Wer belästigt hier eigentlich wen?

Gibt man in einer Internetsuch­maschine die Begriffe „Biergarten“ und „Lärm“ ein, erhält man über 26.000 Treffer – Gerichtsurteile, intensive Diskussionen in Foren, Tipps von Anwälten u.ä. Eine recht skurrile Situation von Lärmbelästigung findet sich in Vaterstetten. Die Kontrahenten sind in diesem Fall die örtliche Volkshochschule und das Gasthaus auf dem Reitsberger Hof, die sich gegenseitig Lärmbelastung vorwerfen …

Das Fass zum Überlaufen brachte Ende Juli eine Trauergesellschaft, die in der „Landlust“ zum Leichenschmaus einkehrte und aufgrund des guten Wetters im Biergarten Platz nahm. Gleichzeitig fand in den von der VHS Vaterstetten angemieteten Räumlichkeiten über der Gaststätte ein Tanz- und Bewegungskurs mit entsprechend lauter Musik statt, die durch die offenen Fenster den Biergarten beschallte. Die Trauergesellschaft fühlte sich gestört und beschwerte sich beim Wirt, der seinerseits die Kursleiterin bat, mit Rücksicht auf die Trauergesellschaft die Lautstärke zu reduzieren oder zumindest die Fenster zu schließen. Es war nicht das erste Mal, dass sich Gaststättenbesucher durch Musikbeschallung oder laute Rufe aus den VHS-Kursen gestört fühlten. Und das nicht nur im Biergarten, sondern auch im Lokal selbst: Tanz- und Bewegungskurse in den direkt über dem Lokal befindlichen VHS-Räumen sind oft mit deutlich vernehmbaren Geräuschen durch die nicht lärmgedämmte Decke verbunden. Immer wieder hätten – so betonen das Wirte-Ehepaar Christa und Alois Ecker – Gäste deshalb das Lokal vorzeitig verlassen. Nachdem sich in den letzten Monaten die Beschwerden häuften, wandte sich Alois Ecker Anfang August schriftlich an VHS-Leiter Jürgen Will, und bat darum, „eine einvernehmliche Lösung bezüglich der lärmintensiven Nutzung des VHS-Raumes“ zu finden. Es müsse „doch möglich sein, diese (…) Kurse in eine andere Lokalität zu verlegen bzw. Kursräume zu tauschen“. Wer belästigt wen? Sechs Wochen später – mit Datum vom 14. September – antwortete darauf der stellvertretende Leiter der VHS, Hubert Schierl. In seinem Schreiben (das der Redaktion vorliegt) betont er, dass die VHS ein „ähnliches Problem“ habe: Nachdem „sich viele Teilnehmerinnen und Dozentinnen von Kursen, die Ruhe brauchen (Entspannung, Yoga …), über die Lärmbelästigung aus dem Lokal beschwerten“, habe man diese Kurse verlegen müssen, so „dass wir dort nur mehr Gymnastikkurse durchführen können.“ Eine Veränderung werde es deshalb von Seiten der VHS nicht geben. Zudem sei es auch für die VHS „nicht leicht, mit einem Lokal einen Stock tiefer zu leben“, so Schierl weiter. In diesem Zusammenhang kritisiert er, dass von Seiten der Gaststättenpächter der „gemeinsame Hauseingang des Gebäudes immer wieder verschlossen“ und Kursteilnehmer, die die Tür nutzen wollten „brüsk zurückgewiesen“ worden seien. Ein Verhalten, das für die VHS nicht nachvollziehbar sei. Eine Aussage, die bei Christa und Alois Ecker für Kopfschütteln sorgt: Der Eingang von der Biergartenseite in das Hofgebäude sei zwar anfangs sowohl Zugang zum Lokal, als auch zum Hofladen und den Räumlichkeiten in den Obergeschossen gewesen. Seit der Auflösung des Hofladens und dem Umbau dieser Erdgeschossräume zum Nebenraum des Lokals habe sich vor einigen Jahren die Situation aber grundlegend geändert. Damals wurde auch eine Trennwand (mit Tür) eingezogen, in dem so entstandenen Vorraum zwischen Gaststätte und Nebenraum steht seither die Kuchentheke, ein Schrank mit Gläsern und eine Garderobe für die Gaststättenbesucher. Durch diese baulichen Maßnahmen gehört diese Fläche eindeutig zum Lokal und ist kein öffentlicher Zugang mehr in die nördlichen Gebäudeteile und in den Innenhof. Wer haftet, wenn etwas passiert? Darüber, so Ecker, habe man die VHS auch informiert. Kursleiter und Kursbesucher seien auf diesen Sachverhalt hingewiesen und angehalten worden, künftig den Zugang auf der Hofinnenseite zu nutzen. Das habe lange auch bestens funktioniert, in letzter Zeit aber würden verstärkt wieder Kursteilnehmerinnen oder Mütter, die ihre Kinder zu einem VHS-Kurs bringen, auf ihr vermeintliches Recht pochen, diesen Zugang nutzen zu dürfen. „Da ist dann auch schon das eine oder andere deutliche Wort gefallen“, so Alois Ecker, der auch bestätigt, dass man den Durchgang tatsächlich einige Mal abgesperrt habe. Vor allem dann, wenn im Nebenraum Veranstaltungen stattfanden. Als Wirt sei er dazu allein schon aus versicherungsrechtlichen Gründen gezwungen. Ecker: „Da hängt im Vorraum die Garderobe der Gäste und die Bedienungen flitzen hin und her, voll beladen mit Getränken und Essen. Wer haftet denn, wenn etwas passiert?“ Irgendwie scheint es höchste Zeit für ein klärendes Gespräch zwischen Wirtsleuten, VHS und dem Vermieter Georg Reitsberger zu sein, der – von HALLO daraufhin angesprochen – meinte: „Da werden wir uns wohl mal zusammensetzen müssen“. – A.S. –

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