Über Rollenmuster (manchmal) ohne Wert

Kreisjugendring München-Stadt organisiert geschlechterspezifische Veranstaltungen 

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Bei einer Smartphone-Rallye durch München lernen Mädchen, sich sicher in der Stadt zu bewegen – und wie ihnen die neuen Medien dabei helfen können.

Frauen in einem MINT- Beruf? Ein Mann als Ballettänzer oder Kindergärtner? Immer noch keine Selbstverständlichkeit in unserer hochmodernen Gesellschaft. HALLO sprach mit der Mädchenbeauftragten des Kreisjugendrings Katharina Fertl über typische Geschlechterrollen und warum sie so gefährlich sind.

Warum finden die meisten Menschen es komisch, wenn Jungs sich die Fingernägel lackieren oder mit Puppen spielen? Und warum bitten die meisten Frauen einen Mann um Hilfe, wenn es darum geht, ein Loch in die Wand zu bohren oder einen Schrank zusammen zu bauen? „Weil wir alle bestimmte Rollenmuster im Kopf haben“, glaubt Katharina Fertl, Mädchenbeauftragte des Kreisjugendrings München-Stadt. Demzufolge haben Frauen wie Männer sich für die Dinge zu interessieren, die in der Gesellschaft als typisch männlich oder weiblich gelten.

Aber worin liegt eigentlich das Problem von festgelegten Rollenmustern, vereinfachen sie doch den menschlichen Alltag? „Für beide Geschlechter ergeben sich große Nachteile, wenn sie diese Rollenmuster nicht manchmal hinterfragen“, glaubt Katharina Fertl. Jungs denken zum Beispiel, dass sie nie weinen dürfen und immer stark sein müssen. Mädchen trauen sich in der Regel weniger zu und überlassen oft den Jungs das Feld. Auch bei der Berufswahl ergeben sich hierdurch Probleme. „Wenn ein Mann sich für den Beruf des Erziehers interessiert, muss er sich fragen, ob er damit eine Familie ernähren kann.“ Pflegeberufe werden schlecht bezahlt und in der Gesellschaft hat man immer noch das Bild vom Mann als Ernährer im Kopf.“ Das alles muss nicht so sein, findet Fertl. 

Mädchenbeauftragte Katharina Fertl kümmert sich auch um Geschlechterrollen.

Aus diesem Grund beschäftigt sich der Kreisjugendring mit geschlechtssensibler Pädagogik. Dieser liegt die Annahme zugrunde, dass das soziale Geschlecht nicht etwas ist, das Menschen einfach von Natur aus besitzen, sondern ihnen im Laufe ihres Lebens von der Umwelt antrainiert wird. Darum ist es Fertl zufolge wichtig, pädagogische Angebote nur für Mädchen oder Jungs zur Verfügung zu stellen, bei denen sie die Möglichkeit haben, aus ihrer geschlechterspezifischen Rolle auszubrechen. „Hierbei soll es nicht darum gehen, das eine Geschlecht gegen das andere auszuspielen“, betont Fertl. Ihrer Meinung nach ist es wichtig, dass es auch einen koedukativen Bereich gibt, in dem beide Geschlechter zusammen kommen und ihre Fähigkeiten, die sie vorher im geschützten Rahmen testen konnten, auch dann ausprobieren, wenn das andere Geschlecht dabei ist. Denn letztlich gehe es um ein harmonisches Miteinander, bei dem beide Geschlechter ihr volles Potential ausschöpfen könnten. Sei es, dass Mädchen mit Bauklötzen spielen oder Jungs mal eine Puppe füttern. 

Dabei sollen die Muster nicht komplett aufgehoben werden. „Wenn ein Mädchen gerne mit Puppen spielt, ist das vollkommen in Ordnung“, sagt Fertl. Wichtig ist nur, dass sie es aus freien Stücken tut und nicht, weil sie meint, es gehöre sich eben so.

Lydia Wünsch

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