Mulokozi. Bei Ausbruch der Pandemie konzentrierte sich jeder Einzelne nur auf sich selbst. Tansania selbst habe die Corona- Gefahr lange Zeit negiert. „Noch zu Ostern hatte der Präsident dazu aufgerufen, für die Gesundheit zu beten. Menschen kamen in Kirchen oder Moscheen zusammen — ohne Masken, ohne Abstand.“ Corona wurde weltweit zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein Thema. Mulokozi bedauert es daher, dass viele Länder und Staaten es aber versäumt hätten, rechtzeitig zu vergleichen und den Blick mehr nach außen zu lenken. „Man hätte Szenarien woanders beobachten und Konsequenzen ziehen können“, so der 55-Jährige. Eine seiner Mitarbeiterinnen in Tansania hätte ihren Geschmacks- und Geruchssinn für eine Zeit verloren, bei einem anderen wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert. Doch mit Corona brachte man beides in Tansania nicht in Zusammenhang. Keine leichte Zeit also, um die Verantwortung für eine Organisation und für Mitarbeiter in Tansania zu tragen. „Unsere Spenden sind ja eigentlich zweckgebunden, für ein Bauprojekt zum Beispiel. Nun aber hatten wir plötzlich höhere Ausgaben, nur um unsere Mitarbeiter vor Ort zu schützen.“ Auch in Tansania seien Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen für etwa drei Monate geschlossen gewesen. Nun hat die Schule auch in Tansania wieder begonnen und die Schüler sind in Gebäude zurückgekehrt, dessen hygienische Bedingungen teilweise grausam seien. „Corona ist wie ein Brennglas“, sagt Mulokozi. „Vieles, was unterschwellig zuvor schon da war, bricht nun durch Corona erst richtig durch.“ Und wieder seien es zudem die Mädchen, die besonders leiden. „Mit dem Druck und der Spannung wächst auch die häusliche Gewalt, speziell gegenüber Mädchen“, so Mulokozi. Vor Ort kann er frühestens im Januar 2021 sein, doch Spenden, die kann der Truderinger auch jetzt für sein Kinderhilfswerk sammeln. Am 1. August nahm Mulokozi daher eine Herausforderung an: 500 Kilometer wollte er innerhalb eines Monats laufen und damit Geld für ein neues Fahrzeug, das vor Ort in Tansania dringend benötigt wird, zu sammeln. Es sei schon schwierig, Geld für Kinder zu sammeln, und für ein Fahrzeug erst recht. Desto mehr freut er sich, dass er mit seiner Lauf-Challenge sein Spendenziel nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen hat. „15.000 Euro benötigten wir, mehr als 21.000 sind schon zusammengekommen“, freut sich Mulokozi und hat es wieder bewiesen: Sport kann jede Menge bewegen!
Verena Rudolf

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