Erstmal über Konzepte reden

Zankapfel Trudering Unterführung in Berg am Laim

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Froh zu sein bedarf es wenig: Insbesondere für den Autolenker, der hier nicht durch muss: Alltags-Rushhour-Momentaufnahme am Südende der Truderinger Unterführung.

Das Nadelöhr Truderinger Unterführung scheidet die politischen Geister im Bezirksausschuss Berg am Laim. So konnte sich die CSU mit ihrer Forderung nach einer Erweiterung der Röhre nicht durchsetzen.

Es ist wohl „das“ Nadelöhr unter vielen verkehrlichen Hindernissen im Münchner Osten: An den Zufahrten Nord und Süd der Truderinger Unterführung bilden sich besonders zu den werktäglichen Stoßzeiten trichterförmige Zufahrtsschlangen – bisweilen kommt der Verkehrs-„Strom“ auch zum zwischenzeitlichen Erliegen. Rund um Hultschiner-, Baumkirchner- und Truderinger Straße hat sich die Situation spannender Weise auch deshalb verschärft, weil die neue Tram-Rinne aus Steinhausen im direkten Umgriff des S-Bahnhofs Berg am Laim ebenfalls mächtig Raum greift.

Fast so  kontrovers wie die zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen frustrierten Autolenkern geriet jetzt auch die Diskussion im Berg am Laimer Bezirksausschuss. Die örtliche CSU hatte die „Sanierung und Erweiterung der Autounterführung“ beantragt. SPD und Grüne lehnten mit ihrer Mehrheit den konzeptionellen Vorstoß ab. Zunächst müsse das Gespräch mit den ebenfalls am Problem-Thema beteiligten Nachbar-Bezirksausschüssen in Bogenhausen und Trudering-Riem gesucht werden. Zudem sei die von der CSU geforderte Maßnahme „nur eine Möglichkeit“ vor Ort – es gebe „auch andere Konzepte“, fasste BA-Chef Robert Kulzer (SPD) zusammen. Den Christsozialen platzte tags darauf mit Blick auf die Vor-Ort-Verhältnisse der Kragen. „Rot-Grüne Verkehrsblockade“ ist eine Pressemitteilung als deutliche Reaktion überschrieben. Darin wirft Berg am Laims BA-Fraktionssprecher Fabian Ewald den politischen Opponenten in Rot und Grün vor, den eigenen Stadtteil „sehenden Auges in den Verkehrskollaps“ zu führen.

Heftiger Diskurs     

Ein Ende der Tunnelfrage ist längst nicht abzusehen. Bereits im BA wurden die Auffassungsunterschiede deutlich. „Eine Ausweitung des Tunnel-Querschnittes“ ist eine zentrale Forderung im CSU-Antragspapier. Konträr die SPD. „Eine verbreiterte und verbesserte Unterführung zieht wohl auch mehr Verkehr an“, so BA-Chef Kulzer. Bei solchen Maßnahmen sei Sorgfalt geboten. Kulzer und seine Fraktion plädierten vor allem für eine genaue Prüfung und entsprechende Gutachten zur Verkehrssituation und -erwartung im Umgriff. Zudem wolle und müsse man auch mit den Nachbarstadtteilen zunächst „intensiv sprechen“. Auch diese hätten als Mitbetroffene ein Anrecht, gehört zu werden.

„Überfällig“ 

Aus Sicht von Johann Kott (CSU) müsse sei eine solche Prüfung nicht nur „überfällig“. Sie müsse sich aus seiner Sicht sogar auf eine Ausweitung von heute zwei auf künftig vier Spuren erstrecken. Hubert Kragler (Grüne) widersprach. Sicher bestehe hier „Optimierungsbedarf“. Allerdings sei offen, in welche Richtung. Kragler argumentierte, eine Doppelung der Spuren in der Unterführung „bringt doch gar nichts, wenn an den Tunnelenden wieder verengt wird“ und die zusätzlichen Fahrspuren gleich wieder wegfielen. Dann staue sich alles noch heftiger an den Randbereichen. Der Grüne forderte ein generelles Umdenken. „Die Stadt muss generell wissen, wie es in den kommenden Jahren mit dem Verkehr weitergehen soll.“ Sein Credo und das seiner Fraktion: „Mehr Autoverkehr aus der Stadt – und mehr ÖPNV“. 

Harald Hettich

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