Allgemeinwohl statt Alkohol

Umnutzung der ehemaligen Industrieanlage für Branntwein in Berg am Laim

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Bald Vergangenheit: die Produktionsstätten der Bundesmonopolverwaltung an der Neumarkter Straße.

Die Stadt will das riesige, rund zwei Hektar große Areal der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein an der Neumarkter Straße 1 in Berg am Laim künftig anders nutzen. Wo früher Rohalkohol verarbeitet wurde, sollen künftig „Einrichtungen des städtischen Gemeindebedarfs“ entstehen.

Seit der Betriebsaufgabe auf dem Gelände der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) im Flächenstück zwischen Dingolfinger- und Neumarkter Straße sowie Bahnlinie Rosenheim und Leuchtenbergring streckt die Stadt ihre Fühler aus, um dieses Gelände erwerben zu können, das sich derzeit noch im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) befindet. Mit der Änderung des aktuellen Flächennutzungsplans für das Industrieareal zu einem neuen Bebauungsplan (2124) hat der Planungsausschuss des Münchner Stadtrates in der vergangenen Woche einen weiteren wichtigen Schritt für einen Strukturwandel vor Ort unternommen. Wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk im Ausschuss darlegte, seien die Verhandlungen zwischen BImA und Stadt über einen Ankauf des Geländes „bereits in Verhandlungen“. Die BImA wolle das Gelände veräußern. Endgültig entscheiden über das weitere städtische Vorgehen wird demnächst zwar noch die Vollversammlung des Stadtrates. Doch dessen Votum für eine städtebauliche Entwicklung vor Ort gilt als Formsache.

Streitpunkt Kita

Der örtliche Bezirksausschuss würde einen Wandel an dieser wichtigen Schnittstelle des Viertels begrüßen. Kritik am mehrseitigen Plankon- strukt der Stadt gibt’s aus dem Stadtbezirk allerdings auch bereits. „Wir hatten ganz klar die Forderung aufgestellt, vor Ort auch eine Kinderbetreuungseinrichtung vorzusehen“, betont BA-Chef Robert Kulzer (SPD). „Jetzt wird von Seiten des Planungsreferates unterstellt, es gebe vor Ort keinen Bedarf“. Kulzer hat dafür kein Verständnis: „Warum will die Stadt dann aber diesen Bedarf überprüfen?“ Dies sei ein klarer Widerspruch. In dieser Frage müsse und werde der BA nochmals „entschieden nachhaken“. Was die weitere geplante Nutzung auf dem Areal anbelangt, herrsche Einmütigkeit zwischen Stadt und Stadtteil. Im Kern könnte dort ein modernes Ausbildungszentrum für Druck, Medien und Gestaltung entstehen – mit zwei Berufsschulen, zwei Fach- und einer Fachoberschule. Nach dem Befund des Planungsreferates könne im Umgriff auch noch die „Machbarkeit weiterer Nutzungen geprüft werden“. Explizit nennt der Entwurf „Wohnen“ und „Infrastruktureinrichtungen“. Apropos Schule: Eine Griechische Schule auf dem Areal wird es nicht geben. Zwar hatte die Stadt das Thema einst auf die Agenda gehoben, um den Standort Hachinger-Bach-Straße frei zu bekommen. Doch Griechenlands Vertreter in der (Streit-)Sache, Rechtsanwalt Georgios Vlachopoulos, hatte auf Anfrage unserer Zeitung abgelehnt. „Kein Interesse am Standort“ im Berg am Laimer Norden, lautete sein Credo.

Denkmalschutz

Interessiert ist der Bezirksausschuss auch in Denkmalschutzfragen. Das Gremium erachtet zumindest Teile des BfB- Betriebes als Denkmalschutz würdig und sprach sich per Dringlichkeitsantrag dafür aus, einen Erhalt des früheren Verwaltungsbaus zu prüfen. Eine Ansicht, die auch die Stadtbaurätin teilt. „Ein Erhalt einzelner Bestandsgebäude widerspricht nicht den übrigen Zielen des Aufstellungsbeschlusses und ist daher der Landeshauptstadt München zuzumuten“, heißt es in Merks Planungspapier. Bei Planungszielen in und um das Großareal gehen Stadt und Stadtteil im Gleichschritt: Verbesserung der Grünausstattung und Unterstützung der bahnbegleitenden Biotop-Verbundachse, eine langfristige Sicherung für den Gemeinbedarf oder die Entwicklung einer prägnanten „Stadtkante im Kontext mit der vorhandenen profilübergreifenden Bebauung“ im Umfeld – sprich eine verbesserte An- und Einpassung in die Umgebung – streben Stadt und BA für das jahrzehntelang aufgrund seiner Nutzung abgeschottete Areal am Saum des Mittleren Rings an. Auch eine „verträgliche Einbindung des Neuverkehrs“ in das bestehende Hauptstraßennetz betont das Planungsreferat. „Hoffentlich entsteht dort nicht allzu viel neuer Verkehr“, lautet das Stoßgebet des BA-Chefs in der Sache — auch vor dem Hintergrund planerischer Umwälzungen im Großgebiet rund um die Neumarkter Straße. Auch deshalb setzt der BA neben starker Grünflächenausrichtung, der Durchlässigkeit für Fußgänger und Radfahrer auch auf die Schulbau-Komponente. „Da werden hoffentlich viele mit dem ÖPNV kommen,“ entsandte der BA bereits früher sein Stoßgebet. Insgesamt soll auch nach dem Willen der Stadt das Fuß- und Radwegenetz vor Ort ertüchtigt werden. „Das ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Rad- und Fußwegverkehr“, betont auch Kulzer. Lärmschutz steht zudem ebenso auf der Agenda wie die Planung von Tiefgaragenstellplätzen. Das Projekt nimmt Fahrt auf. Der Stadtrat steckt den weiteren Rahmen ab.

Harald Hettich

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