Interview mit dem Autor der "3-Tage-Woche, Weniger Arbeit mehr Geld"

Die Paradise Paper für Normalsterbliche

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Elias Vorpahl (l.) und Dominik Lang geben Tipps für eine 3-Tage-Woche.

Elias Vorpahl heißt der Autor, der mit seinem Sachbuch „Die 3-Tage-Woche“ für Furore sorgt. Aber funktionieren die Finanz-Tipps wirklich, die er und sein Studienkollege Dominik Lang in dem Buch geben? Und was hat Alice im Wunderland damit zu tun? 

HALLO: Weniger Arbeit — Mehr Geld. Ist das ein Versprechen? 

Vorpahl: Ja. Wir machen in dem Buch sogar ein relativ großes Versprechen. Und zwar, dass alle Leute, die weniger als 90.000 Euro im Jahr verdienen, nur drei Tage in der Woche arbeiten und die Gehaltseinbußen, die sie dadurch haben, durch unsere Tipps vollständig ausgleichen können.

Also nicht: Weniger Arbeit — mehr sparen? Nein. Weniger Arbeit und gleichzeitig weiterhin die finanzielle Freiheit, die man durch einen Vollzeitjob hat.

Wie funktioniert das? 

Wir geben insgesamt 30 Tipps. Dabei geht es um Möglichkeiten, sich finanziell besser zu stellen, aber auch wie man mehr Freizeit erlangen kann. Zum Beispiel, wie man die optimale Elternzeit wählt. Häufig ist es so, dass Frauen ein Jahr Elternzeit nehmen und Männer zwei Monate, weil man dadurch länger Elterngeld bekommt. Wenn man diese zwei Monate am Stück nimmt, kürzt sich der Jahresurlaub aber um ein Zwölftel. Wenn man sie dagegen aufteilt, bleibt einem der volle Jahresurlaub erhalten. 

Was gibt es noch für Tipps? 

Einer der einfachsten Tipps, wie man eine gute Verzinsung bekommt, ist Mitglied in einer Wohnungsbaugenossenschaft zu werden. Dadurch erhält man Anteile an der Genossenschaft und die zahlen zum Teil vier Prozent Dividende. Wesentlich mehr als das, was man auf dem Sparbuch bekommt.

Sie geben auch Steuertipps. Kann man Ihr Buch als die „Paradise Paper für den kleinen Mann“ bezeichnen? 

Ja, die ganzen Steuertipps, die Millionäre anwenden, sind ja auch legal. Sie verschieben ihre Gewinne ins Ausland, um wenig Steuern zu zahlen. Sogar die Steuertricks, die Apple in Irland anwendet, sind dort zulässig. Da wird einfach geltendes Recht ausgenutzt. Warum soll das nicht auch für Normalverdiener möglich sein? Wir zeigen, wie auch sie geltendes Recht kreativ nutzen können. 

Zum Beispiel? 

Wie man Geld vom Finanzamt zurückbekommt. Der Trick ist, seine Steuererklärung erst mal nicht zu machen, wenn man eine Rückzahlung erwartet. Wenn man seine Steuererklärung für 2017 zum Beispiel erst 2021 macht, dann muss das Finanzamt vier Prozent Zinsen auf die Rückzahlung zahlen.

Warum ist eine Drei-Tage-Woche überhaupt erstrebenswert? 

Es führt zu einer höheren Lebensqualität, weil man ein abwechslungsreicheres Leben hat. Außerdem ist es gesünder. Im März ist dazu eine Studie an einer Universität in Tokio erschienen. Die fanden heraus, dass kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, Problemlösungskompetenz und Kreativität bei 25 Stunden pro Woche optimal ausgeschöpft werden. 44 bis 60 Stunden sind sogar schädlich. Man ist also leistungsfähiger und lebt gesünder. Außerdem hat man mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbys. 

Die IG Metall fordert gerade die 28-Stunden-Woche. Denken Sie, das ist ein Trend, der sich durchsetzen kann? 

Es ist ein Thema, das auf der politischen Agenda steht. In der letzten großen Koalition hat die SPD gefordert, dass Arbeitnehmer ein Recht auf Teilzeit erhalten und gleichzeitig das Recht, wieder auf Vollzeit zu erhöhen. Die Union hat das verhindert, aber das kann in den aktuellen Koalitionsverhandlungen wieder auf den Tisch kommen. Wir stehen auch vor einem enormen Wandel, was Arbeitszeitmodelle betrifft. Zu Spitzenzeiten brauchen Unternehmen viele Arbeiter, und dann gibt es Phasen, in denen sie weniger arbeiten lassen. Wenn man diese Flexibilität haben möchte, muss man sie auch den Arbeitnehmern bieten.

Wollen Menschen denn Teilzeit arbeiten? 

Auf jeden Fall. Als ich meinen Antrag auf Teilzeit gestellt hatte, kamen viele Mütter auf mich zu und haben mir auf die Schulter geklopft. Sie selbst möchten es nicht mehr missen, weil sie dadurch ein erfüllteres Leben haben und gleichzeitig ihren Alltag besser organisiert bekommen.

Welchen Leidenschaften können Sie denn durch Ihre Teilzeitbeschäftigung nachgehen? 

Die ganze Idee der „3-Tage-Woche“ fußt ja darauf, dass ich weniger arbeiten wollte, um Zeit für meinen Roman zu haben. Dominik hat dann zu mir gesagt: „Roman papperlapapp! Lass uns doch lieber mal unsere ganzen Tipps und Tricks aufschreiben, die wir mittlerweile zusammengetragen haben.“ Das fand ich eine gute Idee, aber der Hauptgrund war mein Roman „Der Wortschatz“, der auch gerade erschienen ist.

Geht es da auch um Finanzen? 

Ganz im Gegenteil. Das ist eine fantastische, prosaische Geschichte. Sie ist angelehnt an Romane wie „Alice im Wunderland“ oder „Die unendliche Geschichte“. Dabei geht es um ein Wort, das seinen Sinn verliert, weil es von einem Menschen ausgesprochen wurde. Es macht sich auf eine Reise durch die Welt der Sprache und versucht diesen Sinn wiederzufinden. Dabei begegnet es vielen Charakteren, nimmt an Wortspielen teil und gerät in den Sprachfluss. So lernt es Stück für Stück immer mehr über sich selbst.

Ihre Zukunftsprognose heißt also: Weniger Arbeit — mehr Bücher? 

Eher: Weniger Arbeit — Mehr Prosa! (lacht)

Interview: Lydia Wünsch

Elias Vorpahl lebt in München. Er studierte Mathematik und Volkswirtschaftslehre. Heute arbeitet er Teilzeit als Consultant. Daneben ist er als Autor tätig und hat gerade das Sachbuch „Die 3-Tage-Woche“ und den Roman „Der Wortschatz“ herausgebracht. Vor kurzem hat er den Buchblatt Verlag gegründet. Außerdem ist er Mitglied in der Münchner Autorengruppe Prosathek — ein Zusammenschluss von zehn Autoren, die auf einem Internetblog jede Woche kurze literarische Werke herausgeben. Am 24. Januar tritt Vorpahl als Speaker bei einer Veranstaltung des Projekts „Gender Career Management“ in Klagenfurt (AUT) auf. Dort spricht er über seine Erfahrungen als Mann in einer Teilzeitstelle.

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