Nur ein „Touri-Gag“?

BA-Mehrheit lehnt Seilbahn über dem Ostbahnhof ab 

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Die Anbindung des neuen Werksviertels an die Gebiete in Richtung Stadtmitte und Haidhausen und von dort zum neuen Konzertsaal muss verbessert werden. Darüber ist man sich auch im Berg am Laimer Bezirksausschuss im Klaren. Doch eine Seilbahnlösung – wie von der örtlichen SPD propagiert — über die breite Gleistrasse lehnt die BA-Mehrheit ab. Die CSU favorisiert nach wie vor eine Brückenlösung. Fix ist aber noch nix.

Geht es nach der Mehrheit im Berg am Laimer Bezirksausschuss,  bleibt das Projekt „Seilbahn über dem Ostbahnhof“ auch künftig ohne Aussicht auf Realisierung. Dem visionären Planungsansatz der Sozialdemokraten erteilten die übrigen Fraktionen mit zwölf gegen sieben Stimmen eine deutliche Absage.

Während man bei den Berg am Laimer Genossen von Visionen sprach und die Seilbahn-Idee auch im Bürgerwillen fest verankert sieht, fiel die Kritik des politischen Gegners deutlich negativ aus. Dennoch will die SPD – auf welchen politischen Wegen auch immer – das Ziel von der Seilbahn zwischen Orleansplatz im Norden und dem Werksviertel weiter südlich auch mit Blick auf den neuen Konzertsaal noch längst nicht ad acta legen. „Das Echo ist doch eindeutig. Die Münchner wünschen sich eine Seilbahn“, will Antragsteller Hanno Schombacher (SPD) herausgefunden haben. Sogar ein möglicher Ausbau in Richtung Gasteig und Deutsches Museum sei künftig zu erwägen.

Die Mehrheitsdraufsicht im BA war schon mit Blick auf eine Seilbahn über den Gleisen des Ostbahnhofs negativ. Dort wollten sich die Mitglieder der anderen Fraktionen gleich gar nicht mit den von der SPD begleitend ins Spiel gebrachten Fragen nach Seilbahnhöhe, ÖPNV-Anbindung oder Fassungsvermögen der Gondeln auseinandersetzen. Man lehnte das Projekt vielmehr rundheraus ab. „Das ist doch ein Schmarrn und allenfalls ein Touri-Gag“, wollte CSU-Fraktionssprecher Fabian Ewald dem Ideen-Konstrukt nichts abgewinnen. Eine Aussicht auf Gleise und Züge am Ostbahnhof sei wohl nicht sehr reizvoll. Auch habe man seitens der SPD den Nachbarn Haidhausen nicht ins Planungsboot geholt.

Wie berichtet favorisiert die örtliche CSU ohnehin ein anderes Querungsmodell für diesen Bereich. Die Christsozialen hatten in einer der letzten BA-Sitzungen die Idee von einer Brückenverbindung über die breite Gleistrasse am Ostbahnhof ins Gespräch gebracht – mit kultureller Nutzung, Ladengeschäften und Gastronomie.

Die von der SPD einträchtig beschworene Seilbahnidee fiel auch bei den anderen Fraktionen im Bezirksausschuss durch. „Unrealistisch“ sei ein solches Projekt, befand Brigitte Schulz von den Grünen. „Ganz andere und vor allem dringliche Infrastrukturprobleme hat die Stadt derzeit zu bewältigen“, kritisierte Sebastian Zajonz (FDP). Da müsse man sich „mit so etwas“ erst gar nicht beschäftigen.

Womöglich könnte das Thema aber von andernorts doch noch Rückenwind bekommen und beflügelt werden. So plant die Universität der Bundeswehr in Neubiberg eine Umfrage und Studie zum Thema. Welche Akzeptanz hätte der Bau von Seilbahnen in der Landeshauptstadt und in den Umlandgemeinden in der Bevölkerung? Welche Routen und welche Kombinationen unterschiedlichster Transportmittel des öffentlichen Nahverkehrs würden von der Bevölkerung am besten aufgenommen? Diese Fragen wollen Wissenschaftler des Lehrstuhls für Verkehrstechnik vor Ort klären. Denn im Landkreis werden angesichts der zunehmend drangvollen Verkehrsenge schon seit geraumer Zeit Seilbahnbauten als Alternative und Ergänzung zu den herkömmlichen Verkehrsmitteln rege diskutiert. Routen wie von Pullach nach Grünwald oder durch das Hachinger Tal sind längst nicht nur Hirngespinste. Argumente der Befürworter: Hoch über den Trassen seien Seilbahnen unabhängig von der Verkehrslage unten, könnten je nach Bauweise viele Fahrgäste aufnehmen und seien billiger als Neubaustrecken für weitere U-Bahnrouten. Ob sich dieser Ansatz letztlich auch in Berg am Laim durchsetzt, bleibt abzuwarten. 

Harald Hettich  

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