Über das Engagement mit syrischen Flüchtlingen im Libanon

Näh-Projekte mit Zukunftspotenzial

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Die Münchnerin Monica Liebetanz bringt Mädchen und jungen Frauen in den Zeltstädten im Libanon bei, wie sie sich selbst eine Tasche nähen können.

Rund 400.000 Flüchtlinge aus Syrien leben in der Bekaa-Ebene im Libanon in Zeltstädten. Unter anderem sorgen Nichtregierungsorganisationen (NGO) dafür, dass Kinder auch dort eine Schulausbildung erfahren. Beim Nachbarschaftswerk wagnis in der Messestadt erzählen die Münchner Erol Gurian und Monica Liebetanz am Samstag, 23. November, von ihren Hilfsprojekten mit Kindern und Jugendlichen im Bekaa-Tal.

Es sind alte Werbeplakate, mit denen in der Bekaa-Ebene im Libanon die Zelte der syrischen Flüchtlinge gebaut werden. So sorgen nun Planen mit Mc-Donald-Schriftzügen oder mit Werbung für den Whiskey Jack Daniel‘s dafür, dass die Menschen eine Unterkunft mit Dach haben, das sie vor Wind, Kälte und Regen schützt. Die Münchner Modedesignerin Monica Liebetanz sah Fotos, die ein Freund von ihr, der Münchner Fotograf Erol Gurian, von den Zeltlagern gemacht hatte und erfuhr: Im Libanon gibt es keine Papier-Werbung, Reklame wird auf solche Planen gedruckt und die aussortierten werden für die Behausungen der Menschen in den Zeltlagern genutzt. Sie sind günstiger als die üblichen Zeltplanen und angeblich auch wetterfester. Erol Gurian hat mit Kollegen das Medienprojekt „Ourvoice“ ins Leben gerufen. In einem Workshop lernen geflüchtete Jugendliche von dem Münchner Fotografen, sich journalistisch in Wort und Bild auszudrücken. Auf Gurians Fotos, die er im Libanon gemacht hat, fielen Liebetanz die bedruckten Planen auf und sie begann darüber nachzudenken, ebenso Workshops im Bekaa-Tal anzubieten. Mädchen und Frauen lernen nun von der Münchner Modedesignerin, die auch eine Schneider-Ausbildung absolviert hat, aus den Kunststoffabfällen Taschen zu nähen. Von ihrem ehrenamtlichen Einsatz im zentrallibanesischen Bekaa-Tal erzählen die beiden Münchner am Samstag, 23. November, im wagnis-3- Veranstaltungsraum in der Messestadt.

Mit Taschen-Verkauf Geld verdienen

„Syrische Kinder und Frauen arbeiten oft acht Stunden lang auf den Feldern, um Geld zu verdienen, damit sie ihre Miete für ihr Zelt bezahlen können“, so Liebetanz. „Mein Gedanke ist, dass ich den jungen Frauen beibringe, wie sie Taschen nähen, die sie dann später verkaufen könnten, um sich so die harte Arbeit auf den Feldern zu sparen.“ Bevor sie 2017 das erste Mal in den Libanon flog, war es der Modedesignerin wichtig, keine alte Nähmaschine aus Deutschland mitzubringen, sondern vor Ort eine gut funktionierende Industrie- Nähmaschine zu haben, die auch lange hält und näht. In Zusammenarbeit mit der vor Ort tätigen NGO „Beyond Association“ schafften sie es, den Kontakt zu einem Herrn in Beirut herzustellen, der ihnen eine gute aber auch teure Nähmaschine verkaufte. Und um wiederum solche Anschaffungen zu finanzieren, ist Liebetanz mit der Münchner „Gute- Dinge-Stiftung Kulturator“ verknüpft. „Und bevor ich in den Libanon fliege, versuche ich natürlich möglichst günstig Material für das Nähen wie Garne oder Reißverschlüsse zu organisieren“, erzählt sie. „Eigentlich wollten Erol Gurian und ich im Oktober diesen Jahres dort sein. Doch momentan haben die NGO-Mitarbeiter keine Kapazitäten, um unsere Workshops zu realisieren. Derzeit geht es vor allem darum, die Menschen in den Zeltstädten zu impfen.“ Allein ist Liebetanz nie im Libanon oder in der Bekaa-Ebene unterwegs. „Wir werden wunderbar betreut, wir haben Fahrer und Dolmetscher.“ Dabei klappt das gemeinsame Nähen der Taschen teilweise auch, ohne sich sprachlich verständigen zu können. „Die Mädchen wollen unbedingt lernen, wie man eine Tasche näht. Mit ihrer Akribie und ihrem festen Willen schaffen sie das“, so Liebetanz und fügt hinzu: „Es ist nur eine kleine Idee, ein kleines Projekt, mit dem ich vor Ort ein paar Menschen helfen kann. Aber warum nicht?“ So hofft die Münchnerin, bald wieder hinfliegen zu können. „Es müsste uns doch gelingen, dass die Frauen ihre Taschen zum Beispiel in einem Supermarkt in der nächstgelegenen Stadt verkaufen könnten und so Geld verdienen“, hofft sie. Doch vermutlich wird es Frühjahr werden, bis sie das nächste Mal in den Libanon fliegen kann.
Verena Rudolf

Monica Liebetanz und Erol Gurian erzählen von ihrem Einsatz im Bekaa-Tal am Samstag, 23. November, um 19.30 Uhr im Veranstaltungsraum des Nachbarschaftswerks wagnis an der Heinrich-Böll-Straße 75 in der Messestadt. Karten können per E-Mail an kultur@nachbarsschaftswerk-wagnis.org reserviert werden. Informationen zu Monica Liebetanz Taschenprojekt gibt es unter www.bekaa-bags.com.

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