Der April 2020 ist Christina Hesses letzter Monat im Kulturzentrum Trudering

Ein Abschied vor leeren Stuhlreihen

Verabschiedet sich nach acht Jahren als Geschäftsführerin vom
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Verabschiedet sich nach acht Jahren als Geschäftsführerin vom

Das Truderinger Kulturzentrum hat wie alle anderen Kulturhäuser in der Corona- Krise geschlossen. Es ist eine eigenartige Zeit, in der sich Geschäftsführerin Christina Hesse nach achtjähriger Tätigkeit von Trudering verabschiedet.

„Von Menschen, die ein Haus veredeln“ war Mitte März in unserer Zeitung die Rede, als die Geschäftsführerin des Kulturzentrums Trudering, Christina Hesse, und Peter Wagner, Vorstandsmitglied des Stadtviertelhauses, auf 15 Jahre erfolgreiche Kulturarbeit zurückblickten. Doch die in dem Artikel angekündigte Jubiläumsfeier am Freitag, 20. März, musste abgesagt werden. Die Corona-Zeit begann, die Kultur-Zeit endete. Das Haus an der Wasserburger Landstraße ist geschlossen, es gibt keine Menschen, die täglich durch das Haus wuseln, keine Künstler, die auf der Bühne stehen. Teilnehmer von Kursen müssen derzeit zuhause bleiben. Und ausgerechnet jetzt muss Christina Hesse, die das Haus lange veredelt hat, Abschied nehmen. „Ich habe mir meinen Abschied ganz anders Verabschiedet sich nach acht Jahren als Geschäftsführerin vom Truderinger Kulturzentrum: Christina Hesse. Foto: oh vorgestellt“, erzählt Christina Hesse am Telefon. Sie sitzt während des Gesprächs allein im Büro des Kulturzentrums. „Von unserem Team ist immer nur einer im Büro, die anderen arbeiten von zuhause aus“, erzählt sie. Ihre Arbeit konnte sie in den vergangenen Wochen gut daheim per Telefon und E-Mail erledigen. Nun hat also genau das geklappt, was ihr der Vorstand zuvor nicht zugestehen wollte: Mehr von zuhause aus zu arbeiten, um so Beruf und Familienleben noch besser miteinander zu vereinbaren. Ein Grund für Hesse, als Geschäftsführerin des Kulturzentrums zu kündigen. Doch sie zeigt auch Verständnis für diese Meinung des Vorstands. „Alle Bewerber schaue ich mich nicht nur im Internet an, ich besuche Auftritte von ihnen, um herauszufinden, ob sie zu uns passen“, erzählte sie der HALLO bei einem Interview im März. Ihr Job brachte nun mal viele Abendtermine mit sich, für eine Mutter nicht immer leicht. Den April nun hätte Hesse gerne dafür genutzt, von all ihren Weggefährten in Trudering persönlich Abschied zu nehmen. „Das wäre zum einen bei der Jubiläumsfeier in einem schönen und feierlichen Rahmen möglich gewesen. Und zum anderen hätte ich auch gerne den Nachhaltigkeitstag, der jetzt am 26. April hätte stattfinden sollen und eines meiner Herzensprojekte war, zum Anlass nehmen können, mich von vielen in Trudering zu verabschieden.“ Doch anstatt andere zu umarmen und ein Glas Sekt mit ihnen zu trinken, verbrachte die scheidenden Geschäftsführerin ihre Zeit damit, Veranstaltungen abzusagen, mit Künstlern zu telefonieren und nach Ersatzterminen zu suchen. „Neue Termine lege ich alle ins Jahr 2021. Das hat zwei Gründe: Der Herbst ist schon voll durchgeplant. Und aktuell besteht einfach weiterhin eine große Unsicherheit, wann Kultur- Veranstaltungen wieder stattfinden können.“ Vorerst jedoch hat das Haus Termine bis 19. Mai abgesagt. Die Räume im ersten Stock werden nicht vermietet. „Wir stehen in engem Kontakt sowohl zum Kulturreferat der Stadt München, das uns als Stadtviertelhaus betreut, und zum Kreisverwaltungsreferat“, sagt Hesse. Doch etwas Gutes habe die Ruhe auch, fügt Hesse hinzu. Sie könne sich gut mit ihrem Nachfolger, Winfried Frey, absprechen. „Alle zwei Tage telefonieren wir miteinander und machen so intensiv und konzentriert die Übergabe“, erzählt Hesse. Frey ist den Truderingern bereits bekannt. Der Schauspieler, Autor und Regisseur hat die Gesamtleitung des Truderinger Ventils, dem Politiker- Derblecken im Münchner Osten, inne. Unter anderem die Reihe „Zukunftsgespräche“ hat er mit seiner Vorgängerin betreut. Doch so gut die Ruhe für die alte Chefin und den neuen Leiter des Hauses ist, Hesse bedauert es, in wenigen Tagen das Kulturzentrum Trudering ausgerechnet in der Corona- Zeit zu verlassen. „Es ist so schade, dass es so still ist in einem Kulturzentrum, das eigentlich ein Ort der Begegnung sein sollte.
Verena Rudolf

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