Zweifel bleiben

Bauprojekt in Berg am Laim bleibt umstritten

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Blockbauweise mit Grün – wahrscheinlich kommt auch ein offener Bachlauf dazu. Entwurfskizze für das Neubaugebiet an der Truderinger Straße.

Das Berg am Laimer Groß-Bauprojekt an der Truderinger Straße wirft weiterhin viele Fragen auf. Nach kritischen Detail- fragen während der jüngsten Bürgerversammlung  (HALLO berichtete) ließ auch eine umfangreiche Themendiskussion in der vergangenen Woche mit Vertretern der Stadt, des Baubetreibers, des Bezirks- ausschusses und fast 150 Besuchern noch sichtbar viele Menschen fragend zurück.

Es war bereits die zweite Projekterörterung. Es ging beim Thema Verkehrsbelastung und -anbindung und beim Umfang des Bauvorhabens schwer ins Detail. Fragen blieben am Ende aber viele offen. „Wir müssen noch an verschiedenen Stellen den Hebel ansetzen bei diesem Projekt“, beschied der Berg am Laimer Bezirksausschuss-Vorsitzende Robert Kulzer (SPD). Auch der Bezirksausschuss werde sich mit dem Thema noch intensiv befassen.

Wenig Spargel und Erdbeeren wird es künftig im Bereich der Roßstein-/Truderinger Straße geben. Dafür viel Beton. Zwischen 720 und 850 Wohnungen differieren die Aussagen dort.

Immerhin: Die seit über zwei Jahrzehnten mit viel Verve betriebene Offenlegung des Hachinger Bachs in diesem zentralen Abschnitt soll bis 2022 endgültig vollzogen sein, ließ Daniela Schaufuß aus dem Baureferat wissen. Nach längerem Tauziehen zeichne sich eine Einigung auch mit den letzten beiden Grundeigentümern ab. Im für den Anlass fast zu engen Pfarrsaal von St. Michael an der Baumkirchner Straße wollten erst einmal die Bürger so allerhand wissen. Deren Nöte lassen sich besonders in zwei Problemkomplexen zusammenfassen. Die Komplexität und Massivität des Baukörpers erschreckt weiterhin viele. Dazu fürchten die Menschen ein verschärftes Verkehrschaos im Berg am Laimer Norden. Unruhe im Umfeld kommt vor allem bei der Frage nach der Anzahl der künftigen Wohneinheiten immer deutlicher auf. Noch im städteplanerischen Wettbewerb war von 750 Wohneinheiten auf dem insgesamt sechs Hektar großen Gelände zwischen Truderinger- und Roßsteinstraße die Rede gewesen. Der Siegerentwurf des Münchner Büros 03 Architekten bringt allerdings auch ein ausgeweitetes Modell mit 850 neuen Wohnungen ins Gespräch. Eva Regensburger, Projektkoordinatorin im städtischen Planungsreferat, rechnet dagegen mit „nur“ 790 Wohnungen. Laut Regensburger seien die Schwankungen „durch unterschiedliche Rechenmethoden“ erklärbar. „Mindestens einer rechnet da falsch“, ließ sich ein Bürger vernehmen. Dem Publikum war die allgemeine Skepsis deutlich anzumerken. Sie sollte noch größer werden. „In KFZ-Bewegungen und deren Mehrung“ mache das „gar nicht so viel aus“, mochte  Verkehrsgutachter August Janello keinen rasanten Verkehrsanstieg zu prophezeien. Janello übte sich am Rechenschieber. Bei prognostizierten 820 Wohnungen – also wieder einer neuen Wohnraum-Hypothese – erwarte er einen bereinigten  Verkehrsanstieg um zehn Prozent bis zum Jahr 2030. Die Meinungen differierten. „Noch zehn Prozent mehr, schlimm und wahrscheinlich noch zu wenig gerechnet“, lautete der Bürgertenor. „Keinesfalls besorgniserregend“ dagegen nach Auffassung von Verkehrsfachfrau Lena Sterzer aus dem Planungsreferat. Beispiel aus Stadtsicht: Der Rückstau zu den besonders hochfrequenten Stoßzeiten morgens und abends insbesondere am Nadelöhr der Truderinger Unterführung liege nicht an der Zahl der Pkw. Vielmehr sei die Vorrangschaltung der Tram am nördlichen Tunnelende dafür verantwortlich. Insgesamt habe jedoch der Verkehr in diesem Umgriff von Truderinger- und Baumkirchner Straße in den letzten eineinhalb Jahrzehnten sogar abgenommen. Im Saal ernte Sterzer für diese Einschätzung ziemlich kollektives Kopfschütteln. Die Protagonisten des Abends schienen nicht verwirrt. Die Autoentlastung soll laut Architekt Michael Wimmer sogar weiter forciert werden: „Durch Bobby-Car-Zonen oder Car-Sharing.“

Auch die vielstimmige Kritik an den Dimensionen der Neubauplanung mochte Wimmer nicht teilen. Er rechnete vor: „Ein Bachlauf, zwei Geh- wege und ein 25 Meter breiter Grünstreifen“ – dies überrage die vorgesehene Gebäudehöhe im Neubaugebiet „um das Zweieinhalbfache“. Auch wenn die Neubauten die angrenzenden Bestandshäuser an der Roßsteinstraße „deutlich überragen“. Eine „riesige Entfernung“ will Wimmer zudem zu den Bestandsbauten entlang der Hansjakobstraße weiter südlich ausgemacht haben. Doch darauf war der Fokus der meisten Bürger gar nicht gerichtet. Ihr sorgenvoller Blick ging mehr in Richtung Josef-Ritz-Weg. Bereits bei der Bürgerversammlung galt eine der Hauptsorgen dem rund 50 Meter hohen Kopfbau im westlichen Bereich des Geländes. „Wir werden hier für blöd verkauft“, meinte ein Anwohner am Rande der Veranstaltung. „Von den Bauplanern wird uns bewusst etwas vorgemacht, anderes vorenthalten.“

Harald Hettich      

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