Riese mit vielen Facetten

Berg am Laim: Das „Werk 4“ steht in den Startlöchern

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Ein Riese mit vielen Facetten: Das „Werk 4“ bei Nacht.

Fast 90 Meter soll er einmal in die Lüfte über dem neuen Werksviertel ragen und als baulicher Riese am Saum des Ostbahnhofs alles überstrahlen: Der Hotelturm „Werk 4“ soll nahe des neuen Konzertsaals der zweite ausgewiesene „Eye-Catcher“ der neuen Boom-Region rund um das ehemalige Pfanni-Gelände werden.

Einem Gipfeltreffen gleich kam schon die im großen Rahmen abgehaltene Auftaktveranstaltung in der nahen Tonhalle. Unter den Gästen weilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und die seit kurzem für das Bauressort verantwortliche Landes-Ministerin Ilse Aigner. Bis über beide Ohren strahlte Werner Eckart in seiner Funktion als Pfanni-Erbe und Inhaber der Otec GmbH.  Sein Unternehmen investiert allein 115 Millionen Euro in das 24-stöckige Bauprojekt im Herzen des Werksviertels an der Atelierstraße.

Voll des Lobes für das neueste Vorzeigeprojekt in der Landeshauptstadt waren alle drei. „Einen breiten Impuls“ sah Herrmann im neuen Bauvorhaben. „Zukunftssicher, großartig“, sparte der Minister nicht mit Lobesworten vor dem eigentlichen Baubeginn. „Es ist spannend, auf einer Industriebrache etwas derart Neues zu entwickeln“, befand Ilse Aigner. „Ein spannendes Thema“ erkannte die Bauministerin im „engen Zusammenwirken von Arbeiten, Wohnen und Kultur“. Laut Aigner sei nun besonders wichtig, den Zugang vom Ostbahnhof zu Konzertsaal und „Werk 4“ gut auszugestalten. Launig geriet der Beitrag von Werner Eckart, dem Motor der örtlichen Flächeneigentümer. „Ich habe lange darüber nachgedacht, dass ich hier vielleicht mein Leben lang Knödel rollen werde“, schmunzelte der Werksviertel-Antreiber. „Aber mein Großvater hat bei der baulichen Konzeption des damaligen Pfannigeländes weit gedacht. Will heißen: Alle Gebäude bis auf das ehemalige Werk 2 – den neuen Konzertsaal – bleiben und werden ins Neuensemble integriert.

Ein herausstechendes Beispiel und Flaggschiff ist dabei das „Werk 4“. Architektonisch dürfen die Münchner hier eine brillante Komposition erwarten. Apropos Großvater Eckart. Das ehemalige Kartoffelsilo ist längst beliebtes Hallen-Kletterareal – „und soll noch größer werden“, erklärte Eckart. Es bildet die Basis des fulminanten Neubaus. Nach oben anschließend wird das österreichische Konsortium Wombat‘s ein preisgünstiges Hostel mit insgesamt 500 Betten etablieren. Darüber wächst ein Hotel mit 234 Appartements und Studios der Adina-Gruppe in die Lüfte. Auf etwa halber Höhe des Baukonstrukts verbreitert sich die bauliche Basis durch zwei plastische, weiter nach außen ragende Geschosse. Dort wird ein zentraler Bereich mit Empfang, Konferenzräumen, Wellnessbereich und einem Restaurant- und Barbetrieb geschaffen.

„Bewohnbarer Industriebau“ lautet die eingängige Definition von Architekt Johannes Ernst vom renommierten Büro Steidle Architekten. Ernst muss es schließlich wissen. Der Mann hat nicht nur die Struktur des „Werk 4“ komponiert. Er ist auch Chefplaner in der Kreation des neuen Werksviertels. Einen lebendigen Mix positiver Attribute wollen die Macher des Vorzeigeprojektes hier in der Boomtown-Region des Münchner Ostbahnhofs während der auf rund zwei Jahre avisierten Bauzeit realisieren: Schlagworte von urban bis international sollen hier vorherrschen.

Ob Geschäftsleute, Rucksacktouristen oder Tonkünstler des nahen Konzerthauses - alle sollen hier ein gepflegtes Lebens-Ambiente wie behagliches Wohnen vorfinden. Eine Mixtur mit den Menschen vor Ort, die zum Arbeiten und genießen, zum Sport oder für das besondere kulturelle (Klang-)Erlebnis ins Werksviertel kommen. Knödel wird Werner Eckart dafür nicht mehr rollen müssen.

Harald Hettich

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