Hochamt auf die Demokratie

Neue Berg am Laimer Initiative hat sich viel vorgenommen

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Intensiver, offener Dialog und Austausch inmitten Berg am Laims für Demokratie, Freiheit und Europa. Eine neue Initiative im Stadtteil will einen breiten Diskurs möglichst vieler Protagonisten. Überparteilich und fair. Im kleinen Kreis hat der Ansatz bereits gut funktioniert. Rege Diskutanten, die auch mal zuhören können (v.l.): Winfried Eckardt, Jenni Brichzin, Philipp Eder und Susanne Flynn.

„Weil es Zeit ist!“ Mit Blick auf die weltpolitisch vielfältige Krisenlage sind sich die Initiatoren der neuen Initiative „Berg am Laim für Demokratie, Freiheit und Europa“ programmatisch einig, dass man vor Ort und im eigenen Mikrokosmos etwas tun kann und muss für Verständigung, überparteilichen Dialog und Diskussion über den Tellerrand der Parteipolitik hinaus.

„Man ist nie zu klein, sich für große Werte einzusetzen“, glaubt die  Berg am Laimer Soziologin Jenni Brichzin. Als Mitglied der Grünen und Aktive in diversen Gremien und Vereinen lebt die 34-Jährige dieses Empfinden praktisch vor. Mit einigen anderen Protagonisten des gesellschaftlichen Lebens in Berg am Laim hat sie den Anstoß für die neue Initiative gegeben. Anlässe gebe es genug, sich kritisch, kontrovers und interessiert mit dem Zeit- Ungeist auseinanderzusetzen, neue Dialogformen zu erproben oder von der oft allzu starren Parteien-Politik Ermattete ins Boot des argumentativ- intensiven Austauschs zu holen. In Zeiten des Brexit, verzweifelten Verteidigungsgefechten um Demokratie und Freiheit in Ungarn oder Polen oder im Zuge der Inthronisierung des Donald Trump als US-Präsident ist die Überzeugung der jetzt vor Ort Handelnden gewachsen, etwas tun zu müssen.

Brichzin hat für das spannende Projekt, das sich derzeit in der absoluten Anlauf- und Sondierungsphase befindet, ihre guten Kontakte in Berg am Laim genutzt. Bis vor Kurzem war sie noch Kultur-Sprecherin im Berg am Laimer Bezirksausschuss, hat das Jubiläumsfest der Eingemeindung organisiert und ist im akribisch werkelnden Träger-Verein KulturBürgerHaus Berg am Laim aktiv. Viele Engagierte im Viertel kennt sie und die haben sich nicht lange bitten lassen, mitzuwirken im Kreise der Initiative. „Es soll eine möglichst breit angelegte Plattform des Dialogs werden“, versichert Brichzin. Jeder Interessierte sei herzlich willkommen. Beim ersten Treffen samt Initiativgründung im Berg am Laimer Stadtteilladen hat sich diese Vielfalt bereits abbilden lassen. Vertreter aus dem Bezirksausschuss, vom ASZ, aus den Reihen der Volkshochschule und der Kirchen ebenso wie des Moscheevereins, aus verschiedensten Vereinen und Initiativen waren gekommen. „Es war ein lebhafter Dialog“, so Brichzin.

Lebendig geht es auch an diesem Freitag beim Gespräch im Berg am Laimer Vereinsheim zu. In den engen Räumen dort ist nur Platz für einige wenige Engagierte. Aber sie bilden das breite Spektrum der Initiativ-Mitwirkenden bestens ab. Neben Brichzin ist die Kulturschaffende Susanne Flynn vom Projekt Streitfeldstraße gekommen. Dazu gesellt haben sich auch Winfried Eckardt, der Bereichsleiter Ost der Volkshochschule sowie KulturBürgerhaus-Vorstandsmitglied Philipp Eder, gleichzeitig im CSU-Ortsverein aktiv. „Die Überparteilichkeit ist ein wichtiger Ansatz“, betont Eckardt. „Über die Demokratie Gedanken machen“, das sei wichtig, erklärt Flynn. „Wenn das Projekt Durchschlagskraft haben soll, dann müssen aber auch die Parteien das mittragen“, gibt Eder zu bedenken. Nur so könne auch wirklich „die Tür für einen Wettbewerb der besten Ideen weit aufgemacht werden“.

Mit einer Vielzahl an Veranstaltungen soll die Initiative mit Leben erfüllt werden. Der „Discussions-Corner“ am Samstag, 17. Juni, ab 14 Uhr auf dem Vorplatz der U-Bahnstation Josephsburgstraße ist dabei nur der Auftakt. Ein „Fest der Demokratie“ am Samstag, 8. Juli, ab 14 Uhr auf dem Grünen Markt im Berg am Laimer Zentrum wird ein erster Höhepunkt sein. Vieles soll folgen: vom Open-Air-Kino bis zur Diskussion mit regionalen Bundestags-Kandidaten. Interessenten finden das vorläufige Programm bis zum Fixpunkt Europatag 2018 auf der nagelneuen Webseite demokratiefreiheiteuropa.de oder unter dem Link „Berg am Laim für Demokratie, Freiheit und Europa“ auf Facebook. „Politik ist Anstrengung – aber auch diese Anstrengung wert“, sind sich die vier Diskutanten einig. „Die Zweifler“ gelte es zu „überzeugen, dass wir letztlich bei allem Trennenden in einem Boot sitzen“, formuliert das Susanne Flynn. „Wir müssen im Dialog Menschen abholen, die in eine andere Lage oder Haltung abgedriftet sind“, hat Philipp Eder den Rechtsruck im Blick. „Freizügigkeit, Arbeitswelt und unmittelbares Leben vor Ort – ohne Demokratie würde sich auch das Leben in Berg am Laim völlig verändern“, verweist Winfried Eckhardt auf wesentliche wie unauflösbare Bezüge zwischen „dem großen und komplizierten Europa“ und dem „unmittelbaren Erleben“ in Berg am Laim. „Wir wollen Teilhabe am Diskurs im Stadtteil mit Blick weit darüber hinaus fördern und viele Player mit an den Tisch bringen“, erläutert Flynn. Schließlich sei Politik in erster Linie nicht Parteiensache, so Eckardt. Vielmehr widerspiegle sich alltäglich in Eigentümer-Gemeinschaften oder Elternbeiräten „hautnah“. „Ich kann nicht begreifen, wie Leute sich nicht für Politik in ihren vielseitigen Formen und Ausprägungen interessierten können“, wundert sich Eckardt und erntet zustimmendes Nicken in der kleinen Runde – die bald schon im größeren und umfangreicheren  Initiativ-Rahmen agieren wird – dabei Gesellschaft in  ihren unterschiedlichen Strömungen und Ansätzen abbilden möchte und die lebhafte Debatte darüber führen will. Ein spannender Ansatz. Ein Anfang ist gemacht. 

Harald Hettich        

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