Der „Schneewittchensarg“

Reaktionen zur Wettbewerbsentscheidung neuer Konzertsaal

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Der Siegerentwurf des neuen Konzertsaals.

Kaum war der Siegerentwurf für das neue Konzerthaus im Berg am Laimer Werksviertel öffentlich bekannt, da hagelte es im Internet schon hämische Kommentare darüber. Von „Schneewittchensarg“ über „Gewächshaus“ bis „Hangar“, von „hässlicher Klotz“ bis „geschmacklos“.

Doch jenseits der Ästhetik der äußeren Hülle hatten die Preisrichter noch ganz andere Dinge zu beachten. So habe der Gewinnerentwurf von Cukrowicz Nachbaur Architekten „nur Vorderseiten“ und könne nachts zu einem „schimmernden Leuchtkörper“ werden, der weit in die Stadt hinausstrahle, heißt es im Juryurteil. Auch die innere Organisation überzeugte. Mit einladenden und attraktiven Foyers auf allen Ebenen. Mit 45 Metern ragt der gläserne Bau 19 Meter über die im Bebauungsplan erlaubte Höhe hinaus und kann so einen städtebaulichen Akzent zwischen den alten Pfanni-Werksgebäuden und der Medienbrücke setzen. Die siegreichen Österreicher setzten sich deutlich mehr mit der Umgebung auseinander als andere Architekten. Wie zum Beispiel David Chipperfield. Dessen langgestreckter Walhalla-ähnlicher Bau hat lange Außenrampen, die ein Flanieren der Besucher vom Vorplatz bis zum obersten Geschoss ermöglicht hätten. „Schön, aber wohnen möchte ich neben dieser Geräuschkulisse nicht“, meinte ein Architekt bei der Präsentation des Entwurfs in der Ausstellung. Zudem stellten die Musiker die Nutzung der Bühne für moderne Musikstücke, bei denen es mehr Musiker braucht, in Frage.

Mit einer Fassade, die wie ein über den Bau geworfenes Tuch wirkt, trumpfte der Entwurf von 3XN AS aus Kopenhagen auf. Allerdings wandten die Architekten den Haupteingang zu Wohnbebauung und Schule, ließen die „Rockzipfel“ frech bis aufs Nachbargelände rausragen.

Jetzt kommt es auf die Ausarbeitung des Siegesentwurfs an. Neben der Akustik der beiden Konzertsäle muss vor allem das von der Jury ausdrücklich angemerkte „Versprechen auf Offenheit, Leichtigkeit und Transparenz“ eingelöst werden.

Carmen Ick-Dietl

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