Strukturwandel rund um die Neumarkter Straße in Berg am Laim

Es fehlt ein echtes Verkehrskonzept

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Strukturwandel ja, aber wie? Am Areal rund um die Neumarkter Straße scheiden sich derzeit noch die Geister.

Das rund 22 Hektar große Gewerbegebiet an der Neumarkter Straße in Berg am Laim sieht einem Strukturwandel entgegen, seit dort produzierendes Werken immer mehr von modernen Geschäftsformen abgelöst wird. Der Bezirksausschuss wünscht sich für das Areal auch einen Wandel – hin zu mehr Wohnungsbau, der allerdings in der aktuellen Entwicklung zäh verläuft. Am Donnerstag ab 18.30 Uhr findet dazu im Pfarrsaal an der Baumkirchner Straße 26 eine Einwohnerversammlung statt.

Die Veranstaltung am Donnerstag wird im Viertel mit Spannung erwartet! Nachdem auf dem Gelände des ehemaligen Pharma-Unternehmens Temmler unter dem Oberbegriff „Macherei“ ein modernes Großstadtensemble aus Architektur und Gewebe entstehen soll (HALLO berichtete), erregte jüngst im Bezirksausschuss die Planung eines weiteren Großprojektes Aufsehen und nicht ungeteilte Begeisterung. An der Streitfeldstraße plant die Firmengruppe Optima-Aegidius einen weiteren modernen Bürokomplex. „Warum wird erneut das Gewerbegebiet nachverdichtet, anstatt endlich wichtigen Wohnraum zu schaffen“, fragte man im Bezirksausschuss (BA).

Die Stadtteilpolitiker zeigten sich betrübt bis verärgert, dass die eigenen Wünsche zur Neuausrichtung rund um die Neumarkter Straße seit Jahren ignoriert würden. Anstelle der Weiterentwicklung der gewerblich-wirtschaftlichen Kapazitäten vor Ort brauche man bezahlbaren Wohnraum, schimpften die BA-Mitglieder. Doch auch das neue Projekt scheint diesen Bestrebungen eher zuwider zu laufen.

Allein schon die im Zuge der Maßnahme geplante Vergrößerung der Tiefgaragenanlage fürs Optima-Aegidius-Projekt trieb den Stadtteilpolitikern die Sorgenfalten auf die Stirn, das Wort vom „drohenden Verkehrskollaps“ machte die Runde. Wobei BA-Chef Robert Kulzer (SPD) betonte, dass das aktuelle Projekt durchaus auch positive Seiten habe. Offenbar sei dem Investor dort die bereits heute schwierige Gemengelage durchaus vertraut. So stieß im BA das eigens vom Unternehmen ausgearbeitete Verkehrskonzept mit Carsharing, Elektrofahrrädern auf dem Gelände und einer ergänzend zur bereits drangvollen Enge an der Streitfeldstraße zusätzlichen Tiefgaragenausfahrt zur Neumarkter Straße durchaus auf Wohlwollen.

Allerdings machen die größeren Zusammenhänge Sorge. So fehlt laut BA mit Blick aufs Temmler-Areal mit allein schon rund 2000 geplanten Tiefgaragenplätzen ein echtes Verkehrskonzept. Kritische Stimmen zum schwierigen Themenkomplex gab es ohnehin reichlich. Vor allem an der Stadt machte sich neuer Ärger fest. Laut Kulzer hätten Investoren wie der aktuelle und zuletzt auch beim Temmler-Areal durchaus auch einen Wohnungsbau erwogen und diesen in erste Planspiele auch aufgenommen. „Einige hatten dies gewollt – doch die Stadt ist stur geblieben“, fand der Stadtteilbürgermeister klare Worte. Einerseits klage die Stadt dauernd über Wohnungsnot, so Kulzer. Andererseits würden „mindestens schon mal tausend Wohnungen“ nicht gebaut. Falsche Schwerpunktsetzungen monierte auch Johann Kott (CSU). „Zusatzbelastung“ in immenser Menge befürchtete er auch für die öffentlichen Verkehrsmittel – wenn auf fast 10.000 Quadratmetern Gewerbefläche auch viele neue Pendler hinzu kämen.

Mit Blick auf das aktuell neueste Projekt forderte zudem CSU-Fraktionssprecher Fabian Ewald vor dem Hintergrund der schwierigen Verkehrslage auch Synergien für den Stadtteil ein. So müsse der Durchweg auf dem neu entwickelten Unternehmensgelände trotz gegenwärtiger privater Widmung öffentlich begehbar sein. Bei der Stadt denkt man offenbar globaler. Das neue „Gewerbeflächenentwicklungsprogramm“ ist inhaltlich fast kürzer gefasst als sein langer Name und unterstreicht bislang lediglich, dem durch den Abzug großer Firmen entstandenen Umgestaltungsdruck auch mit reichlich neuen Ansiedlungen zu begegnen. Temmler oder das brandneue Projekt würden dort „positive Impulse“ setzen. Bei der Einwohnerversammlung in dieser Woche dürften auch andere Meinungsaspekte auftreten. Man darf gespannt sein im Umgriff der Neumarkter Straße. Harald Hettich

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