Hoffnungen auf den Hachinger Bach

Workshop zum Wohnbauprojekt Truderinger Straße

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Vermessen und ein bisserl gebuddelt wird schon mal. Es rumort an der Truderinger Straße. Doch mit dem Wohnbau wird es noch dauern.

Es ist eine der letzten großen und bebaubaren Freiflächen Berg am Laims. Und die Draufsicht wird auch deshalb immer intensiver. Das Ackergelände südlich der Truderinger Straße soll einmal 750 neue Wohnungen hervorbringen (HALLO berichtete). Der Workshop vor Wochenfrist, zu dem mehr als 150 Bürger gekommen waren, förderte wichtige Detailerkenntnisse zutage.

Die wichtigste davon ist wohl die Zeitschiene. Wie Eva Regensburger aus dem städtischen Planungsreferat ausführte, wird frühestens ab 2020 Baurecht auf dem gut 8,3 Hektar großen Gelände westlich der Roßtsteinstraße geschaffen werden. Fast fünf Jahre dürfte es deshalb auch noch dauern, ehe die auf dem überhitzten Münchner Wohnungsmarkt heiß ersehnten Wohnungen auch bezugsfertig sein werden. Immerhin: Auch der Hachinger Bach soll zumindest in diesem Teilabschnitt dann an der Oberfläche sprudeln.

Der Workshop mit Vertretern der Stadt und der das Projekt ausführenden Büschl Unternehmensgruppe  lieferte aber vor allem auch interessante Aufschlüsse über Anwohnersorgen und Bürgerwünsche für das Großprojekt. Explizit waren die Menschen eingeladen worden, um ihre Vorstellungen und Ideen vorzubringen. Das Hauptthema der Besorgten zeichnete sich dabei früh ab. Wie bei anderen Projekten dieser Dimension kreisten die Gedanken vor allem über den befürchteten, weil deutlich erwarteten Verkehrszuwachs, die ebenso erwartete  Parkdruck-Problematik und die richtige Situierung der Zu- und Abfahrten zu den Tiefgaragen. Auf Karteikarten konnten die Bürger ihre Sicht der Dinge vermitteln – und taten das umfangreich.

Am weitesten ging dabei der für Münchner Realitäten fast schon revolutionäre Ansatz, das Neubauprojekt zum Anlass zu nehmen, dort ein insgesamt autofreies Quartier zu schaffen. Die „Alternative“, so der Beitrag, sei andernfalls „Chaos“. Besonders die auf die Truderinger Straße mündenden Tiefgaragenzufahrten sind nach Meinung vieler längst nicht der Weisheit letzter Schluss.  Es ist eine schwierige verkehrliche Gemengelage, die die Menschen umtreibt. Denn nur unweit der Neubauplanung liegt mit der Truderinger Unterführung eines der bereits heute sensibelsten, weil immer häufiger überlasteten Nadel- öhre der Region.

Die Meinungen der künftig notwendigen Ausgestaltung gehen dabei nicht nur auf Bürgerseite, sondern auch im örtlichen Bezirksausschuss weit auseinander (HALLO berichtete). Während die einen in einer Verbreiterung der in Sichtweite des Neubauprojektes gelegenen Nord-Süd-Tunneltrasse die entscheidende Möglichkeiten sehen, die Verkehrsströme besser zu kanalisieren, sehen die anderen die Gefahr, dadurch nur noch mehr Verkehr anzulocken. Der öffentliche Personennahverkehr gehöre stattdessen noch attraktiver erweitert, lautet das Credo manches Bürgers und BA-Politikers. Eine Trennlinie, die auch beim Workshop erkennbar war. Höhnischen Applaus bekam da Regensburger, als sie ein „erstes Gutachten“ zitierte, das dem örtlichen Verkehrsnetz attestierte, auch den zusätzlichen Verkehr aufnehmen zu können. Andere gaben ihr Recht. Zum aus Sicht der Stadtvertreterin „hervorragenden Netz aus Bussen, U- und S-Bahnen“ müsse aber noch mehr kommen. Vor allem die Radverbindungen müssten verbessert werden, lautete eine mehrstimmige Forderung. Auch Carsharing sollte möglichst mit einer Filiale im Quartier vertreten sein. Forderungen, hinter die sich auch der örtliche BA-Vorsitzende Robert Kulzer (SPD) stellt. So sei vorgesehen, im Zuge der Neubauten die Truderinger Straße mit beidseitigen Fuß- und Radwegsverbindungen auszubauen. Ferner solle an der Roßsteinstraße auch eine weitere Bushaltestelle hinzukommen – von Bürgerseite in der Vergangenheit gefordert. Verkehrliches drängte andere wesentliche Detailfragen fast in den Hintergrund. Voraussichtlich drei neue Kindertagesstätten sollen vor Ort flankierend entstehen, verlautete aus dem Planungsreferat. Nicht vorgesehen scheint aus Sicht der Planer dagegen eine weitere Versorgung der älteren Bewohner in Form eines Senioren- oder Pflegeheims. Dies hatte zuletzt der Berg am Laimer Bezirksausschuss angeregt. Mehr Übereinstimmung zwischen Anwohnern und Planern scheint dagegen in Fragen der Optik zu bestehen. „Kein zweites Baumkirchen Mitte“ lautete das klare Credo mehrerer Bürger. Als viel zu dicht bebaut empfinden viele Menschen vor Ort das Neubaugebiet unweit westlich. „Anspruchsvollen Wohnbau realisieren“ will aber auch Büschl-Vorstand Ralf Büschl. Gemeinsam mit den Alteigentümern des Areals, der Familie Rotenfußer, teile man sich das Gelände und sei in einer attraktiven Ausgestaltung einig. „Die Borstei“ im Münchner Norden nannte der Planer als plastisches Beispiel und Vorbild für die eigenen architektonischen Ansprüche vor Ort. Zur attraktiven Ausgestaltung soll offensichtlich auch gehören, einen Uralt-Wunsch im Stadtteil umzusetzen. Der Hachinger Bach, der auch das Neubaugebiet mit rund 13.000 Quadratmetern entscheidend mit dominiert und derzeit noch ein verrohrtes Dasein in Richtung Hüllgraben fristet, soll im Zuge der Maßnahmen an die Oberfläche geholt werden. Ein eigener Flächenverlauf samt Kneipp-Anlage ist nach Informationen der Planer und der Stadt fest vorgesehen. „Optimistisch“ zeigte sich auch Grünplaner Horst Burger vom Planungsreferat hinsichtlich einer Verwirklichung. Zuvor hatte ein Bürger in Frage gestellt, ob man das Sprudeln des Bachlaufs an der Oberfläche „noch erleben wird“.  Knackpunkt laut Burger seien noch die Grundverhandlungen. Doch es stünde im Bedarfsfall auch eine „Ausweichroute“  zur Verfügung.  

Harald Hettich

Das Projekt in Kürze

In Berg am Laim soll an der Truderinger Straße, westlich der Roßsteinstraße und östlich des Schwanhildenwegs, ein neues Quartier mit rund 750 Wohnungen und entsprechender Infrastruktur entstehen. Der Planungsausschuss hat am 6. Dezember 2017 den Eckdaten- und Aufstellungsbeschluss für das neue Quartier gefasst. Es soll auf einem fast 8,4 Hektar großen Grundstück entstehen. Zur Erarbeitung des planerischen Konzeptes ist ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb vorgesehen. Der Wettbewerbsprozess soll von einer intensiven Bürgerbeteiligung begleitet werden, etwa über Workshops und Informationsveranstaltungen.

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