Seit zwei Jahren schimmelt es in der Wohnung

Hilfe, wir sind obdachlos!

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Abgeklebte Türen, offene Böden, schimmelige Wände: Für Mieterin Aysem Acar und ihre Familie ist ihre einstige Traumwohnung nur noch ein Alptraum.

Oberföhring - 2014 zog Familie Acar in ihre einstige Traumwohnung. Jetzt ist wohnen darin sogar zur Gesundheitsgefahr geworden - wegen Unmengen Schimmel

Löcher in Wänden und Böden, das Bad unbenutzbar, Türen abgeklebt, Trocknungsgeräte lärmen, Möbel und Kartons stapeln sich in Flur und Wohnzimmer: Was mal ein Familiennest war, ist jetzt eine Baustelle. Und fast überall Schimmel, der schwarzrot sprießt.

„Wir stehen vor dem Nichts, sind praktisch obdachlos“, sagt Mieterin Aysem Acar (32). Seit zwei Jahren kämpft die Familie gegen starken Schimmel in Kinderzimmer und Bad – Firmen versuchten, den Grund zu finden, bisher ohne Erfolg. Jetzt ist die gebürtige Münchnerin aus der Schimmelwohnung geflohen: „Als das ärztliche Gutachten kam, das eine Gesundheitsgefahr für meine Kinder bestätigte, habe ich die nötigsten Sachen gepackt und bin zur Schwiegermutter gezogen.“

In jeder Ecke der Wohnung hat sich Schimmel ausgebreitet.

Seitdem leben Zilan (12), Emre (5) und Defne (2) mit Mama und Papa bei der Oma – zu sechst, beengt im zehn Kilometer entfernten Neuperlach. Jeden Tag pendelt die Mutter von dort aus in Krippe, Kindergarten und Schule nahe ihrer verlassenen Wohnung: „Wir sind mit den Nerven am Ende. Die Kleinen leiden, haben mittlerweile Husten vom Schimmel. Meine Älteste kann sich in der Schule kaum noch konzentrieren.“ Wie es konkret weitergehen soll, weiß sie nicht. „Wir sind quasi obdachlos, lange können wir bei meiner Schwiegermutter nicht bleiben.“

Mit ihrer Vermieterin liegt sie im Clinch, beide haben Anwälte eingeschaltet. Gabriele Koch vertritt die Eigentümerin, die die Wohnung via Wohnungsamt vermittelte: „Meine Mandantin ist massiv bemüht, die Schadensursache zu finden. Es liegt wohl am Gebäude. Ob und was die Wohngebäudeversicherung zahlt, oder eine Baufirma belangt werden kann, wird gerade geklärt.“ Edith Petry vom Sozialreferat bedauert den Fall: „Die Stadt kann leider mangels gesetzlicher Grundlage nicht eingreifen, da es sich um ein privatrechtliches Mietverhältnis handelt. Deswegen fordern wir, wieder ein Wohnungsaufsichtsgesetz einzuführen.“ Bis das geschieht läuft Familie Acar aber die Zeit weg. Marie-Julie Hlawica

„Vermieter muss Ersatzwohnung stellen“

Der DMB (Deutscher Mieterbund) Mieterverein in München setzt sich für die Rechte seiner rund 68 000 Mitglieder ein. Das Thema Schimmel ist eines, das den Verein häufig beschäftigt. 

Rechtsberaterin Anja Franz

Rechtsberaterin Anja Franz erklärt die wichtigsten Fragen zum Thema: „Entscheidend sind dabei Grund und Ursache des Schimmelherdes. Ist der Schimmelbefall nachweislich nicht auf ein Fehlverhalten des Mieters zurückzuführen, ist die Sachlage für uns ganz eindeutig.“

Frau Franz, muss bei Schimmelbefall dem Mieter eine Ersatzwohnung vom Vermieter gestellt werden?

Wenn die Wohnung nicht bewohnbar ist und der Mieter nichts dafür kann, muss der Vermieter für Ersatz während der Sanierung zahlen. Eine Ersatzwohnung oder Hotel müssen den Betroffenen angeboten werden.

Muss der Mieter weiter Miete an den Vermieter überweisen?

Die Miete der Wohnung ist bei Unbewohnbarkeit auf null Euro reduziert. Wenn die Mieter eine Ersatzwohnung bekommen, dürfen sie dafür nicht mehr bezahlen als für die ursprüngliche Wohnung. Sie dürfen dadurch aber auch keinen finanziellen Vorteil haben. Die Differenz zwischen der gemieteten Wohnung und der Ersatzwohnung beziehungsweise einem Hotel muss dann vom Vermieter übernommen werden.

Wer zahlt den Schaden?

Den Schaden, den der Mieter durch den Schimmel hat, muss der Vermieter bezahlen, wenn die Schimmelursache eine mangelhafte Bausubstanz ist. Das gilt natürlich nicht, wenn der Schimmel durch die Mieter verursacht wurde, aber bei so starkem Befall scheint das wohl nicht der Fall zu sein. mjh

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